460 Epee, --= EpikuräüiSmus und Stoicismus,
Eine Zeitlang verlegte er ſich auf die Rechtswiſſenſchaft, doch ſagte dieſelbe
ſeinem friedlichen Gemüthe nicht zu. Auf die Verwendung Boſſuets ex-
vielt er ein Canonicat in der Dibceſe Troyes, das er aber ſpäter wieder
verlor. Seitdem lebte er von ſeinem Privatvermögen. Er war 43 Jahre
alt, als er zwei tanbſtumme Zwillingsſchweſtern kennen lerute , die ſein
Mitleid in Anjpruch nahmen. Pater Vanin hatte dieſelbe bis jeht durch
Kupferſtiche unterrichtet. De PEp6e dachte darüber nach, wie man ſich
ihnen dur< Zeichen verſtändlich machen könnte. Ein ſpaniſches Buch über
die Kunſt, die Taubſtummen zu unterrichten, veranlaßte ihn, die ſpaniſche
Sprache, die er nicht verſtand, zu erlernen und fortan widmet? er ſich ganz
diejem menſchenfreundlichen Werke. Bekannt iſt ſeine Theilnahme für den
unglüctlichen Jüngling, ven von ſeiner Familie verſtoßenen taubſtummen
Grafen von Solar , den er in Lumpen gehüllt 1773 auf der Straße von
Perrone fand und veſſen Einſezung in die Familienrechte ihm zu bewirken
gelang, der aber nach de VEpCe's Tode, ſeines Beſchüßers beraubt, dieſer
Rechte wieder durch ein Gegenurtheil verluſtig erklärt wurde. 1760 gründete
de l'Epbe eine Taubſtummenanſtalt. Gönnex, insbeſondere der Herzog von
Penthivvre, unterſtüßten ihn, ſo daß er ſeine Anſtalt bald exweitern und
auf den Montmartre verlegen konnte. Doch de lEpte mußte. oft ſelbſt
Mangel leiden, um ſeinem wohlthätigen Herzen genügen zu können. Lud-
wig XVI. bewilligte ihm endlich im Jahre 1735 eine Summe zur Aufnahme
einer beſtimmten Anzahl Taubſtummer. Aber der Wunſch, ſeine Anſtalt
zu einer Staatsanſtalt erhoben zu ſchen, ging bei ſeinen Lebzeiten nicht mehr
in Crfüllung. Er ſtarb den 23. Dezember 1789. Sein Hauptwerk iſt:
Ja veritable maniere d'instruire les 80urds et muets. Paris, 1784. Ju
der Kirche zum hl, Nochus in Paris liegen ſeine Gebeine.
Cpifuräibmus und Stoieismus, Der Stifter des erſtern Syſtems iſt |
Epikur, der Sohn eines nach Samos ausgewanderten Atheners. Er wurde |
im Jahre 342 v. Ehr., jec nete in ſeinem 36. LebensSjahre eine philoſophiſche Schule zu Athen , der
er bis zu ſeinem Tode (270 v. Chr.) vorſtand. Seine geiſtige Nichtung und
jeine Lehre läßt fich als jene Thätigkeit griffe und Beweije ein alückliches Leben bewirkt. Im mvo-
dernen Sinne verſteht man unter Epikuräer einen Genußſüchtigen, einen Wyol-
lüſtling, und unter Epikuräi8mus die Sinues8art, welche ihre Glücſeligkeit
allein in dem ruhigen und möglichſt umfaſſenden Genuß des irdiſchen Lebens
jn Benennung „Stoicismus“ von dem Umſtande herleitet, daß jener ſeinen
Lehrſih in der Stoa -- einer mit Malereien ausgeſchmücten Säulenhalle
zu Athen aufſchlug. Auch diejes Syſtem hat, inſoferne es in der Gleich-
giltigkeit gegen Schmerz und andere Eindrücke das höchſte Gut erblickt, eine
imMlimme Nebenbedeutung erlangt. Hier kann von beiden Syſtemen nr |
injoweit die Nede ſein, als ſie in der Erziehung zur Anwendung gebracht
werden wollen. (E8 fehlt nicht an neuen Epikuräern, welche bei der Bil-
dung des Menſchen vem zeitlichen Genuſſe alles unterordnen, vem Wohl-
jein vas Gutſein opfern möchten -- dies iſt ein verwerfliches Extrem; es
fehlt auch nicht aun neuen Stoikern, welche ihr Bildungsideal in der Unah-
hängigkeit vom ſinnlichen Genuſſe finden und dem Stolz, als der Spiße
ihrer Weisheit, anheimfallen, = dies iſt wieder ein Erziehungsextrem.
Das Chriſtenthum bejeitigt beide, Extreme, indem es uns lehrt, die
Sinnlichkeit dem Geiſte, und den Geiſt Gott zu unterwerfen, den Frieden
der Seele und das Cinesſein mit Gott vor allen andern Gütern anzuſtre-
ven, die Freude durch weiſe Auswahl und durch Mäßigung, das Leid durch

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