Full text: A. bis F. (Formaler Unterricht) (1)

468 Epilog, --- Erasmus Deſiderius, 
jelben in einem reizbarxen Nervenſyſtem krankhafte Cricheinungen hervor- 
rufen. Vor dieſer Gefahr die eine öſfentliche Schule beſuchende Jugend 
u ſchüßen, iſt die unerläßliche Pflicht der Aufſichtsbehörden, und der Um: 
tand. daß nach der Angabe ſich derjeit unter den Schülern kein beſonders 
nerveitſchwacher zu befinden ſcheint, kann von dieſer Pflicht nicht entbinden, 
da es zu ſpat wäre, den Kranken exſt dann zu entfernen, wenn bereits ein 
Nachtheil jener Art eingetreten iſt. Auch iſt nach der Erklärung des Lehrers 
der Gindru> auf ihn ſelbſt ein erſchütternder und peinlicher, was nicht ohne 
nahtheilige Einwirkung auf ſeine Wirkjamkeit in der Schule jein kann. --- 
So ſchwer daher auch die Entbehrung des öffentlichen Unterrichtes für dei 
Kranken und deſſen Eltern ſein mag, 19 darf ſic) doch die Behörde durc 
die Rückſicht auf einen Einzelnen nicht von ihrer pflichtmäßigen Sorge für 
das Ganze abhalten laſſen, und das G. OÖ. A. hat. deßhalb dem --- aufzu: 
geben, ſein Kind ſo lange vom Beſuche der Realſchule zurückzuhalten, bis 
genügende Beweiſe von ſeiner Wiederherſtellung beigebracht werden können.“ 
S. SüSkind , Geſeze über die Volksſchule Württembergs, 11. 291. 
Epilog wird die Schlußrede ſowohl in dramatiſchen Gedichten, als der 
Schluß in der eigentlichen Eunſtgerechten Rede genannt (peroratio). In 
der Katechiſativun iſt der Epilog die Anrede des Katecheten an die Schüler 
am Schluſſe derſelben. Die Art und Weiſe, wie die Katecheje geſchloſſen 
wird, bedingt die Fruchtbarkeit derjelben, deßhalb wird der Epilog nicht ſv 
kurz fein können, wie das ECxordium. (S. d. A.) Wenn nämlich die eigent- 
liche Katecheſe mehr damit zu thun hat, den Verſtand aufzuklären und eine 
deutliche Erfenntniß zu verſchaffen , fo wird es ſich zuleßbt darum handeln, 
vie erkannte Wahrheit auch dem Herzen nahe zu legen. Die Religionsſtunde 
joll zugleich eine Erbauungsſtunde ſein (). d. A. Erbauung); aber die Schwie- 
rigkeit des zu behandelnden Stoffes raubt nicht ſelten derſelben ihre Weihe. 
Dieſe wieder zurückzuführen iſt hauptſächlich die Aufgabe des Epilogs. Ju 
demſelben werden die Hauptpunkte der Katecheſe noc< einmal wiederholt, 
das Schöne und Tröſtliche , was in den erkannten Lehren liegt, wird vor- 
zugsweiße herausgehoben; es wird gezeigt, wie die Lehren pratktijch angewende! 
werden können und die Kinder werden zu diejer Anwendung aufgemuntert. 
Wenn im Artikel: Cxordium geſagt iſt, daß ein Gebet, das auf den zu be- 
handelnden Stoff Bezug hätte, das beſte Cxordium wäre, jo gilt dies noh 
mehr vom Epilog. » E38 jind deßhalb auch in manchen katechetiſMen Hand- 
büchern am Schluſſe der einzelnen Abſchnitie Gebete beigeſügt (z. B. in der 
katechetiſchen Anslſegung des Freiburger DivcejankatechiSmus von Alban 
Stolz). Freilich ſollte das Gebet des Katecheten der Ausdru> der durc 
die Katecheje gewonnenen religiöſen Stimmung fein. 
Eraömus Deſiderius (eigentlich Gerhard Helie) von Rotterdam, der un- 
eheliche Sohn von Eltern, die ſchweres Mißgeſchi> trennte und erſt ſpäter 
wieder zuſammengeführt wurden, als ſie ſich nicht mehr ehelichen konnten, 
wurde am 28. Oktober 1467 geboren. Füuf Jahre alt wurde er an die Ca- 
thedraltfir<he nach Utrecht als Chorknabe geſendet. Zu Utrecht blieb er bis 
zum neunten Jahre; dann wurde er nach Deventer geſchi>t, wohin ſeine 
Mutter ihm folgte; dort beſuchte Erasmus die Schule der Hieronymianer. 
Fx machte ſolche Fortſchritte, daß Rudolph Agricola ihm ſchon voraus 
jagte, er werde einſt ein großer Mann werden. Als er dreizehn Jahre ali 
war, ſtarb die Mutter an ver Peſt und der Vater aus Kummer, und Eras- 
mus mußte drei Jahre lang das Fraterhaus zu Herzogenbuſch beſuchen. 
1486 wurde er OrdensSmann und Prieſter ohne eigentlichen Beruf und 
Neigung, auch vom Bapſte j<hon ein paar Jahre nachher von den DOrdens- 

	        

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