A80 ECxinnexyngen, Grimmerungskraft, Exinnerungsvermögen, = Exkenniniß,
durc; ſie das Gedächltiß wie die Einbildungs - und Urtheilskraft geübt
wird, jo gewährt es einen nicht geringen Vortheil, in den Kindern die Er-
innerungskraft oft zu üben. Wenn man. bedenkt, mit welcher Suktigteit
vas Kind über die gehabten Vorſtellungen hinweggeht und wie oberflächlich
es von demſelben oſt berührt wird, dann erſcheint dieſe Uebung um ſo noth-
wendiger. Ein Kind , deſen Erinnerungskraſt nicht gehörig geübt wird,
iommt täglich in Verlegenheit, und wird das, was man „dumm“ nemnt;
es bleibt vergeßlich, geiſtesSarm und geiſtesfanl und verliert nach und nach
jogar die Fähigkeit, ſich zu beſinnen. Erzieher und Lehrer werden daher
auf die Pflege der Grinnerungskraft die nöthige Sorgfalt verwenden. Täg-
lich bietet ſim dazu Gelegenheit. Was die Kinder geſtern geſehen, gehört,
gelernt haben, ſoll heute wieder in die Erimerung gerufen werden. Haben -
jie etwas davon rein vergeſjen, ſo hilft es nichts, ihnen zu ſagen: bejinnet
eu dent man zuerſt verſucht, durch Nebenumſtände oder einzelne Merkmale, die
man aufdet, die vergeſjene Vorſtellung zu erneuern; gelingt es nicht, jo
bleibt nur übrig, diejelbe noch einmal - vorzuführen. = Unter Erinne:
rungen verſteht man zuweilen jene Art von Mahnungen , durch welche
Jemand auf eine Pflicht, die er zu Üben vergeſſen hat, aufmerkſam gemacht
wird. Solche Erinnerungen ſind bei Kindern beſonders nothwendig , doch
jollen jie nach Maß - und Weiſe ſo gehalten ſein, daß der Erfolg ven Erwar-
tungen entſpricht. Niemeyer ſagt hierüber : „Die gewöhnliche Methode,
Kinder taujendmal zu erinnern, auch wohl von Zeit zu Zeit zu ſtrafen,
ohne darauf zu beſtehen, daß, was zu ändern möglich iſt, auf der Stelle
geändert werde, hilft wenig oder gar, nichts. Wer etwas vergeſſen hat, muß
jogleich den Weg uoch einmal machen ; wer etwas aus Unordnung verloren
hat, muß jofort angehalten werden, ſo lange zu ſuchen, bis ex es findet. Wer
eine Arbeit zu flüchtig machte, ſchrieb, zeichnete, werde nicht ſowohl ausgeſcholten
als genöthigt, jie noch einmal von vorn zu machen, bis ſie ſo gut wird, als er
fie machen kann, jollte er auch noch jo viele Vergnügungen darüber ver-
jäumen, deven fich indeß die Fleißigen freuen.“ Ferner fagt derſelbe PBädagog :
„Gijern und Schelten kann einigemal Eindruck machen und erſchüttern, aber
dauernd iſt dieſer-Cindru> nicht und verliert bei jeder Wiederholung an Stärke.
Man achte auf die Wirkung ſolcher Predigten, in welchen unabläßig geeifert
wird, wen rühren jie, wen beſſern fie? Man achte auf den Erfolg der Erziehung
in Familien, wo den ganzen Tag geſcholten wird: ſteht es beſſer darin um die
wahre Zucht? Werden nicht Kinder ſelbſt Drohungen und Straſen gewohnt? ...
Der Mäßigung, der Nuhe, der Feſtigkeit des Sinnes, der ſtrengen Gerechtigkeit
ohne Leidenſchaftlichkeit bringt man den Tribut der Ehrfurcht; ver Milde und
Schonung ohne Schwäche den Zoll der Liebe.“ Es wirkt ganz ander3 auf das
Kind, wenn man ihm mit Ernſt und Würde ſagt: „ſiehe, wie wichtig dieſe
Pflicht ijt, und du konnteſt ſie vergeſſen! Aber du wirſt ſie hinfort nicht mehr
vergeſjen ; denn meine Pflicht fordert, daß ich das Vergeſſen derſelben nicht
dulde.“ Anders wirkt dieſe Erinnerung auf das Kind, als wenn man es
hart und verleßend anläßt. Der Erzieher darf überhaupt nicht überſehen,
daß der Zögling an eine und dieſelbe Sache öfter erinnert werden muß,
bis er ein jolches Intereſſe dafür gewonnen hat, daß durch dieſes die Ne-
produktion derjelben hinreichend unterſtüßt wird. Auch weiß man, daß
vieles Gelernte, Gehörte, Auſgetragene 2c. nur nach längerer Uebung dem
Gedächtniſje der Kinder ſv feſt inhaftet, daß es mit Leichtigkeit, ohne lange
Mühe in die Crinnerung tritt. S. d. A. Gedäctniß.
Erkenutniß. Erkennen iſt von Kennen verſchieden; denn während Ken-
nen die Belanntſichaft mit den Merkmalen und Kennzeichen einer Sache

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