482 Ermahnungen. =- Erleichterung ves Unterrichts.
Seele ſich ſelbſt erkenne , erklärt P. M. Liberatore nach dem heiligen -
Thomas von Aquin in folgenden Worten: „Wie die Seele zur Kenntniß -
ihrer Exiſtenz inſoferne gelangt , als ſie gewahr wird , daß ſie denke , ſo
erkennt ſie auch aus ver Natur des Gedankens die Natur der eigenen
Subſtanz.“ Der wichtigſte Gegenſtand für die menſc die Exrkfenntniß Gottes, und die- Art und Weiſe, zu dieſer Erkenntniß zu
gelangen. Sie iſt aber darum die wichtigſte , weil ohne ſie das eigene
Selbſt wie die Welt unerklärlich bleibt. Je beſſer der Menſch ſich ſelbſt er-
kennt, deſto beſſer ſieht er ein, daß er nicht aus ſich ſelbſt iſt und nicht
durch ſich beſtehen kann ; er fühlt ſich daher gezwungen, ein Weſen anzu-
nehmen, dem er ſich verdankt. CEbenſo fühlt er ſi< gedrungen, die Welt
al8 etwas Zufälliges und Hervorgebrachtes anzuſehen, das nothwendiJ auf
eine erſte Urſache zurückführt. Die ſo gewonnene Erkenntniß Gottes ſchreitet
in dem Maße vorwärts, als wir uns unſeres innern Gotte8bewußtſeins
und der Abhängigkeit der Welt hewußt werden.“ (Vrgl. die Erkenntniß-
theorie des heiligen Thomas von Aquin von P, M. Liberatore. Aus
dem Ztalienij 237--49. Zeheter, Erziehungs8- und Unterrichtslehre. S. 17 ff.) Im
Gejagten ijt bereits angedeutet, welches der Brennpunkt ſein müſſe, worin
ſich die Nadien des Unterrichts und der Erziehung zu ſammeln haben, um eine
gründliche, wahre und volle Erkenntniß deſſen zu erlangen, was der Zögling
theoretiſch oder praktiſch ſich eigen machen ſoll.
FLErimohunngen. ES iſt eine der hauptſächlihſten Pflichten des Erziehers,
überall da zu ermahnen, wo ein Geſeßz entweder ſchon übertreten worden iſt,
oder wo eine Verjuchung nahe liegt, ein ſolches zu überſchreiten, oder wo ſich
eine pajjende Gelegenheit gibt, aus einem gegebenen Falle eine praktiſche
Lehre für das Leben zu ziehen. Der einzelne Fall bedingt die Verſchiedenheit
der Ermahnungen. Der Erzieher vertritt hier die Stelle Gotie8, denn wie
dem Prieſter, jo gilt ihm: wir ſind Geſandte an Chriſti Statt, indem Gott
gleihſam dur< uns ermahnt. (2 Kor. 5, 20.) Dieſem Amte darf er ſich
nicht entziehen, denn eine jede vorhergegangene Ermahnung iſt ein Zeugniß
wider die Sünde, wenn ſie durch ſie nicht verhindert wurde. Aber dieſe Er-
mahnung muß geſchehen im Geiſte der Sanſtmuth und der Liebe, und doch
verbunden mit heiligem Ernſt. Wenn der Apoſtel den Timotheus lehri,
die Jüngeren als Brüder zu ermahnen (1 Tim. 5, 1.), ſv kann man dem Er-
zieher die Lehre geben: ermäahne deine Zöglinge al3 deine eige-
nen Kinder. Wenn aber gleichwohl das Schweigen da, wo man ſprechen
jollte, eine Sünde wäre, jo hüte man ſich doch vor dem Uebermaß und glaube
ja nicht, alle Schritte und Tritte , die mit dem Zöglinge gemacht werden,
mit Ermahnungen begleiten zu ſollen. Ein Paar vernünftige Worie ſind oft
mehr werth al38 eine lange Predigt und man darf nie vergeſſen, daß man
auch der ſittlichen Kraft des Zöglinges zu deſſen eigener Ermunterung etwa3
zutrauen ſollte. .
Ermüdung, 1. Abſpannung.
Erleichterung des Unterrichts. Seit Ratich, und noc< mehr ſeit Baſe-
» ow hat man großes Gewicht auf die ſogenannte Erleichterung des Unter-
richts gelegt. Es iſt bekannt , wie Baſedow den Einfall hatte, Buchſtaben
baden zu laſſen, um den Kindern während des Speiſen3 das Alphabet bei-
zubringen. . Er rühmte ſich, daß in jeinem Inſtitute eine jede Sprache in
je niß der grammatikaliſchen Regeln abſehe, in einem Jahre jedoch unter gründ-

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