Erziehen, 487
gleichjam als bedürften leßtere deſſen, odex als könnten fe dadurch an Deitt-
lichkeit gewinnen. Um was mag 3. B. der Begriff „Erlöſung“. dadurch
"anſchaulicher werden , wenn ich ſage: ein Mann ſchmachtete, von einem
: Tyrannen feſtgehalten, viele Jahre in finſterm Kerker, ohne Ausſicht auf
Befreiung. Da kam ein mächtiger König, beſiegte den Tyrannen und ver-
jehte den Gefangenen aus der Nacht des traurigſten Gefängniſſes in das
Licht des Tages und der Freiheit. Und wenn ich fortfahre: jener Mann
ijt der Menj< , der Tyrann iſt der Teufel, der Kerker iſt: des Menſchen
Sündhaftigkeit, Noth und Tod, der Befreier iſt Chriſtus, der Herr 2c. Um
was iſt jeht die Erlöſungsgeſchichte, des Menſchen Nothſtand und Wie-
derbringung , wie ſie geſchichtlich vorliegt, deutlicher geworden? Wozu be-
durfie ich jol< erfundene Geſchichte, um die wirkliche zu ver-
ſtehen ? Erzähle man nur den Zuſtand unſeres Geſchlechtes vor und ohne
Chriſtus und den, worin dieſes durc< Chriſtus verſeßt wurde , ſo hat man
'den Begriſſ des Erlöſers in geſchichtlicher Anſchauung und e38 bedarf nicht
noh einer Geſchichte, um dieſe bibliſche zu verſinnlichen.“ Alſo Hirf Aber freilich dieſes Cingehen in die Bedeutung der Thatſachen und das
Erzählen derſelben in bibliſcher Cinfachheit iſt f Beiſpiele aus einem Buche herauszunehmen, und gar oft leiten die zu den
KatechiSmen geſchriebenen Handbücher no< den Katecheten irre. Noch iſt
zu merken, was Hir]< er weiter jagt: „Häufig geſchieht e8, vaß für jedes
einzelne Merkmal eines auſzuhellenden Begriffes eine eigene kleine Ge-
jehichte oder ein Fall oder ein Beiſpiel , zur Veranſchaulichung beigebracht
wird. Solches iſt im Allgemeinen unzwedmäßig, weil der Zögling int der
Vielheit der Geſj beſjer, den ganzen Begriff in allen ſeinen Merkmalen an einer einzigen
Geſchichte 2c. durc z. B. an der Parabel des verlorenen Sohne3.“

Erziehen. Zndem wir den Begriff von „Erziehen“ und ſpeciell den
Begriff der „hriſtlihen Erziehung“ darſtellen, haben wir es mit dem
Grundbegriffe der ganzen Pädagogik zu thun. Es kann ſchwierig ſcheinen,
ihn richtig zu ſormuliren, da er bei den verſchiedenen pädagogiſchen Scrift-
ſtellern einen jehr verſchiedenen Ausdru> gefunden hat. Dies iſt jedoch
aus der Verſchiedenheit des Syſtems, dem ſie huldigten, und des Stand-
punktes, den jie einnahmen, zu erklären; auch rührt e8 bei Einzelnen da-
ber, daß ſie die Begriſſe Erziehung und Beſtimmung des Menſchen
conjundirten. Obwohl nun unjer Standpunkt der katholiſche iſt, ſv erheben
wir doch zuerſt die etymologiſche, ſodann die allgemeine und dann erſt die
katholiſMe Bedeutung von dem, was man unter Erziehung zu verſtehen
hat. --- 1) Dem etymologiſchen Sinne nach wird erziehen von ziehen,
und dieſes von den Wurzeln zu oder zi (entſprechend dem lateiniſchen. du
und di in den Wörtern edncare, ducere, dicere, erziehen, führen, ſagen)
hergeleitet, von Wurzeln ſolglich, welche ſich auch in den Ausdrücen zeigen,
zeugen und Zeuge wiederfinden, und ganz deutlich auf eine Thätigkeit hin-
weijen, durc< die etwas Unentwiceltes entwickelt, alſo zu ver ihm möglichen
Größe oder Reife gebracht, oder erhellet wird , was in der einen wie in
der andern Hinſicht auf den Grundbegriſf des Zeugens hinauslauft. Da
die Zeugung im leiblichen und im geiſtigen Sinne genommen werden kann
und bei der Erziehung in beiderlei Weiſe genommen wird , ſo werden wir
micht irren, wenn wir unter Erziehung im etymologiſchen Sinne des Wox-
tes und mit Rücſicht auf die Vorſilbe „Er“ (durc< welche die Richtung zu
einem Ziele oder zur Vollendung hin bezeichnet wird). jene Thätigkeit oder
Ginwirtung auf Andere verſtehen, durch welche ſie leiblich und geiſtig ent:

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.