Erziehung, Charakter dexſelben, 491
Erziehung 1) nicht darin heſteht , rein negativ, vorbeugend vver verhütend
zu verfahren; zwar muß der Raupenfraß und alles Schadhafte von der
jungen Pflanze abgehalten werden; aber ſolches genügt nicht, wenn die
Pflanze an ſich ſchon ſchadhaft iſt; für die en Fall muß ein heilendes, um-
geſtaltendes Verfahren ſtattfinden. 2) Auch beſteht die Erziehung nicht in
einer bloßen Anregung der jugendlichen Kräſte, ſo daß dieje dann aus und
vurc< ſich werden könnten, was ſie werden ſollen, jondern in dem Neuge-
bovenwerden der verdorbenen Kräfte , wobei man jedoch nicht ,an die Her-
vorbringung neuer oder an die Ausrottung vorhandener Anlagen zu den-
ken hat. 3) Noch viel weniger beſteht die Erziehung blos im Unterrichten,
oder wohl gar im Abrichten zu einem wohlanſtändigen äußerlichen Beneh-
Men ; denn iſt auch aller wahre Unterricht erziehlicher Art, jo verhält
er ſich zur Erziehung do< nur wie der Theil zum Ganzen. Auch darf
Erziehung und Bildung nicht miteinander verwechſelt werden , da ſie
ſich zuſammen verhalten wie Baum und Frucht, wie Urfache und Wirkung.
Die Erziehung beſteht, um mit Rottels zu reden, „in dem Religiöſer-, Beſ-
ſer-, Glüclicher- und Wahrerwerden des Subjektes felbſt, die Bildung aber
in ver Entwieklung und Aeußerung, der eigentlichen Prädicirung des Sub-
jekts.“ Darin kann man indeß mit dem ebengenannten Pädagogen nicht
einverſtanden ſein, daß man dem Unterricht, der DisSciplin und Gewöhnung
den erziehlihen Charakter abſpricht. S. d. A. Erziehung3mittel.
Erziehung , Charakter derſelben. Aus dem über die Erziehung aufge-
ſtellten Begriffe. ergibt ſich ihr Grund Liſc die ganze Menj wiclung5pyerioden der Menſchheit zu durchdringen, wie der Sanerteig die
Maſſe Mehl durc ſie ſim in einer Republik oder in einer Monarchie niedergelaſſen habe, Sie
iſt der rohen Naturkraft der alten Germanen wie den Speculationen un-
ſerer heutigen Philoſophen gewachſen. Durch dieſe Katholicität wird es
möglich, immer und überall dieſelbe Saat der Wiedergeburt in das Herz
der Menſchen zu ſtreuen, und jonach den vbjectiv-realen Inhalt der Ex-
ziehung (materiale Erziehung) in ſeiner Reinheit und Vollſtändigkeit auf
Leben und Geſinnung zu übertragen, wodur< eine wahrhaft menſ Erſtehung entſteht, indem auf dieſent Wege das ganze Geſchlecht einen Fa-
milienerziehungstypus erhält, und dies iſt die wahrjte, ſchönſte und höchſte
Idee, welche dur< die Erziehung verwirklicht werden kann. Darum darf
ver Charakter der leßtern fein anderer als ein katholiſch - kirchlicher ſein.
Wir haben dafür noch einen weitern Grund: Die katholiſche Kirc auf einem unzerſtörbaren und unwandelbaren Fundamente ruht, kann den
Geiſt , den Eruſt und den Willen der wahren Erziehung ebenſo wenig ver-
lieren als die Mittel , die ihr von Gott dazu gegeben ſind. Aus der Fa-
milie, aus dem Staate kann jelhſt der Sinn für wahre Erziehung weichen,
wie uns nicht nur das alte, jondern auch vas neue Heidenthum zeigt. Der
katholiſchen Kirche aber kann diejer Sinn nie abhanden kommen , weil fie
in ihrer erziehenden Thätigleit vom heiligen Geiſte geleitet wird. Durch
dieſe Leitung iſt ſie in den Stand geſeßt, den göttlichen Plan der Erziehung
des Menſchengeſchlechtes zu verſtehen, wie ihn jonſt Niemand verſteht , und
zu deſſen Ausführung mitzuwirken, wie ſonſt Niemand dazu mitwirken kann,
Sie iſt alſo auch von dieſem Geſicht3punkte aus der Hauptfactor bei der
Erziehung, weßhalb wir diejer den Charakter einer katholiſch-kir dieiren müſſen. Wir find hiezu noch aus folgendem Grunde genöthiget:
Die Erfahrung lehrt, daß man in dem Maße vom Chriſtenthum ſich ent:

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