Erziehung, deren Gründlichkeit. - 493
der vorſfündſlutigen Zeit, vder ſo heilig wie die Apoſtel. Allein mit dieſer
Erziehung im weitern Sinne, welche dach meßr over weniger in Selbſter-
- ziehung Übergeht, haben wir es nicht zu thun, ſondern nur mit jener Er-
„ ziehung, welche jich über die Unmündigen erſtree>kt und folglich mit den
Jahren der Mündigkeit des Zöglings an ihrem Ziele angekommen iſt. Zwar
läßt ſich dieſe Zeit gleichfalls nicht genau beſtimmten, da ſie nicht auf einen
feſtgejeßren Termin eintritt, ſie wird aber gewöhnlich (f, Kellner, Volks-
ſhulkunde. 8. 12.) auf die Jahre des Schulbeſuchs ausgedehnt , in welchen
die Grundlagen ſür alles Das gelegt werden, was in der Folge als Ex-
ziehung gelten und wirken kann. Die Jahre ver Kindheit ſind alſo die
Jahre der Erziehung. Iſt die Kindheit vorüber, ſo ſoll die Erziehung auf
jenem Höhepunkte angekommnien fein, wo der Zögling der Erziehungsgewalt
allmählich entlaſſen werden kann, um das biöher durch die Erziehung
Erworbene ſelbſtthätig zu erweitern. Er ſteht zwar noh fortwährend unter
Lehre, Zucht und Gewöhnung, aber in anderer als ver frühern Weiſe.
S. Dr. JT. C. A. Heinroth, über Erziehung und Selbſthildung. 1837.
Hergenröther, Erziehungslehre. 8. 3.
Erziehung, deren Gründlichkeit, Ein Geſchäft, das ſo wichtig und
ſ Verſäumniſſe , Seichtigkeit und Oberſlächlichfeit ziehen hier die ſchlimmſten
Folgen nach ſich und können in den meiſten Fällen nicht mehr gut gemacht
werden. Zur Verhütung ſolcher Uebelſtände genügt es noch nicht, wenn der
GCrzieher auf ſeinen Zögling möglichſt achtet, alle aks wahr erkannten Grund-
jäße der Crziehung im Kleinen wie im Großen anwendet und nichts , was
zu diejem Geſchäfte gehört, als unbedeutend anſieht, -- er muß jene Grund-
jäße gründlich zu verwerihen wiſſen, ſeine Wachſamkeit und Achtſamkeit darf
nicht an den äußern Erſcheinungen hängen bleiben, weil ſie oft jede3 innern
Lebens ermangeln, ebenjowenig darf er ſich in ſeinem Urtheile von einer
vereinzelten Erſcheinung leiten laſſen , ſöndern muß alle Vorgänge, die ſich
bei der Erziehung ergeben, in ihrem Zuſammenhange auffaſſen , damit ex
ſie in ihren wahren Urſachen erkennen lerne; auch darf er ſich nicht zu
ver Täuſchung hinreißen laſſen , von augenblilichen Erfolgen eine Dauer
zu erwarten, welche fie ihrer Natur nach nicht haben können. (Curtmann.
I. S. 199.) Zu einer gründlichen Erziehung gehört insbeſoudere, dem Zög-
linge die Erfenntniß des Wie und Warum thnnlichſt zu erleichtern , wa3
am eheſten durc<ß Hinweiſung anf lebendige Bilder aus dem Kreiſe der Kin-
Der gejjehen möchte. Daß zu einer gründlichen Erziehung auch eine gründ-
liche Kenntniß des zu erzichenden Individuums gehöre , verſteht ſich von
jelbſt ; denn wie der Arzt ſicherer greift, wenn er den Patienten genau
kennt, ſo wird auch der Erzieher von ſeinen Maßnahmen beſſere Früchte
voſſen dürfen, wenn ſie für die Invividnalität des Zöglings berechnet ſind.
Weil ex aber zu dieſer Kenntniß nicht immer gelangt , wenn er das Kino
unter jeinen Augen hat , ſo wird oft nothwendig erſcheinen, daß ex es da,
iwo es jich gehen läßt und in voller Unbefangenheit handelt, wie eiwa im
Kreije jeiner Geſpielen, zu beobachten ſuche. Wer gründlich erziehen will,
wird hei allen jeinen Schritten den letzten und höchſten Zwe& ver Erziehung
im Auge behalten müſſen ; denn ohne dieſe Rükſichinahme ſchlt e3 der Er-
ziehung an Einheix und folglich auch an Kraft. Wo vas Ziel Überſehen
oder nicht beachtet wird, iſt der Erfolg hö der Erziehung ſcheint mehr von der Willkür , als dem Geſeße der Weisheit
geleitet zu jein. Warum hatte man in frühern Zeiten ſo gründlich erzogen,
und warum gedeiht die Erziehung jeht noch unter der Leitung ganz ein-
facher und ſtiller häuslicher Verhältniſſe? Wohl hauptſächlich darum, weil.

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