, Erziehung, Hauptgrundſäße derſelben. 495
al8 Berufserziehung Bezeichnung da, wo von Erziehung im eigentlichen Sinne des Wortes die
- Rede iſt, keine Bedeutung hat. Will man Hauptarten der Erziehung auf-
- ſtellen, ſo faun man nicht vom ſpeciellen, außer dem Menſchen liegenden
5. Verhältniſſen ausgehen, weil wir ſonſt leiht mehr Hauptarten der Erziehung
als Erzieher haben müßten; ven Eintheilung8grund zu diejen Hauptarten
kann man mur vom Menſchen felbſt, dem Gegenſtande der Erziehung, her-
nehmen, und jofort bleibt uicht8 Anderes übrig, als von einer leiblichen und
: geiſtigen Erziehung zu ſprechen.

Erziehung. Hauptgrundſäße derſelben. Unter Grundſäßen
der Erziehung verſtehen wir nicht die Regeln und Anleitungen , an welche
ſich eine weije und geordnete pädagogiſche Thätigkeit zu halten hat, jondern
jene Säße und Wahrheiten , die ſich aus dem Begriſſe der Erziehung un-
mittelbar ableiten laſſen, und zu ihrer Begründung keines weitern Beweiſes
bedürfen, aus denen aber die Wahrheit anderer, durc< richtige Schlußfolge
abgeleiteter Säße erkannt werden kann. Da ſie allgemeine Säße ſind , 10
wird die ECrziehungsthätigkeit durch ſie auch nur im Allgemeinen beſtimmt.
Sie liegen den beſondern Regeln und Anweiſungen der Erziehung zu Grunde.
Der Begriſf der Erziehung, in imperatoriſcher Form ausgedrüct, kann als
ver erſte dieſer Grundſäße betrachtet werden, wie fich denn au3 ihm, wenn
er nicht an einem wiſſenſchaftlichen Fehler leidet, die weſentlichſten allge-
meinen Erziehungsgrundſäße finden laſſen müſſen. Demzufolge lautet der
dberſte Grundſaß der Erziehung: Wirke ſo auf den Zögling ein,
daß er zur Ginheit mit Chriſtus erhoben und befähigt wird,
ſjelbſtihätig nach allen Seiten ſeine8 Daſein8 hin viejes Ver-
hältniß feſtzuhalten und immer vollkommener zu geſtalten.
In diejem Hauptgrundſate ſind alle übrigen Grundſäße der Erziehung ent-
halten. Sie gehen von ihm wie die Radien von ihrem Centrum aus. ZIn-
dem er die Selbſtthätigkeit als die Lebensform bezeichnet , deren Gepräge
der Zögling durch die Erziehung erhalten ſoll , ſchließt er die formalen
Grundjäße der Erziehung in ſich; indem er auch den Inhalt und Gehalt
der Erziehung in der Einheit mit Chriſtus hervorhebt, ſc Reihe der materialen Grundſäße der Erziehung in ſich. Aus jener Wur-
zel ziehe wir den oberſten formalen Grundſaß aus und geben ihm folgende
Faſſung: Wirke auf den Zögling ſo ein, daß ex zur Selbthä-
tigkeit und Selbſtſtändigkeit befähiget wird. Ex ſoll ja dahin
fommen, daß er mündig und dent Geiſte nach großjährig wird, d. 1. mit
Bewußtſein und ſelbſtſtändig der allſeitigen Vollkommenheit nachſtreben lernt.
Die Natur jelbſt verlangt, daß diefer Grundſaß beobachtet werde , und der
Erzieher kann und will es nicht verhindern, daß der Zögling zur Setlbſt-
jtändigkeit gelange, Es wäre daher ein Fehler gegen dieſen Hauptgrund-
jaß der Erziehung , wenn man , die Nothwendigkeit des Gehorſams über-
ſhäkßzend , die Selbſtſtändigkeit des Zuöglings untervrü>en, oder mit Unab-
hängigkeit und Zügelloſigkeit verwechjeln wollte, invem man Gehorſam und
Abhängigkeit nicht gehörig würdigt, Allein zu dieſer Selbſtſtändigkeit ge-
langt der Zögling mir ſtufenweiſe und allmählich; es ſind eine Menge
von Graden, die mit ihm durchſchritten werden müſſen, ehe er fähig iſt, ſich
jelbſt weiter zu erziehen. Daher gilt in der Erziehung der Grundſaß: Gr-
ziehe ſtufenmäßig! Es wäre ein arger Mißgriff von Seite des Ey-
ziehers, wenn er am ver Leiter der Vervollfommmung mit dem Zögling ent-
weder einen Sprung machte, oder ihm einen großen und ſchwierigen Schritt
zumuthete, bevor er kleinere und leichtere Schritte mit Sicherheit auszujüh-
ren gelernt hat. „Was aber leicht und ſchwer (ſagt Curtmann) , wa38 den

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