516 Erziehung der Knaben, =- Exziehung ver Mädchen,
iſt, wird jeden Vlaß ausfüllen und in jedem Verhältniſſe ſich tüchtig exr-
weiſen. Wie der Erzieher auf die Berufswahl des Knaben einzuwirken
habe, iſt ſ gehört nur noch die Bemerkung, daß bei der Wahl des Beruſes und bei
der Borbereitung darauf die Begabung des Knaben nicht außer Rechnung
gelaſſen werden darf. Schwache Talente kann man nicht auf einem Poſten
brauchen, wv Scharfſinmn und Geiſte8gewandtheit erforderlich ſind, und wo
ein minderbegabter Menſch ſein Leben lang als Martyrer wirkt. Der Ex-
zieher muß daher die Anlagen und Neigungen ſeines Zöglings genau kennen
lernen. Beſonder3 wiſſe er zwiſchen den innern und angelernten
Neigungen unterſcheiden; denn es kommt nicht ſelten vor, daß die Le-
bensweiſe, dex Umgang , die Lectüre .2c. eine Neigung erzengen, welche nur
als Nervenreiz wirkt und keine Dauer verſpricht. Auf ſie iſt nicht zu zählen
und ſie muß der innern Neigung weichen. 8) Es macht cinen widerlichen
Eindrud, wenn der Knabe mäd ſeine Natur verläugnet. Dadurch verweichlicht er, wird ein Zärtling und
ſinnlih. Die Erziehung muß ſolches zu verhindern ſuchen, indem ſie die
Knaben möglichſt von den Mädchen abjondert, ſie mit andern Spielen be-
j<äftigt als dieſe, und Ihnen nur geſtattet, was dem männlichen Geſchlechte
ziemt. Die Schulkinder werden zu Maien- und andern Feſten ausgeführt,
vhne daß man die Geſchlechter trennt. Die Unterhaltungen, Spiele 2c. ſind
gemeinſchaftlich, was ſicherlich den pädagogiſchen Grundjäßen von der ver-
Imiedenen Erziehung der Geſchlechter zuwiderläuft; denn entweder müſſen
davei die Knaben oder die Mädchen zu kurz kommen, entweder wird jenen
W wenig, oder dieſen zu viel zugeſchieden, abgeſehen davon, daß man bei
olhen Gelegenheiten den Knaben Freiheiten geſtatten kann, welche den Mäd-
hen verjagt werden müſſen. Endlich 9) gibt e8 Pädagogen (]. Gräfe, die
deutſche Volksſchule, 1. Bd. 2. Aufl. S. 87.), welche der Anſicht das Wort
reden, daß der Erzieher ſeinem Zöglinge hohe Achtung gegen edle Weiblich-
lichfeit einzuflößen und ihn die Beſtimmung und Eigenthümlichkeit des weib-
lichen Geſchlechtes richtig würdigen zu lehren habe. Allein dies kann doch
nur [vo zu verſtehen ſein, daß ven Knaben begreiflich gemacht wird, wie ver-
ſchieden ihr Beruf von dem der Mädchen ſei; daß vieſe zwar auch eine
hohe Beſtimmung hätten, die für die Familie von unermeßlihem Werthe
jei, daß aber der Knabe mehr unter Knaben ſich bewegen müſſe, wenn er
jich nach jeinen Anlagen und Eigenthümlichkeiten entwiceln ſolle. Iſt der
Knabe in das höhere männliche Alter eingetreten, dann erſt läßt fich mit
ihm von Frauenwürde und Frauenehre ſprechen; man mag ihm in dieſem
Alter kräſtig vorſtellen, wie viele Vorzüge das weibliche Geſchlec viel es Segen ſtiſten könne und wie viel darauf ankomme, daß es in hei-
liger Schamhaftigkeit und Eingezogenheit, in häuslicher Geſchäftigkeit und
Stille lebe, Hat ſich der gereiſte Jüngling hiervon überzeugt , ſo wird er
auc) mehr auf die eigene Ehre halten und es wird dann zu ſeiner Sitti-
gung beitragen, wenn ihm in ver Geſellſchaft wohlerzogener, würdiger Frauen
iSweilen Zutritt geſtattet iſt. --- Die Zahl der Schriften, welche die Er-
ziehung der Knaben behandeln, iſt groß, man kann faſt ſagen, daß in den
meiſten Schriften, die von Erziehung ſprechen, nur die Knaben in das Auge
gefaßt ſind. Eines der neueſten Specialwerke aber iſt: die Erziehung
der Knaben in Haus und Schule, ein Handbuch für Eltern und Lehrer
von Friedrich Körner. Leipzig. Coſtenoble. 27 Sgr.
Erziehung der Mädchen, Die reichhaltige Literatur , welche über dieſen
Gegenſtand zu Tage gefördert wurde, iſt ein Beweis für deſſen Wichtigkeit.
Schon Fenelon jagt in ſeiner Schrift von der Erziehung der Töchter (8ur

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