524 Erziehung der Mädchen, = Erziehung , Nothwendigkeit vexſelben.
jchaft, die Frage behandelt, auf welchem Wege und durc< welche Mittel all-
gemeiner und ſicherer eine beſſere weibliche Bildung, ganz beſonders zur braven
Hausfrau, angeſtrebt werden könnte. Bollſtändig hat diejen Gegenſtand in der
neueſten Zeit behandelt Julie Burow in: des Kindes Wartung und Pflege
und die Erziehung der Töchter in Haus und Schule. Leipzig, Coſtenoble.
27 Sgr. Bon katholiſcher Seite hat man wenige Specialwerke dieſer Art
aufzuzählen, was wohl mitunter auch daher rühren mag, daß die katholiſche
Grundanſ Leben übergegangen iſt, gleichſam eine weitläufige Literatur über Mädchen-
erziehung überflüſſig macht. Das Leben Mariens von Hirſ bei Herder, füllt jedoch dieſe Lüce vollſtändig aus.
Erziehnug, Nothwendigkeit verſelben. Es ijt ein Beweis ſür die Verixr-
barkeit des menſchlichen Geiſtes, daß die Frage nach der Nothwendigleit
der Erziehung entſtehen konnte, und man ſollte es nicht ſür möglich halten,
daß es nod heutzutage Leute gibt, welche meinen, die Natur und das
Leben würden durc< ihre Selbſtthätigkeit den Menſchen zu Dem machen,
was er werden oll, wie dies bei der Pflanze der Fall iſt, welche nnter dem
belehenden Einſluſſe der Natur groß wird und jich zu Dem entfaltet, was
ſie nach ihrer beſtimmten Art werden kann. Sie wollen, daß man der
Natur ihren Lauf laſſe, da es Vermeſſenheit jei, am Meiſterſtücke Gottes
etwas verbeſſern zu wollen. Auch, ſagen ſie weiter, liege es auf der Hand,
daß eine abſichtliche Einwirkung auf den Menſchen zum Zwee der Er-
ziehung nichts aus ihm herausgeſtalten könne, was nicht jhon von Natur
aus in ihm liege, und wo die Natur nicht ausSreiche, da werde das Leben
ergänzend einſtehen. Dur< abſichtlihe und planmäßige Einwirkung auf
das Kind ſtöre und verkfehre man den Gang jener beiden Erziehungskräſte
und bringe ſie in einen beſtändigen Kampf mit wandelbaven menthlichen
Anſichten. Diefen Behauptungen kann man beijtimmen, wenn man den
Menſchen für nichts Höheres und Beſſeres anſieht, als ein Stü> Holz oder
Marmor, als eine Pflanze oder ein Thier iſt. Es muß und kann zuge-
geben werden, daß Natur und Lehen erziehen helfen und ununterbrochen
auf den Menſchen einwirken. Die ſich drängenden Schi>ſale und Ereigniſſe,
der beſtändige Wechſel der Begebenheiten, die vielen Veränderungen in den
äußern Lebens8verhältniſſen haben eine erziehende Kraft, veranlaſſen zum
Beobachten, zum Nachdenken, zur Vorſicht, zur Thätigkeit, zur Beherrſchung
der Triebe, mit einem Worte =“- zur Vervollfommuung. Allein verfennen
läßt ſich nicht, daß die erziehende Kraft der Natur nur dann wohlthätig
und nachhaltig wirkt, wenn ſie hiezu von dem menſc lich benüßt wird. Geſchieht dies nicht, jo ſtirbt der Menſch für ihren or-
ziehenden Einfluß mehr und mehr ab und wird von ihr mr noch dann
---“- abet bloß momentan -- angeregt, wenn ſie in außerordentlihen Er-
Iheinungen auftritt. Nicht viel anders verhält- es ſich mit der erziehenden
Kraft des Lebens , welche allerdings nicht gering anzuſchlagen iſt; allein
das Leben tritt oft in einem und demſelben Augenbli>ke in ſich widerſpre-
henden Aenßerungen und Anforderungen dem Menſchen entgegen und ver-
fährt mit ihm wie der Sturmwind mit dem Schilfrohre. Hiezu kommt noch,
daß die Natur einen dur was ihr gleich iſt, üben kann, nämlich auf Körperliches. Soll aber der
Geiſt, welcher über der Natur ſteht, gehörig entwickelt und vervollkommnet
werden, [o iſt dazu eine geiſtige Einwirkung erforderlich. Nur der Geiſt
kann den Geiſt ſo anregen und reizen, daß ſich deſſen Anlagen und Kräfte
nach den in der Natur des Geiſtes liegenden Gejehen entfalten. Ohne
dieſe Einwirkung des Geiſtes auf den Geiſt iſt die Erziehung des Menſchen


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