Rlexandriniſche Katechetenſchule. == Algebra, M
in da3 Leben gerufen, die eine Reihe ausgezeichneter Lehrer , von denen
Athenagoras der erſte und Origenes der berühmteſte war, auſzuwei-
fen hatte, veren Gelehrſamkeit den Chriſten die Waſfen in die Hand gab,
um ihren Glauben zu vertheidigen und die Feinde deſſelben zu bekämpfen.
An einen katechetiſ wir natürlich nur annäherungs8weije denken. Denn auch hier trug, wie in
allen philoſophiſchen Schulen, der Lehrer vor, den Schülern war es jedoch
unbenommen, an den Lehrer Fragen zu ſtellen. Der Lehrer ſaß wahrjchein-
lich am Pulte, las vor, erklärte, ermahnte, betete vielleicht und mochte wohl
auch einzelne Fragen- ſtellen. (Es wurden jedoch nicht bloß die göttlichen,
ſondern auch die weltlichen Wiſſenſchaften gelehrt, wie Origenes 3, B. ſeine
Schüler auch in der Mathematik , Logik , Rhetorik , Phyſik , Methaphyſik,
Ethif und Aſlronomie unterrichtete. Daß die Schule und ihre Lehrer fehr
dürftig waren, kann ihrem Ruhme nicht8 ſchaden und nur das Verdienſt
erhöhen. Die Lehrer hatten keine Lehrſäle, ſondern lehrten in ihren Häuſern
und lebten in der Negel von den Geſchenken ihrer Schüler. Von Origenes
aber iſt e8 bekannt, daß er nie ein Geſchenk annahm , ſondern von einer
Leibrente von täglich 4 Obolen (etwa 11 kr.) lebte, die er für eine Anzahl
von ihm ſelbſt gefertigter Abſchriften alter Claſſiker erhielt. Der letzte
berühmte Lehrer war Didymus, der Blinde, der in ſeiner Jugend an eher-
nen Buchſtaben und Figuren Leſen, Rechnen , Geometrie 2c. erlernt hatte,
und ebenſojehr durd) Feine Frömmigkeit, als durch jeine Kenntniſſe ſic aus-
zeicynete.
Algebra. „In die Volksöſhule /“ ſagt Gräfe mit Recht, „gehört nur
die gemeine Rechenkunſt, und dieſe nicht einmal in ihrer ganzen Ausdehnung,
jondern nur joviel davon, als für das praktiſche Leben und den gewöhn-
lichen Verkehr im Allgemeinen exſorderlich iſt. Anders verhält es fich mit
dem Lehrer, der wenigſtens mit den Elementen der Algebra bekannt fein
jol. Unter Algebra verſteht man in weiterer Bedeutung jenen Theil der
Arithmetik, welcher Aufgaben durch Gleichungen 168t, genauer ausgedrückt
aber die Wiſſenſchaft, welche vermittelſt dex Buchſtabenſchrift unbekannte
Größen aus den Verhäliniſen bekannter und unbekannter auffinden lehrt.
Der Name dieſer Wiſſenſchaft hat verſchiedene Deutungen erfahren. Un-
ſtreithar ſtammt er aus dem Arabiſchen; uns reicht e8 hin, zu wiſſen, was
wir darunter zu denken haben. Nur der Begriff und die Geſchichte der
Algebra gehören hierher. Was die leßtere betrifft, ſo datirt ſie literariſch
nicht weit zurüc. Das älteſte Wert über Algebra iſt aus dem vierten
Jahrhundert von dem Alexandriner Dipphantvo8, und umfaßte 13 Bücher
mit j über Quadrät- und Kubikzahlen. Es ſind uns jedoch von dieſen 13 Büchern
Nur ſechs bekannt, deren beſte AusSgabe in griechiſchem Texte und mit lateini-
j Bon Alerandria aus verbreitete ſich die Algebra zu den Arabern und von
diejen kam ſie zu den Abendländern , durch welc lich cultivirt wurde. Schon im 15. Jahrhundert verſuchten ihre Ausbildung
die Jtaliener Ferreo , Florido , Cardanus , Tartaglia (Tartalea) , welchen
der Berjuch, kubiſche Gleichungen aufzulöſen, gelang. Dieſer Verjuch erhielt
jeine weitere Ausbildung in Deutſchland, wo Stiefel aus Eßlingen und
Scheibel aus Tübingen, auch Chriſtoph Rudolph in Schleſien thätig waren.
Aehnliches geſchah in den Niederlanden dur< Simon Stevin, in Frankreich
durc< Peletarius, in England durch Robert Recorde. Bombelli in Ztalien
behandelte wu dieſe Zeit ſchon biquadratiſche Gleichungen, ebenjo der ſcharf-
ſinnige Franzoje Vieta, der ſich zur Bezeichnung der unbeſtimmten Größen
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