536 Erziehung, Wirkung derſelben,
Regulativ für das Maß und die Anwendung conventioneller Gebräuche nach
der Verſchiedenheit dex Stände. . .
Erziehung, Verhältniß verſelben zum Unterrichte S. Schule
und erziehender Unterricht.
Erziehung, Wirkung derſelben. Es hat ſich nicht ſelten vie Anſchauung
geltend gemacht, daß die pädagogiſche Thätigkeit jener des Sämannes zu
vergleichen ſei, welcher die Früchte nicht in unmittelbarer Nähe, jondern in
der Ferne zu ſuchen habe. Das Erzogenſein --- ſeßte man bei --- ſei Folge
nicht einer einzelnen und plöklichen That, ſondern einer Reihe von Thaten,
welche zu ihrem Abſchluſſe gekommen ſein müſſen, wenn ſie eine beſtimmte
Wirkung hervorbringen ſollen, gerade wie der Same, den der Landmann
ausſtreut , nicht ſogleich im Zuſtande einer vollen und reiſen Aehre zum
Vorſchein komme ; die ganze Wirkung der Ausſaat zeige ſich erſt in der Zu-
kunft. In dieſer gleichnißweiſen Behauptung liegt nur ſo viel Wahres, daß
jene Wirkung nicht erfolgen kann, welche von der Erziehung nicht vorbe-
reitet worden iſt. E5 beruht aber auf einer Täuſchung anzunehmen, die
Acte der Erziehung müßten zuerſt im Herzen des Menſchen erſterben, wie
das Samenkorn in der Erde, um erſt dann beſruchtet zu werden, zu kei-
men 2. , während ſie ſchon ihrer Natur nach (als geiſtige Acte) mit der
Schnelligkeit des Geiſtes wirken und häufig etwas verlangen, was ſogleich
gej zu wahjen beginnt. Zu jeiner gänzlihen Entwiedluug und zu ſeinem voll-
ſFändigen Ausgewoacſenjein bedarf es allerdings oft längerer Zeit; aber der
Anfang der Entwicklung und das Fortſchreiten des Wachsthums dürfen
jicherlich auch als Wirkungen beirachtet werden, und ſohin wird man die
gedachte Anjchauung als unbegründet abweiſen müſſen. Wie der Gang der
Erziehung ein ſtufſenmäßigexr iſt, jo ſind e8 auch ihre Wirkungen. Alles,
was der Zögling im Lauſe der Erziehung zu thun hat, jede Pflicht, die er
erfüllen, jede hrijtliche Uebung, vie er vornehmen ſoll, darf als eine Wirkung
der erziehenden Thätigkeit angejehen werden. Treten ſolche Wirkungen nicht
ichon während der Erziehung ſelbſt hervor, ſo bleibt es zweifelhaft, ob man -
fe je hervortreten jehen wird. Jene Erziehung, bei welcher unter der Hand
kein Erſolg ſich zeigt ,- taugt entweder nichts, oder hat es mit unüberwind-
lichen Schwierigkeiten zu thun, und dies führt uns auf die zweite hier zu
erörternde Frage, ob nämlich die Erziehung für den Erfolg
einſtehen fönne? Hätte die Erziehung alles in ihrer Gewalt, was
eine gedeihliche Wirkung bedingt, dann ließe ſich dieſe Frage leicht bejahen.
Allein ſie kanm Über einen großen Theil deſſen nicht gebieten, wovon eine
ſichere Wirkung abhängt. Die Anlagen des Zöglings können, je nach ihrer
Bej derlimh jein. Mancher Zögling iſt ſhon von Natur aus ſo angelegt, daß
der Erzieher mit ziemlicher Sicherheit auf einen guten Erfolg ſeiner Be-
mühungen rechnen kann. Andere Zöglinge dagegen ſind von Natur ſo
dürftig ausgeſtattet , daß die Anſtrengungen des tüchtigſten Erzieher8 nur
eine geringe Wirkung haben, und aus dieſem Grunde kann er für den Ex-
folg nur injoſerne verantwortlich gemacht werden, als ihm von Seite der
Begabung des Zöglings kein unüberſteigliches Hinderniß im Wege ſteht.
Solche Hindernijje können ihm auch von anderer Seite her bereitet werden.
Es gibt nämlich eine Menge von äußern Umſtänden, Verhältniſſen und
Einflüſſen, welche den Abſichten und Bemühungen des Erzieher3 widerſtreben.
Während er jeiner Sache ſicher zu ſein glaubt, iſt das von ihm gelegte
Fundament durch jſc

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