Erziehungskunſt, Erziehungs8lehre nnd Exziehungswiſſenſchaſt. 539
| jeder verſelben gefordert. Der Begriff der Vollkommenheit muß relativ ge-
faßt werden. Wenden wir dieſe Grundſäße auf die Haupilräſte des Geiſtes
an, ſo wird man rückſichtlich ves Erkenntnißvermögens ſagen müjſen,
die Erziehung habe es damit an das gehörige Ziel gebracht, wenn ſie
mittelſt der Belehrung, Anſchauung, Erſahrung, Unterhaltung, Ermahnung,
4 Rath, Gebet 2c. den Zögling die Wahrheit ertennen und ſinden lehrte und
| ihn vahin brachte, daß er frei iſt von niedern ſelbſtſüchtigen Gelüſten und
ſein Wiſſen auf Gott und deſſen ewige WeisSheit zu beziehen verſteht. Jſt
e38 mit ihm zu dieſen Eigenſchaften gekommen, dann iſt auf eine felbſtſtän-
dige Fortbildung zu rechnen und das Ziek der Erziehung als erreicht zu be-
trachten. Inſoferne jedoch der Unterricht als ein erziehender aufgefaßt wird,
-.-.
j muß ver Zögling beim Abſchluſſe der Erziehung ſo viele Kenntniſſe für
ſeinen wahrſcheinlichen Lebensberuf ſich zu eigen gemacht haben, daß die wei-
tere Ausbildung ohne Anſtand ihren Fortgang nehmen kann. Sieht man
auf die Ziele, welche hinſichtlih des Gefühlsvermögens von der Er-
ziehung gefordert werden, j9- entſcheiden ſich die Bädagogen dafür, daß die
guten Gefühle ſv in den Vordergrund und zur Herrſchaft kommen müſſen,
wie es nothwendig iſt, wenn ver Zögling ohne Gefahr der Erziehung ent-
lajjſen werden joll. Vitittel, das Ziel der Erziehung des GefühlSvermügens
his dahin zu erſire>en, ſind Berheißung , Lob, Tadel, Lohn, Drohung und
Strafe , eine wohlberechnete, geregelte, auſmertſame / alle vohen, unedlen,
grobſinnlichen Gefühlen mit Klugheit begegnende Behandlung (|. d. A. Ge-
fühl). Als Ziel der Erziehung für das Begehrungsvermögen be-
zeihnen wir eine jolche Stärke deſſelben , »daß der höhere, dem göitlichen
conforme Wille die niedern Triebe ſich unterworfen hält. Der göttliche
Wille muß ſo viel Kraft gewonnen haben, daß der menſchliche ihm gerne
und mit einiger Freiheit gehorc Gefahren, für die Sittlichkeit zu erkennen und ihnen zu begegnen. Eine
Menge Erziehungsmittel verhelfen --- weiſe angewendet = zu diejem Ziele.
Dahin gehören inShbejondere Gebote und Verbote, durch welche der Gehor-
jam erzeugt wird; aber nur daß die Gebote und Verbote dem Zöglinge als
ein höherer, von der Liebe des Erziehers8 durc Dahin ſind ferner zu rechnen die Beſchäftigungen in Spiel und Arbeit,
wodurch des Böſen viel verhindert und die quten Triebe geübt werden.
Auch der Umgang, das Beiſpiel, die Erregung des Wetteifers baben für
die Erziehung des Begehrungsvermögens eine große Kraft. Endlich verhelfen
zu dem gedachten Ziele Verfagung und Zwang. Der Vernachläßigung dieſer
beiden lekten Erziehungsmittel ijt es beſonder38 zuzuſchreiben, daß das Ziel
der Erziehung [o oft nicht erreicht wird. Die Verſagung iſt nicht nur ein
Barometer, woran der Grad der Willensſtärke dentlich erkannt wird , ſon-
dern zugleich ein vortreffliches Mittel, um dem Willen die Herrſchaft über ſich
jelbſt zu verſchaffen. Eben ſo verhält es ſich mit dem Zwange, nur fordert dieſer
in der Anwendung noch mehr Klugheit als die Verſagung (f. d. A. Zwang).
Erziehnngsfunjft, Erziehungslehre und Erziehungswiſſenſchaft. Zndem hier
dieje drei Begriffe erörtert werden , ſicht man von vem Inhalte und der
Geſchichte ver Pädagogik ab, und fragt zuerſt: inwieferne von einer Er-
ziehungs wiſ jen] haft geſprochen werden könne? Schon Milde (Lehrbuch
der allgemeinen Erziehungskunde, Bd. 1. 88. 36 und 37.) ſpricht von -der
Erziehung als einer Wiſſenſchaft, welche dann cntſtehe, wenn die allgemein
geltenden Regeln und Vorſchriften über die Cultur der menſchlichen An-
lagen auf die Natur des Menſchen zurü&geführt , zu allgemeinen Grund-
'jäßen erhoben und zur Einheit verbunden werden können. Jndem jedoch
derjelbe pädagogiſ

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