Fabel, --- Fabrikſchulen. 993
Mittelalter war Ulrich Bonerius, ein Predigermön< aus Bern (1330)
ein beliebter Fabeldichter (der Käolstein, getichtet von Bonerius etc., Vol
G. J. Beneke. Berlin, 1816.) Nach der Reformation: Hans Sachs (geſt.
1576), Burkard Walvis, Kaplan der Landgräfin Margaretha von Hefen
(Aeſopus, ganz neu gemacht. Frankfurt, 1548.), vielfältig von den ſpätern
Fabeldichtern benüßt. Von Burkard. Waldis an lag das Feld, der Fabel-
dichtung ziemlich brach, bis mit Haller (geſt. 1777.) und Hagedorn
(geſt. 1754) dieſelbe mehr als nöthig und meiſt als Nachahmung auslän-
diſ Lichtwer , Gleim , Pfeffel, Leſſing haben unter den Fabeldichtern das Beſte
dargeboten, und willfommenes Material zur Lectüre und zur Bildung des
deutſchen Styls geliefert. Unter den auswärtigen Fabeldichtern ſind La-
fontaine und die Engländer Gay und Moore am bekannteſten und oft be-
nübt worden. Die Sitte, die Fabeln zu illuſtriren , hat die Bücherſpecu-
lation wach gerufen und ſo werden wir mit Bilderbüchern, welche Fabeln
bringen, förmlich überſchwemmt. Uebrigens bietet jedes Leſebuch ausge-
wählte Stüce dar, die zu ſprachlichen Zwecken benübt werden können. Eine
ganze Sittenlehre finden wir in F. L. Wagner, Lehren der Weisheit und
Tugend in auserleſenen Fabeln, Erzählungen und Liedern. Leipzig, 1837.
17. Auflage. Wer übrigens Fabeln noch zur Uebung in fremden Sprachen
mit Schülern benußen will, dem iſt zu empfehlen: Gailer, J. E., neues
Fabelbuch (in deutſcher , lateiniſcher , franzöſiſcher und engliſcher Sprache).
übingen, 1837. Mit 36 K. 2'/, Thlr.
Fabrikſchulen ſind, wie ihr Name beſagt, Schulen, die für die Kinder
der Fabrikarbeiter in den Fabrikräumen ſelb)t eingerichtet und in der Regel
von den Fabrikeigenthümern unterhalten werven. Dieſe Anſtalten ſind jeit
dreißig Jahren der Gegenſtand der Geſekgebung und der verſchiedenartigſten
Beurtheilung geworden und namentlich iſt die Frage ſchon öfters aufge-
worfen worden, ob ſolche überhaupt zu dulden ſeien und ob nicht der Staat
das Arbeiten der Kinder, welche das Entlaſſungöalter aus der Schule no<
nicht erreicht haben, überhaupt verbieten ſoll, und welche Gründe, be-
ziehungs8weiſe welche Pflichten gegen die Kinder denſelben dazu berech-
tigen. Es iſt deßhalb eine unbefangene Würdigung dieſer Frage ge-
rechtfertigt.
In allen Ländern, wo neben dem Landbau der Gewerbsfleiß Eingang
fand , ſtellte ſich vas Bedürfniß ein, die Kinder zu demſelben beizuziehen
und zwar , da der Gewerbsfleiß no<& Manufactur trieb, aus dentelben
Gründen, aus welchen der Landwirth ſeine Kinder zu den häuslichen und
landwirthſchaftlichen Geſchäften verwendet. Dies zeigte ſich ſhon ganz ſrühe
in Holland, wo die Syuode von Cambray 1567 erlaubte, daß die Kinder der-
jenigen Eltern, welche am Werktage die Schule nicht bejuchen konnten, am
Sonntage unterrichtet werden dürften. Aber dieſe Verwendung in den Ge-
werbs8zweigen des elterlihen Hauſes hatte keine nachtheiligen Folgen und es
traten ſomit keine öffentlichen Uebelſtände ein. Letßtere begannen ſich ertt
fühlbay zu maden , ſeit die Manufakturen von den Fabrilen verdrängt
wurden und die Maſchinenarbeit die Stelle der Handarbeit einnahm, was
insbeſondere ſeit der Erfindung Richard Arkwrigths der Fall war, der
ein perpetuum mobile erfinden wollte und dadurch auf eine Maſchine kam,
welche die Baumwolle ſpann. Dieſe Maſchine, wenn ſie einmal eingerichtet
war , brauchte bloß geleitet und ihr Gang überwacht zu werden, was von
einer ſchwachen Arbeits8kraft ebenſo gut geſchehen konnte als von einer
ſtarken , und e3 wurden die Kinder in den Baumwollſpinnereien um jo
Reber beſchäftigt, als viele Verrichtungen, bei welchen Erwachſene ſich bü>en

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