- Falk, Johann Daniel, == Familie, 561
in. dieſer Zeit der Noth hervor. Für Mädchen war eine Nähe, Spinit- und
Strickſchule eingerichtet ; die hegabteren Schüler erhielten Privatſtunden und
wurden zu Landſhullehrern und Landgeiſilichen gebildet. Mit dieſen hielt
Jalk ſelbſt alle Abend Bibelſtunden. So hatte Falk eine neue Bahn in
der Waiſenerziehung eingeſchlagen. Bi8 dahin nämlich war es die An -
galtenerziehung allein, welche angewendet wurde, Falk dagegen führte
die Koſterziehung ein, aber mit dieſer Koſterziehung war die Anſtalten-
erziehung zugleich verbunden, ſo daß die vom Verein aufgenommenen Pfleg-
linge einen Rü>halt an der Anſtalt und einen Sammelpunkt in der-
ſelben hatten. Eine ſolche Vereinigung iſt auch das allein richtige Mittel,
welches größere Schwierigkeiten überwinden Hilft. (S. d. A. Waijen-
erziehung.) In Falks8 Anſtalt (dem Johanneum) befanden ſich bei jeinem
Tode 41 Handwerkslehrlinge, 19 Kinder, 4 Pflegekinder auf dem Lande
und 5 Schüler ; 7 Zöglinge waren auf der Univerſität, 7 als Landſchullehrer
angeſtellt, 2 beſuchten das Gymnaſium, 2 das Schullehrerjeminar und
1 bereitete ſich zur Univerſität vor. 1826 betrug die Einnahme 1126, die
Ausgabe 1111 Thlir., eine kleine Summe, um Großes damit zu leiſten.
Falk ſtarb am 14. Februar 1826 ; ſeine Wittwe leitete uno< eine Zeit lang
die Anſtalt, bis ſie 1829 vom Staate übernommen wurde. =- Falk's Er-
ziehung bafirte hauptſächlich auf zwei Grundſäßen, auf der Liebe des Lehrers
zu ſeinen Pfleglingen und in der Heiligung ver anvertrauten Seelen. Seine
Grundſäße ſind denen Flattich's (f. dvd. A.) vollkommen gleich. „Wir j den „“ ſagte er, „alle unſere Ketten von inwendig. Wie der recht frei iſt, den
Chriſtus frei macht, jo ſoll auch der es-wohl unterlaſſen, über Berg und Thal
zu ſchweifen, den Chriſtus frei macht.“ Wie Eltern nicht nöthig hätten,
ihre Kinder durch Schloß und Niegel zurüczuhalten, ſo bedürfe auch er
ſolcher Mittel nicht. Die Liebe ſei es, die Alles überwinde.
Familie. Von allen Gemeinſchaften, venen der Menſch angehören kann,
iſt die Familie die erſte. Von ihr empfängt ihn Kirche, Staat und Schule,
welchen es ummnöglich gleichgiltig ſein kan, wie ſie ihn von daher em-
yfangen ; venn der Verfall der Familie übt auc< auf ſie einen verderblichen
Einfluß. Dieſer Verfall hat ſc erſte Sünde leitete ihn ein, das Heidenthum vollendete ihn. „Unter dem
mörderiſchen Cinfluſſe des lekßtern (jagt Gaume) verſchwanden die erhabenen
Charaktere der hänslichen Geſellſchaft, die Einheit, die Unauflöslichkeit, die
Heiligkeit ; der Vater iſt ein Deſpot, die Mütter eine Sklavin, das Kind
ein Schlachtopfer. Durchgehen wir die ganze Welt und rufen wir alle alten
Generationen aus ihren Gräbern hervor, ſie werden alle dieſer bejam-
merns8werthen Thatſache Zeugniß geben.“ (Geſchichte der häuslichen Geſell?
ſhaft, 1. Bd. S. 39. Regensburg. Ueberjezung vom. Jahre 1845.) Der
heidniſche Vater war geſetzlich mit dem Recht über Leben und Tod ſeiner
Kinder verſehen und founte dieſe zu einem Spielballe ſeiner Laune und
Leidenſchaften machen. Das Weib ſchmachtete in der tieſſten Ermedrigung,
verwilderte zu einer Luſtdirne des Mannes und überließ ſic) den ſc lichſten Ausſchweifungen. Verachiet wie ſie war, mußte ſie unter der här-
teſten Votmäßigkeit leben. Sie war im eigenen Hauſe ganz rechtlos, wurde
den Söhnen nachgeſeßt, verſtoßen, getödtet oder verkauft, wie es dem Manne
beliebte, und mußte zudent gar oft die Arbeit des Mannes verrichten, wäh-
rend er dem Vergnügen nachging. Ja, ſie ſank zu einer ſolchen Verach-
tunq herunter, daß man häufig eine Verbindung mit ihr ſcheute und es
vorzog, in wilder Ungebundenheit ſtatt in der Che zu leben. Man theilte,
man löſte die Ehe wie man wollte. Dieſe Unſicherheit machte das Weib
liſtig , es ſann auf das Verderben des Mannes , ihres Unterdrü>ers, und
Encytlopädiv des Unterrichts « und Erzichungöweſen, 36

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