Familie, Anrecht vexſelben auf die Schule, -- Faſſen, Faſſungskraft, 371
leidet, wenn eine größere Anzahl Unterthanen der Verwilderung und Ver-
wahrloſung anheimfallen. Allein die Grundſäße des fittlihen Lebens ſchöpft
jeder Menj< aus jeinen retigibjen Grundſäßen und nicht der Staat, jon-
dern die Kirche iſt der Depoſitär .der moraliſchen und ethiſchen Gebote und
die Auslegerin der ihr zur Bewahrung anvertrauten Principien. Es bleibt
aljo dem Staate Nichts übrig, als, um den Zwe einer religids-ſittlichent
Bildung im Anjchluſe an das Familienleben zu erreichen, der Kirche eine
ſolche Mitwirkung am Erziehungswerke zu gewähren, daß dieſelbe ihre Be-
ſtimmung, die Lehrerin der Völker zu ſein, ebenfalls erreichen kann -- mit
einem Worte: Der Staat kann nicht für ſich allein, ſondern nur im Ver:
eine mit der Kirc principielle Ungerechtigkeiten zu Schulden kommen laſſen, feinen Zwe nicht
erreichen , in Schwierigkeiten ſich nicht verwi>eln und ſich nicht beſtändigen
Angriffen ansöſezen will. Wenn aber der Staat dieſe von allen gerecht und
billig Denkenden angenommenen Grundſäße nicht zu den ſeinigen macht und
Sculen errichtet, beziehungsweiſe die bereits errichteten umgeſtaltet , welche
große Schablonen für liberalen Kehricht find, Schulen, welche die religiös
Geſinnten verleßen und die Gewiſſenhaften beruhigen, während fie Niemand
befriedigen, dann tritt, wie Stahl, der proteſtantiſche Necht3gelehrte bemerkt,
da3 Recht der Nothwehr ein; dann gilt für die Eltern das Gebot: Du jolljt
Gott mehr gehor heran , ihre Kinder dem öſfentlihen Unterrichte zu entziehen und ſie dein
Händen von Privaterziehern zu übergeben. Für die Kir Pflicht ein, ihre eigenen Wege zu gehen, um den Familien, welche ſich ihr.
anſchließen, die Möglichkeit zu verſchaffen, ihren Kindern eine intellectuelle
Bildung zu gewähren, welche nicht im ſchroffften Gegenſaße zu der religib3- '
ſittlihen, ſondern vielmehr in vollkommenſter Harmonie mit derſelben ſteht.
Dieſe Schulen zu beſuchen , kann der Staat nicht hindern, wenn ey nicht
zum Despyten werden will. „Es wäre ein wahrhaft despotijher Ge-
waltmißbrauc auc< auf Eltern auszudehnen, die ſchon ſelbſt für genügenden Unterricht
ihrer Kinder ſorgen, detten aber entweder die Individualität der Lehrer,
oder die Einrichtungen der Anſtalt oder die in dieſer herrj nicht zuſagt. =- Unſere UnterrichtSanſtalten ſind durc daß ſie noh gar manchen billigen Wünſchen Raum geben. Wäre ihre Or-
ganiſation aher no< jo vorzüglich, ſo würden ſie doch vorausſichtlich den
Anſichten und den individuellen Verhältniſſen aller Einzelnen nicht voll-
kommen entſprechen. Es wäre nun despotiſch, ja nicht einmal ausführbar,
wenn der Staat ſeinen Angehörigen deſſen ungeachtet das Recht verjagen
wollte, ſich und ihre Kinder auch auf andere Weiſe, als in den vorhandenen
öffentlichen Schulen auszubilden.“ (Kolb im St.-L. u. A. Volksſchulen.)
Dieſe Grundſäte müſſen von allen Confeſſionen und den Männern aller
Parteien feſtgehalten werden, weil ſie allein eine Bürgſchaft gegen Gewalt-
übergriſſe der jeweils am Ruder ſtehenden Parteien gewähren. Auch die
Katholiken haben diejes Ziel in dem Falle zu verfolgen, wenn die Kirche
autc< no< des lehtern Einfluſſes auf die Schulen beraubt würde, den man
ihr biSher noch geſtattete.
Familienleben des Lehrers, ſ|. Lehrer, Familienleben deſſelben.
Faſſen, Faſſungsfraſt iſt von Auffaſſen und Auffaſſungskraſt verſchieden.
Das Auffaſſen iſt das Erfaſſen eines ſinnlichen Eindru>s, welcher feſige-
halten wird, gleichviel ob eine innerliche Fortwirkung ſtattfindet, oder nicht,

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