574 Faulheit, --- Fehler der Eltern und Grziehex,
thätig zu jein j mit etwas zu beſchäftigen, aber nicht mit dem, was Mühe und Nachdenken
koſtet. Sie thun etwas, aber ſie thun es nur obenhin und laſſen nach, wo
ihnen eine Schwierigkeit begegnet. Sie lernen ſchon, aber nicht anhaltend,
und jind jeder geregelten Geiſtesthätigfeit abhold. Sie geben ſich gerne
jedem Eindrucke hin, aber nur auf Augenblicke , ſie ſind flüchtig und zer-
ſtreut und leiſten folglich niht mehr als jene, welche im eigentlichen Sinne
träg und ſaul ſind. Dieſe Art von Faulheit wird durch jene Erzieher un-
terhalten, welche glauben, den Kindern Alles vorreden und vormachen zu
müjjen, jo daß dieje kaum zu einer ſelbſtſtändigen Beſchäftigung kommen,
und jich nach und nach ganz daran gewöhnen , unthätig zu jein. Solcher
Unthätigfeit kann nur dadurch begegnet werden, daß man dem trägen Kinde
gegenüber mit Ernſt und Feſtigkeit auftritt, daß man es an Selbhſtthätigkeit
gewöhnt, daß man nachläßige und verſäumte Arbeiten verbeſſern und nach-
holen läßt. Doch wird ihm der Erzieher anfangs ſolc zu denen es mehr Neigung hat als zu andern. Und ob auch nicht zu er-
warten iſt, daß der Faule durc religidſe Motive zur nüßlichen und ange-
ſtrengten Thätigkeit ſich antreiben laſſe, ſo darf es der Erzieher doch nicht
verjäumen, ſie zur Geliung zu bringen. .
Fehler der Clieryn und Erzieher. Es hätte keinen Zwe>, wollten wir
hier die Fehler zuſammenſtellen, welche in der Erziehung begangen werden
fönnen. Wer eine ſolche Zuſammenſtellung wünjcht, leje Salzmann's
Kreb5Sbüchlein. Wir ziehen es im Laufe unſeres Werkes vor, verlei Fehler
immer 9a namhaft zu machen, wo ſie vorzukommen pflegen, und wo ſie
folglich ihre natürliche Stelle haben. Hier dagegen handelt es ſich um die
principielle Beurtheilung dieſer Fehler. Zm Allgemeinen werden Ver-
fehlungen gegen die Erziehung gleichſam grundſaßmäßig vorkommen, wo
nac; einem faljchen Erziehungsſyſteme gehandelt wird und wo man einer
jchrofjen Zeitrichtung zu viel Rechnung trägt. Die Fehler nehmen in beiden
Fällen den Schein der Berechtigung und Grundſäßlichkeit in Anſpruch, [v
daß ſie nicht mehr als ſolche angeſehen werden, und daher rührt es dann,
daß die Erziehung im Allgemeinen einen mangelhaften Charakter annimmt
und auf eine ſchiefe Bahn geräth. Cbenſo werden von Seite ver Eltern
und anderer Crzieher eine ganze Reihe von Fehlern begangen, wenn eines
der Seelenvermögen vorherrſchend gepflegt wird, während die andern ver-
nachläßigt oder doh nicht planmäßig, ſondern nur gelegentlich herüſichtigt
werden. Datjjelbe findet ſtatt, wenn man die Erziehungsmittel einſeitig an-
wendet, wodur< die ganze Erziehung das Gepräge der Einſeitigkeit erhält.
Die meiſten Fehler in der Erziehung werden gemacht, indem man die Wege
verläßt, welche die Kirc Beweiſe dafür dient ein Bli>d auf unſere Zeit. Daß ſich die Fehler jeder
diejer Kategorien ſtets empfindlich rächen, lehrt die Erfahrung. Da aber
eine jolce Sache nicht mix den Zögling, ſonvern auch den Erzieher trifft,
jo hat man einen doppelten Grund, ſie zu vermeiden. Jeder ſorgfältige
Erzieher wird jich in diejer Abſicht öfter und ernſtlich fragen: ſtehe ich auf
vein Boden ſejter, ſicherer wud wahrer Erziehnngsgrundſäße ? Und um ſic)
in der Beantwortung diejer Frage nicht zu täuſchen, hält ex jene Grund-
ſätze an die Lehre ver Kirche hin; ſtimmen ſie mit dieſer überein, dann
weiß er, daß er auf der rechten Grundlage baut mud daß er weſentlichen
Fehlern in der Erziehung, ſoweit dies von deren materiellem Inhalte ab-
hängt, nicht ausgejeßt jein wird. Was dann die formelle Seite der Er-
ziehung betrifft, jo wird er einem fehlerhaften Verfahren dann entgehen,
wenn er die einfachſte, natürlichſte Weiſe einſchlägt und ſich dabei umſieht,

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