5978 Fehleyx der Eltern und Erzieher, --- Fehler der ſittlihen Erziehung.
Bedeutung, und ſie machen gar zu gerne den Schluß a minori ad mäjus,
Bei einent Erzieher, der ſich viel in ſich ſelbſt zurüczieht, müſſen die äußern
Verhältniſſe der Erziehung unvermeidlich nothleiden, abgeſehen davon, daß
ein jol muß daher angehenden Lehrern eingeyrägt werden, daß es zwar ſehr heilſam
Jei , wenn ſie ſich in ſtillen Stunden der innern Sammlung und der Ein-
Fehr bei ſich jelbſt überlaſſen, daß es aber die Aufgabe, die ſie als Erzieher
ZU 1djen haben, mit ſich bringe, im Zuſammenjein mit den Zöglingen dieſen
die Auſmertjamkeit zuzuwenden , um jeden Augenbli>d zu wijſen, was ſie
thun. 13) Der Zeitverluſt. In der Erziehung iſt vas Verſäumte ſc nachzuholen. 8 darf daher keine Zeit verloren gehen, und was heute ge-
Ichehen fam, joll nicht erſt morgen gethan werden. Benüßt der Erzieher
eben nicht die Zeit, die ihm gegeben iſt, ſo hat er vielleicht eine Stimmung
des Zöglings oder einen beſondern Fall vernachläßigt, der ſeinen Beſtre-
bungen ſehr günſtig hätte ſein können. Da die Erziehung ein ſo umfaſſen:
ves und wichtiges Geſchäft iſt, jo muß mit der Zeit, die man darauf ver-
wenden kann, gegeizt werden, und es iſt unverantwortlich von Eltern, Leh-
rern und Hoſmeiſtern , wenn ſie ſich einer Beſchäftigung oder Zerſtreuung
widmen , wo ſie ſich mit den Kindern abgeben ſollten. Es verdient z. B.
ernſte Rüge, wenn der Lehrer, ſtatt die Schüler und ihre Uebungen zu be-
dbachten, die Zeitung lieſt, einen Brief ſchreibt, ſeine Blumen gießt, oder
jich durd's Schulfenſter mit vem Nachbar unterhält. JInsbeſondere fehlen
viele Eltern dadurc< , daß ſie mit der Erziehung ihrer Kinder zu ſpät
beginnen, indem ſie vem Wahne leben, wann die Kinder verſtändiger ſeien,
dann evit laſſe ſich etwas Rechtes mit ihnen anfangen. Inzwiſchen nimmt
nur ihre Gleichgiltigkeit in der Erziehung zu und die Emyſänglichkeit für
gewiſſe Gindrücde geht auf Seite der Kinder verloren. Zeitverluſt iſt ſonach
ein ſchwerer Verluſt.
Fehler der ſittlichen Erziehung. Dieſe Fehler ſind bereits in verſchiedenen
Artikeln berührt worden, was uns jedoch nicht abhalten darf, ihren Um-
fang, ihren Zuſammenhang und ihren Urſprung näher in's Auge
zu ſajjen, als es dort bei ihrer gelegentlihen Erwähnung geſchehen
konnte. = E38 wird gegen die ſittliche Erziehung in größerm Umfange
gefehlt, al8 man insgemein anzunehmen geneigt iſt. Man bemerkt, daß ſich
gewijje Fehler dieſer Art allgemein, andere dagegen nur in beſondern
Ständen und Verhältniſſen vorfinden. Zu den erſtern kann man folgende
zählen: 1) E83 fehlt ver ſittlichen Erziehung in der Gegenwart dur dem gehörigen Ernſt. Die Fälle, wo man dieſen Ernſt findet, ſind Aus-
nahmsfälle. Sowohl im häuslichen als im öffentlichen Leben werden andere
Intereſſen mit viel größerer Energie verfolot, als jene der ſittlichen Er-
ziehung. Selbſt die Schule legt immer noch zu wenig Gewicht auf leßtere
und iſt zwar überzeugt, daß der Unterricht ein ſittlich-erziehender ſein müſſe,
aber weit entfernt, dieſer Forderung ernſtlich, planmäßig und mit Aus-
dauer zu entjprechen. Indeß bleibt da38 Streben nah dieſem Ziele, das
ſie zu dem ihrigen zu machen angefangen hat, ſehr loben8werth. Mit dieſem
Fehler hängt 2) der andere zuſammen, daß man es in Fragen der ſittlichen
Erziehung jehr oberflächlich nimmt, Fehler, die man darin macht, nicht nach
ihrer Wichtigkeit auffaßt, ſie zu gering anjchlägt, und einen Theil der Mo-
ralität für das Ganze derſelben hält. Man muß daher Gräfe Recht geben,
wenn er jagt: „Man hat häufig von der Sitilichkeit ſehr falſche Begriffe,
Und jeßt ſie oft in Dinge, die zwar zu ihr gehören, aber ſie noh nicht ganz
ausmachen. Das Freiſein von groben Verſtößen gegen die öffentliche Sitte,
vdex von auffallenden ſittlichen Fehlern, ſodann Gutmüthigkeit, Wohlthätig-

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