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Feigheit und Feiglinge. 589
führung in die Menſchenkunde, die .unabweisliche Vorbedingung für die
künftige Erzieherin.“ =- Der in materieller Beziehung mangelhaften und
darum auf irrige Wege führenden Geiſteshildung der Mädchen ſteht als eben
4 ſo verfehlter Verſuch die „Fröbel'ſche Hochſchule für Mädchen“ gegenüber, der
ſich als ein extremer Verjuch nicht halten und bewähren konnte, und daher,
ohne Leidtragende zu ſinden, im Jahre 1851 zu Grabe gebracht wurde.
Die Fröbeliche Ho ' geiſtig befähigen, dem weiblichen Weſen entſprechende Stellungen in der
menſchlichen Geſell'Zhaft einzunehmen, in venen ſie ſich durch ihre erwor-
benen Kenntniſſe und Geſchiklichkeiten ökonomiſch unabhängig erhalten lön-
nen, ohne aus der Sphäre der weiblichen Thätigkeit herauszutreten. Daß
jedo< hochgeſchulte Frauen gerade das, wozu ſie berufen ſind, nicht mehr
jein, und das, was ſie treiben ſollten, ni Erfahrung, und man muß daher von allem Zuviel und Zuwenig im Gange
weibliher GeiſteSbildung befürchten, daß es zu Verirrungen führe. Nir-
gends iſt die Einhaltung der goldenen Mittelſtraße nothwendiger, als bei
- dieſer Art Bildung.
Feiertage, [. Feſte oder Feſttage.
Feigheit nnd Feiglinge. Da die Erziehung Charaktere bilden foll, Feig-
- heit aber Charakterſ und wie iſt der Feigling zu behandeln, in die Erziehungslehre. --
1) Im Allgemeinen iſt Feigheit das Gegentheil von Muth, im Beſondern
; das Gegentheil von - zu ſc Gefahr aufzunehmen, und ob ev ſich feiner Schwäche wegen auch jchämen müjſe,
die Schande hat nicht ſoviel Gewalt über ihn, um feine Furcht vor der Ge-
fahr niederzuichlagen. Auch iſt eine kleine Gefahr im Stande, ihn zur Flucht
zu treiben. Die Feigheit macht verächtlich, weil ſie umnännlich iſt, aus
weibiſc kann die Kinder zur Feigheit förmlich heranziehen, indem man ſie
entweder verweichliht vder unvernünftig ſireng behandelt. Außerdem kann
die Feigheit auch aus geheimen Sünden, die das Gewiſſen drüden und jheu
machen, ihren Urſprung nehmen. Man erzieht ein Kind zum Feigling,
wenn man es bejammert wegen eines leichten Schadens oder eines ſchnell
vorübergehenden unſc Gefahren ſpricht und Angſt einflößt; wenn man ihm nur jolc exempel erzählt, die für die Betreſfenden immer ein ſc nommen haben, nicht aber auch ſolche Beiſpiele anführt, wo Muth, ruhige
Beſonnenheit und Entſchloſſenheit den Gefahren getroßt und ſie überwunden
haben ; wenn man ſich ſelbſt als Feigling vor ihm zeigt, ſelbſt winzelt und
fürchtet und tagt, wo nicht einmal ein hinreichender Grund dazu vorhanden
iſt; bei einer ſolchen Erziehung, wo die Gewitterwolken de8 Ac nie vom Horizonte weichen, können nur Menſchen aufkommen , welche den
Schwachen jeinem Schi>fale Überlaſſen , den Bedrohten auf ſeine eigene
Kraft verweiſen und bei allen fremven Nöthen nur darauf bedacht find,
ſich ſelbſt zu ſalviren. Der Feigling iſt daher unzuverläßlich, lieblos, egoiſtiſch
und immer in Verlegenhcit. Darf die Erziehung ſolche erbärmliche Men-
ihen auffommen laten? Gewiß nicht. Aber, wenn ſie dem Crzieher in
die Hände fallen, wie joll er Jie heilen, und wie jeden jeiner
Zöglinge vor Feigheit bewahren? Beantworten wir die leßtere
Frage zuerſk , ſo leuchtet ein, daß der Erzieher ſelbſt das Beitpiel des
Muthes und der Furchiloſigkeit geben miß. Es fieht lächerlich aus, wenn

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