Ferien. 603
vergeſſen, während Telemac< bis auf unſere Tage das Buch iſt, aus
dem Jung und Alt Belehrung und Vergnügen ſhöpſien.
Ferien (von leria, ferior, Feier, feiern) war die Bezeichnung für die :
altrömijchen Feſttage, jo genannt von der Darhbringung der Opfer (a fe-
riendis victimis), welche an dieſen Tagen ſtattfand. Da die Öffentlichen
Geſchäfte jowohl als die des täglichen Lebens ruhten, ſo ging die Benen-
nung Ferien auf alle Ruhetage über. Selbſt in der Kirchenſprache bedeutet
ieria ein Feiertag inſofern, als jeder Wochentag dem Dienſte Gottes und
dem Gottesdienſte geweiht jein ſoll. Jn8befondere nennt man in den Sc len und wiſſenſchaftlihen Anſtalten die ſogenannten Vakanztage Ferien.
Schon die römijchen Knaben hatten die Quinquatria , d. i. ein fünftägiges
Feſt, welches zu Ehren der Pallas gefeiert wurde und am 19, März an-
ſing. (Kor. ep. I1., 2. 197.) Dieſes Feſt war auch für die Lehrer, welche
an dieſen Tagen mit Muſik umherzogen und Geſchenke (Minervalia) ſam-
melten. In der jondern nur die Eine Seite ihrer Lebensthätigkeit und die Schulferien
ſchloſſen ſich naturgemäß an die Feſtzeiten an, an welchen ohnehin Lehrer
wie Schüler beim dſſentlichen Gotte3dienſte betheiligt waren. Doch waren
auch bejondere Tage, an welchen zur Erheiterung der Schuljugend allerlei
Luſtbarkeiten Üblich waren (f. d. A. Kinderfeſte) und munter geſ wurde , namentlich an den Tagen St. Gregorii (12. März), an welchem
jekt noh in vielen Schulen gefeiert wird, St. Andreä (30. Nov.), St. Ni-
kolai (6. Dez.) und am Jeſte der unſchuldigen Kinder (28. Dez.) Bei der
Entfaltung des Volksſchulweſens und einem allgemeinen und regelmäßigen
Schulbeſuch von Seiten der Kinder mußten öſtere und längere Ferien ein-
treten, jowohl um den Kindern als den Lehrern Gelegenheit zu geben, ſich
zu erholen, als auch die Eltern in jener Zeit nicht der Hilfe ihrer Kinder
zu berauben, in welcher ſie dieſelben am nothwendigſten zu ihren häuslichen
Verrichtungen bedurſten. So gab es denn nicht nur Weihnachts8- , Oſter-,
Pfingſt-, Kirc jerien, wozu noch die Hundstagsferien und andere kamen , je nach den
Localverhältniſſen. Es kann weniger von Intereſſe ſein zu wiſſen, wieviel
Ferien gegeben werden, als vielmehr welches die Grundſäße ſind, die bei
dex Ertheilung und Benüßung der Ferien in der Volksſhule feſtgehalten
werden müſſen. Dabei iſt vor Allem zu bemerken, daß in einer zwe>mäßig
eingerichteten Volksſchule, tie mir von den Kindern des Ortes beſucht wird,
Ferien Um der Kinder willen nicht nothwendig ſind, da eine tägliche,
nicht übermäßige Anſtrengung, die Anſtrengung einiger Stunden, jedem ge-
junden Kinde zugemuthet werden kann. Dagegen aber bedarf der Lehrer.
zeitweiliger Ferien, um ſeinen Privatverhältniſſen größere Aufmerkſamteit
zu ſchenken, auch in die Lage verſeßt zu werden, zu jeiner Fortbildung over
zur Stärkung der Geſundheit einen größeren Zeitraum verwenden zu kön-
nen. Auch die Eltern bedürfen Ferien aus den eben angeführten Gründen,
welche in Landorten meiſt für den Lehrer ebenfalls maßgebend ſind, da auch
er in der Regel eine kleine Dekonomie zu beſorgen hat.
Was nun die Beſtimmung der Ferienzeit betrifft, ſo kommen darin
alle Schulmänner überein, daß ſie gejeßlich zu regeln ſei und daß, wenn
nicht der Willkür Thür und Thor geöffnet werden ſolle, unbedingt an der
Verordnung feſigehalten werden müſſe und nur in dringenden Nothfällen
davon abgewichen werden dürfe. Demgemäß ſind vier Grundſäße einzu-
en 1) Die Dauer der, Ferien beſtimmt die Volksſchulgeſeßgebung ; die-
elbe gibt auch die Geſichtöpunkte an, von welchen aus außerordentliche
Ferien gegeben werden dürfen. 2) Diejenigen Tage, an welchen gemeinig-

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