606 Ferien, =- Jextigkeiten.
nur die Unordming. Man gebe ein hinreichendes Maß, wie es für die
örtlichen Verhältniſſe nothwendig iſt, halte aber dagegen um ſo ſirenger
darauf, daß die Kinder vom erſten Schultage an wieder vollſtänaig bei
einander ſind. 2) Die halben Ferientäge empfehlen ſich weniger und wir
halten es für zwechmäßiger, ſtatt zwei halben Ferientagen wöchentlich einen
ganzen zu gehen, da auch der Lehrer, wie jeder andere Familienvater, in
die Lage kommt, auswärtige Geſchäfte beſorgen, und um dies thun zu kön-
nen, den Unterricht abkürzen zu müſſen, wenn ihm nicht ein ganzer Tag
zu Gebote ſteht. 3) Die Kinder ſelbſt ſoll man in ven Sommerferien mit
Aufgaben gar nicht beläſtigen, in den Winterferien dagegen empfiehlt es
ji, dieſelben bereit8 Erlerntes wiederholen, oder gefertigte ſc beiten in das Reine ſchreiben zu laſſen. 4) Die Anfänger, welche wegen
ihrer körperlichen Schwäche noch zu keinen Feldarbeiten angehalten werden
fönnen und jeden Tag nur etwa zwei Stunden Unterricht erhalten, auch
wegen ihrer geringen Faſſungskraft um ſo eher vergeſſen, bedürfen gar
keiner Ferien und wäre es nüblich, wenn der Lehrer freiwillig und gegen
peſondere Vergütung ſich mit denjelben auch an freien Tagen beſchäftigen
önnte. |
Fertigkeiten. Der Begriff der „Fertigkeit“ ruht auf den Begriffen der
„jühigtleit“ und „Geſchiälichfeit /“ und kann ohne dieſe nicht ganz tlar ge-
macht werden, daher wir Über ſie das Nöthigſjte beibringen. -“-- Die Eigen-
jchaft , die wirkjamen Kräfte der Seele zwe&hmäßig anzuwenden, heißt man
Fähigkeit, und ein ſähiger Kopf iſt daher verjenige, welcher ſv geeigen-
ichaftet iſt, daß er die ihm verliehenen Kräfte zweckmäßig anzuwenden ver-
mag. Die Fähigleiten haften den Anlagen an, und wo dieſe mangelhaft
jind , werden es ſtets auch jene jein. Die Fähigkeit, ſcharfſinnig zu ur-
theilen, jeht eine gute Urtheilskraft voraus ; die Fähigkeit zu dichten gründet
ſich auf eine feine Phantaſie ; ohne die Anlage eines guten Gedächtniſſes
wird man nicht fähig zur Erlernung fremder Sprachen. Von der Fähig-
keit Ichreitet man zur Gejſ fungen, die man hervorbringen will, nach Geſeß und Plan verfährt, und
iſt dieſes Verfahren durch üftere und längere Uebung ſehr geläufig gewor-
den, jo daß es dabei feiner beſondern Mühewaltung mehr bedarf, dann iſt
die Fertigkeit erzielt. Nach Eberhard „uuterſcheiden ſich Geſchi>lich-
keit und Fertigkeit durch die drei Merkmale, daß 1) der, welcher eine Fex-
tigkeit in einer gewiſjen Art von Handlungen hat,ſie leichter, geſchwinder
und ohne merkliche Veberlegung, als geſchehe es mechaniſch, verrichten kann ;
3) daß zu der Geſchi>lichkeit immer die Anwendung gewiſſer Kunſtregeln
erfordert wird, bei der Fertigkeit hingegen nicht; 3) daß Geſchilichkeit mit
Abſicht gewonnen wird, eine Fertigkeit hingegen auch unabſichtlich, durch die
bloße Wiederholung von einer gewiſjen Art Handlungen entſtehen kann.“
Sonach entſteht die Fertigkeit nicht immer nothwendig aus der Geſchidlich-
feit. Die Fertigkeiten können leiblicher over geiſtiger Art jein
jo wohl bei den Kindern als bei den Lehrern.
A. Fertigkeiten der. Kinder. Zwar entwideln ſich bei dem Kinde
manche körperliche Fertigkeiten von jelbſt. Allein die Erziehung darf
dieſe Entwicklung doch nicht ſich ſelbſt allein überlaſſen, weil ſie einen feh-
lerhaſten Verlauf nehmen, und, um ihr Ziel zu erreichen, eine ungemeſſene
Zeit brauchen könnte. Die Nachhilfe von Seite der Erziehung beſchleunigt
ſie, gibt ihr eine ſichere Richtung und bewahrt ſie vor Ausartungen. Kin-
der, mit welchen man jich wenig abgibt, mit welchen man wenig ſpricht oder
die man nicht frühe im Gehen übt , bleiben oft für lange Zeit in beiderlei
Beziehung zurü&. Ueber die Fertigkeit des Gehens 1. d. A. Gang und

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