612 Fichte.
frage wird vpn einiger Wirkung ſein. =-- S, auch den Artikel: Gottes:
dienſt. >
Fibel, 1. A-B-C-Buch.
Fihte, Johann Gottlieb, geboren am 19. Mai 1762 zu Rammenau
in der Oberlauſik, entwidelte von EN auf mit ungewöhnlichen Geiſtes-
gaben einen eben jo großen Fleiß. Im Alter von ac jein Liebling3buch, den gehörnten Siegſried, in den Bach von Rammenau,
weil er ihn an jeinen Studien ſtörte. Dazu kam ein ausgezeichnete8 Ge-
dächtniß. Dieſe Fähigkeiten verſ mannes, des Freiherrn von Miltiz, ver ſich ſeiner annahm. Fichte ſtudirte
in Meißen und Schulpforta, war Hauslehrer in Zürich, ſtudirte wieder in
Leipzig, nahm abermal38 eine Hauslehrerſiclle in Warſchau an, ſtudirte
dann in Königsberg , wo er Kant kennen lernte und von ihm empfohlen
wurde, und lebte eine kurze Zeit wieder in Zürich. Von 1794-1799 war
ex Profeſſor in Jena, wo ex, des Atheismus angeſchuldigt, entlaſſen wurde,
Privatgelehrter in Berlin, 1805 Profeſſor in Erlangen, welche Stadt er
jedoch ebenfalls bald wieder verließ, nochmals eine Zeit lang in Königs8berg
und jeit 1809 Proſejjor an der neu errichteten Univerſität in Berlin, wo
er am 28. Januar 1814 jiarb. Ex iſt der Begründer des unfruchtbaren
philojophijhen JdealiSmus, ſowie ex den ſc allgemeinen deutſ die deutſche Nation,“ welche er zu Bexlin im Winter 1807---1808 hielt, verkün-
dete. Znjvoſerne haben wir in ihm den Erzeuger fruchtbarer pävagogiſcher
Zrrthümer zu bekämpfen, deſſen Anſichten wir in folgenden Säßen geben können :.
Die alte Erziehung theilte Kenntniſſe mit und ging von der Voraus:
jebung aus, daß der Menj< als Sünder gehoren ſei; die neuere Erziehung
joll erkennen, daß es vor Allem darauf ankommt, einen ſichern und noth-
wendigen Willen im Dienſte des Guten zu ſchaffen, da im Wohlgefallen
am Guten die Wurzel des menſchlichen Lebens liegt. Die alte Erziehnng
gab eine Religion, vie mit ihrer Zerreißung von Gott und Welt, mit ihrem
Hinhbli> auf das Jenſeits eine Dienerin der Selbſtſucht war; die Religion
der neuen GCrziehung joll die Religion des Einwohnens unſeres Lebens in
Golt jein. Die alte Erziehung wandte ihre eigentliche Kraft nur an die
Minderzahl der jogenannten gebildeten Stände, die neue Erziehung ſoll ſich
an alle Stände in gleicher Weije wenden. Die neue Erziehung ſoll alle
Beſiandtheile des menſchlichen Weſens entwickeln, den Verſtand zur Klarheit
und den Willen zur Reinheit bringen. Abex die ſittliche Bildung des Willens
iſt das Hychſte , denn von ihr hängt die geiſtige Entwicklung ab. Jn der
Pflicht der Erziehung zur Moralität liegt Folgendes: zuvörderſt die Pflicht,
die Kräfte des Kindes zweämäßig zu bilden, damit es ein gute8 Werkzeug
zur Beförderung des Vernunſtzwe>es ſein könne: alſo Geſchilichkeit bei
ihm hervorzubringen. Dies iſt denn auch der eigentliche "Zwe> der Ex-
ziehung, jojern ſie von Kunſt und Regeln abhängt , die freien Kräfte des
Zöglings zu entwicleln und zu bilden. Dann die VNflicht, der gebildeten
Freiheit des Zöglings eine moraliſche Richtung zu geben. Dies kann nur
gejhehen durch gänzliche Vernichtung der Freiheit des Willens, deren Stelle
eine ſtrenge Nothwendigkeit ver Entſchließungen und die Unmöglichkeit eines
Gegenjaßes in dem Willen treten myß. Auf einen ſolchen Willen kann
man jich dann ſicher verlaſſen. Für ſolche Erziehung hat der Staat zu
jorgen. Jn der für alle Kinder der Nation gemeinſamen Erziehungsanſtalt
muß Arbeit und Lernen vereinigt jein. Jede Anſtalt ſoll nicht nur Dach
und Fach, ſondern auch ein Stüc> Land haben. |
Wenn wir nun auch dem Philoſophen es hingehen laſſen würden, den

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