Flatterhaft, --- Flattich. 623
mitgetheilt werden, daß er ſic dabei nur leidend verhält.“ Gräfe
(Kritiſ zu: „Man hat zwar die JForn ves Geſpräches auf mehrere, uament-
li iſt aber ix rig, wenn man glaubt, daß ſie bei materiellen Kenntniſſen
nict angewendet werden könne.“ (S. auch den Art, „Entwickelung.)“
Wenn ſodann von der Anſicht ausgegangen wird, daß dem Men-
jen für ſeine Erkenntniſſe , Gefühle und Handlungen keine Jdeen ein-
geboren ſeien, und daß Alles, was der Menſch lernen foll, ſeinen
Geiſte a uf- und eingetragen werden müſſe, der wird freilich auc<
den Grundjaß aufſtellen müſſen, daß im Unterrichte überhaupt uur
„Iegeben“ werden müſſe, und daß vom „finden laſſen“ feine Rede
jein könne. Allein die Unhaltbarkeit einer ſolchen Auſſtellung ſpringt Jedem
entgegen, der jhon mit Kindern unterrichtlich untgegangen iſt.
Wir kennen verſchiedene Lehrformen (S. den Art.), Bei allen
fann man „finden laſſen;“ die angeneſſeuſte Lehrſorm für dieſen
Zwe iſt aber unſtreitig die, welche den Schüler veranlaßt, beſtän-
dig jelbſtthätig zu ſein, und -- zu fuchen und zu finden, und
dieſe Lehrſorm iſt die der Unterredung.
Zu welcher Anſchauung ſich die Schulmänner bezüglich ves Ex-
verbes von Kenutniſſen und der Kraftübung an ſich (extenſive und in-
tenſive Bildung) bekennen, ſo ſteht der Grundſaß feſt, daß man vdeit
Schülern bei keinem Unterricht8zweig das vorſagen ſoll, was ſie
jelbhſt finden können.
Flatierhaſt , von flatiern. Flattern bedentet eigentlich ſich hin
und her hewegen. Wir ſagen von manchen Thieren, daß ſie ſlaitern.
Uneigenilic< zeigt das Wort eine Unbeſtändigkeit ves Geiſtes an.
Wir ſagen von einen Kinde, daß es flatterhaft ſei, wenn es bei fei-
vem Gegenſtande mit Aufmerkſamkeit und Fleiß verweilt, ſonvernt von
einem Gegenſtande zum anderen ſchweift. Dieſer Zuſtand iſt urſprüng-
li mehr als die eines anderen Kindes vazu geiteigt ſein kann. Die Exr-
ziehung muß vom Früheſten an dafür ſorgen , daß keine ſchlimme An-
gewöhnung entſteht. Das Kind iſt zur Anſmerkſamkeit und zu
einer gleichmäßigen, beharrlichen Thätigkeit anzuhalten. Wo
fich Neigung zur Flatterhaftigkeit zeigt, uuß derſelben entgegengewirkt
werden. Ju der Schule geſchieht es dadurch, daß man die Aufmerkſam:
keit des Kindes beſtändig in Anſpruch nimmt, was nebſt einer faßlichen,
Uaren Sachbehandlung wohl am beſten dadur< geſchieht, daß man flat-
terhaſte Kinder felbſt immer im Auge behält und ſie durch öftere
Fragen, die man an ſie richtet, zur Aufmerkſamkeit und Thätigkeit
nöthigt. Auc; was die Schüler außerhalb des unmittelbaren Untexr-
richts arbeiten ſollen, iſt ſtrenge zu beaufſichtigen und zu leiten 11nd
flüchtige , nachläſſige und ſchlechte Arbeiten muß dex Schüler jedesmal
noh einmal zu fertigen haben. Bei jedem Penſum muß man ſtrenge
jo lange verweilen , bis es ganz und recht gelernt iſt. Acehnlich muß
in Bezug auf Alles verfahren werden, was der Schüler ihun foll.
Flattich , Johann Friedrich. Obwohl Flattich , mit Anönahme von
vrei Ueineren Schriſthen, welche über die Erziehung im Allgemeinen hau-
deln, gar keine pädagogiſ liche Pädagogik auc“ feinen Einfluß - auSübte, jo findet man jeine
Ausſprüche in den proteſtantiſjm angeführt, daß unſere Lejer den Mann kennen lernen müſſen. Geboren

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.