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Pflege dieſe3 höhern Fleißes wird aller andere Fleiß mangelhaft bleiben
und ſeiner wahren Weihe, de8 Verbandes mit dem inneren Leben ent-
behren. = Noch müſſen wir ſchließlich auf eine Art des Fleißes unter
dein Lehrern aufmerkjam machen, den ſie ſich gegenſeitig ſelbſt ſchulden.
Wo nämlich mehrere unter einander im Zuſammenhange ſtehende Schulen
beſtehen, da iſt es ſelbſt ein Gebot der Gerechtigkeit, daß der untere Lehrer
nichts verſäume, um dem obern wohlvorbereitete Kinder zu übergeben, da-
mit diejer nicht in die Lage komme, den Unfleiß des Unterlehrers erſetzen
zu müſſen; denn das wäre für ihn eine unbillige Laſt und ein verdrieß:
liches Geſchäft. Läßt es keiner von ihnen an Fleiß ſehlen, dann wird es
anch nicht zu einer gegenſeitigen Klage kommen.
Fleißzettel. Man hat in neueſter Zeit (auch in der Schule des Screi-
ber8) die Fleißzettel als ein Mittel angewendet, um die Strebſamkeit ver
Schulen zu ſpornen, ihr Chrgeſühl in ver rechten Weiſe anzuregen und die
förperlihen Zuchtmittel zu beſ wollen wir zugleich unterjuchen, wie die Fleißzettel von Seite des Lehrer3
vder Katecheien zu behandeln ſind. -- a) Die Fleißzettel beſtehen in kleinen
Stücchen Papier, auf welchen das Betragen und der Grad des Fleißes
der Schüler geſchrieben oder gedruckt ſind und die den Schülern nach be-
ſtimmten Zeitſriſten gegeben, von dem Lehrer aber nach einem Quartal
vder Semeſter eingeſammelt werden, um ſie dann wieder in der vorigen
Weije zu gebrauchen. Sie heißen Fleißzettel, weil ſie den Fleiß
der Schüler anregen ſollen und ihn nach den gemachten Erfahrungen wirk-
lich anregen. Sie find hiezu um ſo tauglicher, als ſie nicht einen be-
jhräntten und ausnahmsweiſen , jondern einen allgemeinen Gebrauch zu-
laſſen und von jedem Schüler, auc leißig iſt, erlangt werden können. Von dieſer Seite aus genügen ſie den
pädagogijchen Anforderungen. Die Erfahrung lehrt, daß ſie auf den Thä-
tigfeitStrieb der Schüler einen belebenden Reiz üben und gerade die ſ heren und muthlojexen mit dem erwedenden Gefühle dur jim durch Fleiß ver Anerkennung in demſelben Maße theilhaftig machen
können, wie die Fähigſten und Geſchiäteſten. Das Zeugniß des Fleißes
wird eben dadurch, daß es Alle erwerben können, zu einer allgemeinen
Aufmunterung, die nicht den Charakter einey Belohnung vder Bevorzugung,
jondern den einer den Kindern ſelbſt in die Hand gegebenen Note beſitzt,
Da aber dieje Note nicht verhallt, wie das Wort, durch welches der Lehrer
jeine Zufriedenheit innerhalb der vier Schulwände zu erkennen gibt, ſo iſi
ihre Wirkung eine nachhaltigere und unterſtübt die Gewöhnung zum
Fleiße, wodurch für die Erziehung viel gewonnen iſt. Zndem ſie dieſe
Wirlung hervorbringen, vermindern ſie zugleich die Fälle, wo der Träge
geſtraft werden muß, was dem Lehrer höchſt willkommen ſein wird, da es
eben die Strafen ſind, welche ihm am meiſten Verdruß verurſachen und ſich
bei einzelnen Kindern gänzlich abnußen. Die Anerkennung des Fleißes
durch den Lehrer vervielfältigt ſich mittelſt des oſtenſiblen Fleißzettel3 zu
einer den ganzen Lebenskreis der Kinder durc Sie erzählen es den Eltern , Verwandten, Pathen , Nachbarn und Ber
kannten, wenn ſie einen Fleißzettel erhalten haben ; ihre Freude daran iſt
19 groß, daß ſie ihn überall vorzeigen ; und dieſe Freude ſteigert ſich, wenn
ein zweiter und dritter Fleißzettel hinzukommt. Woran man ſich ſo erſreut,
das verliert man nicht gerne; weiß nun ein Kind, daß wiederholter Un:
fteiß den Verluſt eines jchon empfangenen Fleißzettel8 nach ſich zieht , ſo
wird es ſim davor hüten, was nur durch gleihmäßig jortgeſehten Fleiß
geſchehen kann, Dieſen Bemerkungen gemäß erſcheinen die JFleißzettel in

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