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Abc, deutſches. -- Abcbuch, 5
Mitte des vorigen Jahrhunderts ſchon Verſuche ſtattgeſunden, die lateiniſche
Schrift auch bei deutſchen Werken zu gebrauchen, aber ohne daß ſie Anklang
gefunden hätien. Das Auge findet ſich einmal geſtört. Zn der neueſten
Zeit hat beſonders Jakob Grimm die lateiniſchen Buchſtaben auf das
Entjchiedenſte befürwortet, fand aber gleichfalls wenige Nachahmer. Es iſt
zwar ein ſchöner Zug im Charakter des Deutſchen , daß er ſeine nationale
Bildung nicht auſopfern will ; aber eben darum bleibt er auch ſo ziemlich
allen Völkern fremd.
Abebuch nennt man dasjenige Büchlein, welches den Schüler in den
Stand jekt, die Buchſtaben kennen zu lernen, und zwar ſowohl einzeln als
Lautzeichen , als auch in den gewöhnlichſten Verbindungen zu Silben und
ganzen Wörtern. Von dieſer Zuſammenſtellung erhielten die Abchücher den
Namen: Fibeln (Vibula = Klammer, Zuſammenklammern ; Andere erklä-
ren Fibula == Heft, aljo eine Anzahl zuſammengehefteter Blätter). Wir
finden Spuren von Fibeln ſchon vor Luther, obwohl wir keine frühere
befißen. Doch haben wir noh alte Bilderabchücher ; ſv eines auf der Biblio-
ihef in München aus dem 15. Jahrhundert und eines auf der Bibliothek
in Mailand, deſſen Fertigung Leonardo da Vinei (geb. 1452) zugeſchrie-
ben wird. Gleichzeitig mit Luthers Fibel iſt Kunonrat8 von Danbroßheim
Heiligen-Namenbuch, in welhem Namen von Heiligen als erſte Leſe-
übungen gebraucht werden. Das Büchlein hat einen Holzſchnitt : Chriſtus
im Tempel unter den Lehrern ſibend. In den älteſten Fibeln waren die
Buchſtaben der Reihe nah nebeneinander geſtellt, wie ſie im Alphabete nach
einander vorkommen. Am Ende war das Glaubensbekenntniß und das
Vater unſer beigefügt, und ſpäter kam noch das Einmaleins dazu. --- So
unzweamäßig derlei Bücher waren , ſo galten ſie doch Jahrhunderte hin-
durch für über alle Verbeſſerung erhaben , wie man denn auch von einem
Menjhen , der ſich unnüße Mühe gab , ſagte: er will die Abchücher ver-
bejjern. Erſt 1700 erſchien ein von Zeidler verbeſſertes. Die Armuth
in mancher Schule brachte die Wandfibeln auf, d. i. Tafeln, auf welchen
die Buchſtaben in größerer Geſtalt gedruckt waren, ſo daß alle Kinder mit:
einander Unterricht erhalten konnten. Was die Noth erfunden, behielt die
Bequemlichkeit bei, und in ver neueſten Zeit ſchließen ſich an die Hand-
ſibel in der Regel wieder Wandfibeln an. --- Anfangs des 18. Jahr-
hunderts ſ meiſter Bienrod in Wernigerode machte jene bekannten Reime dazu, 3. B.:;
„Der Affe ſehr poſſirlich iſt, zumal wenn er vom Apfel frißt,“ --- „Der
Dachs im Loche beißt den Hund , Soldaten macht der Degen kund.“ 2c.
Man beabſichtigte damit in Etwas wenigſtens das Langweilige zu verſcheu-
hen , und den Kindern Stoff zur Anſchauung und zum Denken zu geben.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts geſtalteten ſich manche Fibeln ſchon zu
recht hübſchen Bilderbüchern. So namentlich die von vem bekannten Jugend-
dichter Chriſtian Felix Weiße (Leipzig 1792). Daſſelbe hat 96 Seiten und
auf jeder Seite oben eine große und unten eine kleine Vignette, wel Vorſtellung von dem in der Mitte ſtehenden großgedru>ten Worte enthält.
Dabei iſt jedesmal ein Vers , z. B.: Hund: „Du ſchlägſt den Hund, er
billt dich drüber an; Gingſt du in Ruhy' vorbei , er hätt' es nicht gethan.“
Die obere Vignette dazu ſtellt einen Jungen dar, der mit einem Steen
einen Hund beunruhigt und von ihm angebellt wird ; die untere zeigt uns
ein Mädchen, dem ein Bologneſerhündhen die Hände le>t. Andere Verſe
ſind : bei dem Worte Nachtigall 3. B.: „Es fingt die Nachtigall ſo ſchön,
doch ſiehet man Dem Vögelchen die Kunſt nicht an den Federn an;“ Quelle;
„E38 ſtärtt ein friſher Duell den müden Wanderer , So fließt oft unſre

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