Analytiſche Urtheile. =“ Andacht, . 69
Iytif genannt; ſie befaßt ſich ja mit der Entwiclung jener Geſeße , auf
welchen die Bildung der Begriffe, Urtheile und Schlüſſe beruht.
Analytiſche Urtheile nennt man diejenigen, in welchen nie etwas Neues
dur< das Prädikat zum Subjekte kommt , ſondern das Prädikat ſ dem Begriffe des Subjektes liegt und unmittelbar aus diejem hervorgeht,
wie wenn ich ſage: der Geiſt denkt; hier iſt der Begriff des Denkens mit
dem des Geiſtes zugleich gegeben, indem wir uns keinen Geiſt vorſtellen
können, der nicht denkt. Dieſe Urtheile, welche erläuternder Art ſind, leiſten
beim Unterrichte vorzügliche Dienſte, indem die Zergliederung des Subjekts,
welche dabei vollzogen wird, die Urtheilskraſt ſchärft und eine genaue Kennt«-
niß der den Dingen inhärirenden und ihr Weſen conſtituirenden Qualitä-
ten vermittelt.
Analytiſche Lehrmethode. Sie beſteht, dem Geſagten gemäß, darin, daß
ſie von den Folgen der Principien zu dieſen ſelbſt, von dem Ganzen zu
den Elementen, von den Wirkungen zu den Urſachen, von dem Beſondern
zu dem Allgemeinen vordringt. Will man 3. B. den allgemeinen Saß:
„Oott widerſteht den Hoffärtigen,“ nac niß bringen, ſo wird man zuerſt die Hoffart als die Wurzel oder den An-
fang aller Sünden darſtellen und zeigen müſſen , wie der Hofſärtige die
Gott ſc Gott dem Hoffärtigen widerſteht ; ſodann werden die Folgen der Hoffart
in's Auge gefaßt, welche ſich in dem kurzen Spruch zuſammenfinden: Hoffart
fommt vor dem Falle. Endlich wird hervorgehoben , daß Gott ſelbſt in
jeinem Sohne und in deſſen Mutter die Demuth geadelt, an Pharao, Go
liath, Sennacherib 2c. aber geſtraft habe. Von dieſen einzelnen Lehren und
Thatſachen aus kommt man dann zu der Erkenntniß, daß Gott dem Hof-
färtigen widerjtehe. --- Daß dieſe3 analytiſ einzige anwendbare iſt, wo es ſich um die Gewinnung von Kenntniſſen handelt,
iſt die einſtimmige Anſicht der Pädagogen. Es liegt ſchon im Weſen des-
jelben, daß es die Aufmerkſamkeit und das Nachdenken der Kinder in ſehr
natürlicher Weije zu we&en vermag. Jſt doch alles, was der Innen- und
Außenwelt angehört, ein Zuſammengeſeßtes, folglich kann man davon zu-
nächſt nur durc< die Analyje eine klare Erkenntniß erlangen. Wenn nun
der Lehrer ven Sprachunterricht im Anſchluſſe an das in der Natur des
menj wird er den Saß in Worte und Laute auflöſen; beim Screibunterricht
wird er die Buchſtaben in Grund- und Haarſtriche zerlegen; das Leſeſtü>
in die einzelnen Gedanken, aus denen es beſteht, zergliedern 26. Beſonders
wirkſam hat ſich das Analyſiren bei katechetiſchen Unterweiſungen gezeigt.
Hat 3. B. das Kind die Elemente, aus welchen der Begriff „Reue“ beſteht,
kennen gelernt, dann iſt es auch in den Stand geſeßt, diejelben zu einem
Ganzen zu verbinden und als ſolches mit Einem Blicke aufzufaſſen.
Andacht, Andaht35übungen 2c. -- Dem Wortſinne nach bezeichnet
Andacht einen der Zerſtreuung des Gemüthes entgegengeſebten Zuſtand,
alfo das aufmerkſame Denken an etwas. Doch in dieſer allgemei-
nen Bedeutung wird das Wort ſelten gebraucht. Dem gewöhnlichen Sprach-
gebrauche nach verſteht man unter Andacht die ernſtliche aufmerkſame und
volle Nichtung des Gemüthes auf Gott und das Göttliche. Die Andacht
iſt nicht der Act eines einzelnen Seelenvermögen3, etwa bloß der Vernunſt,
der Empfindung , der VWhantaſie oder .des Willens , ſondern aller dieſer
Kräſte zuſammen vom Grunde ihrer Einheit und Ununterſchiedenheit aus.
Wer andähtig iſt, jammelt dieſe Kräfte und richtet ſie auf das Höhere

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