Anfangsgründe des Clementarunterricht3. ==“ Anforderungen an die Kinder, 73
Ihm ſei die Schul' ein Spiel,
Wo er zur fünft'nen Lehenöhamnsnie
Die Stimmung rein empfängt.
Infangögründe des Clementarunterrichts. Dex Elementarunterricht kann nur
von der ſinnlichen Anſhauung des Kindes ausgehen, und hat auf der erſten
Stufe keinen andern Zwe, als die Erkenntniß und Auffaſſung des Ange
Ihauten und die Darſtellung der dadurch erzeugten Gedanken in Urtheilen,
Das Kind iſt alſo zuerſt auf die Gegenſtände um ſich herum , ihre Be-
nennung, Beſchaffenheit und Theile aufmerkſam zu machen, wovur das Sprachvermögen geübt und die Zählkraft geſtärkt wird. Nach dieſen
Uebungen werden die Verhältniſſe des Lebens, 3. B. das der Eltern
gegen die Kinder 2c., in den Bereich der Anſchauung gezogen und die ſich
ergebenden Pflichten abgeleitet. So verbindet ſich vie geiſtige Auffaſſung
mit der ſinnlihen Anſchammg und auf dieſem dopyelten Grunde iſt es
möglich , den elementaren Unterricht durc< allmähliges Erweitern des Um-
fanges der Erkenntniſſe fortzuſeßen. Damit iſt zugleiß die Darſtellung der
aufgeſaßten Begriffe durch das Bild des Wortes zu verbinden und es gilt
die Regel: Nichts iſt gelernt, was nicht geſchrieben worden iſt. (Vrgl. d. A.
Clementarunierricht.)
Auforderungen an die Kinder. Eine große Schwierigkeit im Unterrichte
bietet das Maß ver Anforderungen , welche an die Kinder gemacht werden
- dürfen. Dies iſt ſchon beim Einzelunterricht der Fall , damit der Zögling
nicht überladen werde. Eine Anſpannung der Kräfte über Gebühr macht
das Kind muthlos ; e8 fördert nicht nur die geiſtige Thätigkeit nicht, ſon-
dern hemmt dieſelbe. Das Kind, das den Stoff nur mit Mühe hmeiſtern
kann, wird höchſtens für den Augenbli> lernen und bald vergeſſen ; es
kömmt nicht zum geiſtigen Verdauen und das Gelernte wird nicht ſein
Sigenthum. Darum hüte man ſich ja, den Umfang des Wiſſens
auf Koſten der Gründlichkeit zu erweitern. Die Schwierigkeit dieſer
Frage ſteigert ſic) aber beim gemeinſchaftlichen Unterricht, Hier wird man
an verſchiedene Kinder verſchiedene Anforderungen machen dürfen und
müſſen. Und da handelt e8 ſich nun darum, daß beim einzelnen Kinde ven
Verhältmiſſen deſſelben billige Rechnung getragen und nicht von Allen das8-
jelbe verlangt wird. Hier kommt zur Berücfichtigung: 1) die natür-
liche Anlage, Sicheriich wird bei der Beurtheilung der Fleiß mehr in
Anſchlag kommen müſſen, al8 der Erfolg. Darum verdient das talenivolle
Kind, das mehr lernt, nicht mehr Lob , als das mit mittelmäßigen Talen-
ten begabte, aber fleißige Kind, welches dem talentvollen nicht gleichkommt;
2) das Temperament. Dies ijt beſonder3 zu berüdſichtigen bei der
Handhabung der Sculzucht. Daſſelbe Vergehen wird dem Einen leichter,
bei dem Andern jſ leichter al8 dem Andern zu erfüllen ſein. Die Judividualität (ſ. d.
A.) iſt aljo in ihrer ganzen Eigenthümlichkeit zu würdigen. Von nicht
minder großem Cinfluſſe ſind die häuslichen Verhältniſſe. Wie kaun
der Lehrer von dem Kinde des Arbeit8manne8, das außer der Schulzeit
mit den Eltern das Brod verdienen muß , daſſelbe verlangen , wie vom
Kinde wohlhabender Leute, welchem den ganzen Tag hindurch Zeit zum
Lernen gegönnt iſt? Selbſt die zukünftigen Lebens8verhältnijſe,
in welche das Kind eintreten ſoll, werden die Anforderungen zu ermäßigen
erlauben. Die ſorgfältige Erwägung aller dieſex Umſtände wird den Lehrer
vor Ungerechtigkeit, namentlih auch im Lobe und Tadel bewahren. ---- Ver-
ſteht man unter Anforderungen an die Kinder die Leiſtungen, welche ſich
in jedem Schuljahre in den einzelnen Claſſen ergeben ſollen, ſv ſind dieſe

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