R0 Anſchauung3vermögen, Anſchauungen, Anſchauung3unterricht.
Allgemeinen kaun alſo geſagt werden : die Anregung der geiſtigen Kraft iſt
die erſte Thätigkeit der geiſtigen Erziehung. Dieſelbe hat zu beginnen , ſo-
bald die Empfänglichkeit von Seite des Kindes eintritt, alſo ſchon nach dem
Säuglingsalter. Zu allererſt macht die Mutter das Kind durch Deuten
auf die Gegenſtände, welche um daſſelbe herum ſind, auſmerkſam und rich-
tet den Bli> auf dieſelben. Auf der zweiten Stufe werden vem Kinde mit
dem Deuten zugleich die Namen der gedeuteten Gegenſtände genannt
und ſv mit der Uebung der ſinnlihen Wahrnehmung die Uebung des
Sprechens verbunden. Zugleich iſt die Zählkraft anzuregen. Erſt auf
der dritten Stufe ſind es kleine Säße, Erzählungen , Liedchen, mit denen
das Kind unterhalten wird. Auf dieſer Stufe angelangt, iſt beſonders das
jittlich» Moment hervorzuheben und dem Geſpräche als Unterlage zu
geben. Erſt am Ende des Kindesalter3 kann ein zuſammenhängender Un-
terricht beginnen, obwohl auch hier nur in ſpielender, jedoch nicht lindiſcher
Weije. Die Eltern namentlich vermögen die geiſtige Kraft des Kinde38 am
beſten dur jagt: „Das zeigt ſich am ſchönſten ſhon bei ganz kleinen Kindern, wenn ſie
der Mutter oder dem Vater, die mit ihnen liebkoſen, voll lieblicher Freund-
lichkeit in das Auge oder nach dem Munde ſehen. Da tritt auf die freund-
liche Anregung ter Geiſt freundlich hervor als ein Merken auf das , was
außer ihm vorgeht, als ein Aufmerken oder als Aufmerkſamkeit. Am beſten
hat auch hier wieder die Natur ſelbſt die Mutter gelehrt, wie ſie die Auf-
merßamteit weden, unterhalten und üben ſoll ; ihre Liebe macht ſie erfin=
derij) und iſt jür die in dem Kinde ſ der milde Sonnenſtrahl für den in der Erde ſchlummernden Pflanzenkeim iſt.“
Anſchanmngsvermögen, Auſhang, Anſchanungsunkerricht. Die menſchliche
Eeele beſißt das Vermögen, Eindrücke vermittelſt der fünf Sinne zu empfan-
gen, in fich auſzunehmen und feſizuhalten. Dieſes Seelenvermögen , ein
Theil des Vorſiellungsvermögens, wird Wahrnehmungs8-, Erkennt-
niß- oder Aniſichaunng3vermögen genannt. Es hat dieſen Namen un-
ſtreitig daher, weil wir die meiſten ſinnlichen Vorſtellungen durch das Ge -
jicht, d. bh. durc< anſ ſchtsjinn zuerſt entwielt und in vorwiegender Thätigkeit zeigt , und weil
vieſer Sinn derjenige iſt, der den vorherrſchendſten Einfluß auf die ge-
jammte Bildung des Menſchen übt, Anſchauungen werden vaher im
Allgemeinen diejenigen Eindrücke genannt werden müſſen , welche die Seele
aus der Körperwelt vermittelſt der fünf Sinne erhält. Iſt die Anſchauung
vdn der Seele auſgenommen, 19 iſt ſie eine Vorſtellung , wiewohl ſie nicht
jelten auch dann noh An) jerer Seele nur Anſchauungen durch die fünf Sinne zu? Haben wir nicht
jelbſt eine Anſchauung von dem Zuſtande unſerer Seele? Können wir uns
nicht vorſtellen, was wir erkennen , lieben, wollen ? wie es uns zu Muthe
ijt? was Die aus der Sinnenwelt aufgenommenen Anſchauungen in uns
bewirfen ? Können wir nicht, wie der Katechizmus von Hixſcher ſagt, die
Gegenwart Goties oft wahrnehmen aus den innern Mahnungen, Rührun-
gen ? -- Haben wir alſo nicht eine Menge Vorſtellungen, die uns nicht als
Anjhauungen vermittelſt der fünf Sinne zugingen ? Ganz gewiß! Und wie
ijt es erjt mit den jog. Abſtracta ? Müſſen nicht auch ſie zur Anſchauung ge-
bracht werden? --- Wir werden alſo ein Anſchauungsvermögen des
Aeußern, d. i. ver Körperwelt, und ein Anſchanungs8vermögen des
FJunern, das unſer Seelenleben zum Anſchauungsfelde hat, zu unterſchei-
den haben, woraus dann wieder hervorgeht, daß es äußere und innere
Anſchauungen geben müſſe.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.