992 Anſchauungsübungen. = Anſtalten der Erziehung.
auf alle Kinder ansgedehnt werden und ſomit wären dieſe Sinnesübungen
dom nur wieder die Vorſtufe zum bisherigen Anſchaunngsunterricht. =-
Was die zum Anſ man die Artikel : Abbildungen und Bilder.
Auſhammgsübungen, 1. Anſchauunngslehre. -'
Anſelm von Canterbury, mit Recht der Große genannt, wurde 1034
zu Aoſta in Piemont geboren. Seine gottesfürchtige Mutter wete die
Keime des religiöſen Gefühls mit großer Sorgfalt in dem Herzen des Kna-
ben, aber die Rohheit des Vaters zwang ihn, das elterlihe Haus zu ver-
laſjen. Er irrte drei Jahre in Frankreich und Burgund umher, und kam
endlich in das Kloſter Bec, wo damals der berühmte Lanfranc lehrte.
1060 wurde er Benedictiner, 1064 ſchon Prior und 1079 Abt. Ex wirkte
jo wohlthätig, daß zu dieſer Zeit keine Schule berühmter war, als die ſei-
nige. 1089 übertrug man ihm wider Willen das Erzbisthum Canterbury.
Wegen der UnerſchroFenheit, mit welcher er die Nechte der Kir digte , mußte er zweimal flüchtig in Frankreich ſich aufhalten. Er war
einer der größten Theologen und ſcharfſinnigſten Lehrer des Mittelalters,
dem wir ven ontologiſchen Beweis für das Daſein Gottes verdanken. Für
die Pädagogik iſt er inſofern von Bedeutung, als wir an ihm einen Gegner
jener ſtrengen Zucht finden, die in den damaligen Schulen herrſchte , und
die dem Abte jogar Erlaubniß gewährte, ungehorſame Mönche ſchlagen zu
laſjen. Gin jolc die er gegen jeine Schüler ansübe , dieſelben ſtatt zu beſſern, nur ſtumpfer
und viehiſcher mache. Darauf antwortete ihm Anſelm : „Ein ſchöner Erfolg
eurer Erziehung, daß ihr aus Menſchen Thiere macht. --- Weil ſie keine
Liebe , keine Freundlichkeit, kein Wohlwollen von euch erfahren , ſo trauen
fie euch auch nichts Gutes zu , ſondern meinen , daß Alles bei euch aus
Haß und Mißgunſt hervorgehe , und weil ſie von Keinem in der Liebe er-
ogen werden, können ſie Keinen anders als mit geſenktem Blie und
Weielenden Augen anjehen.“ Möchten doch alle Erzieher ſich Anſelm zum
Borbild nehmen.
Anſchreiben. Der Lehrer ſ macht davon , wie bekannt, vielſeitigen Gebrauch. Hier möchte aber beſon:
Ders, darauf hingewieſen werden, daß dieſes Anſchreiben bei kalligraphiſchen
Vebungen bejonders großen Werth hat. In vielen Schulen wird
viel zu viel nach Vorſchriften geſchrieben. Die Schüler ſind
ſic aber dabei zu viel überlaſſen und vernachläſſigen die Formen. Wenn
mit den Vorſchriften auch öſter gewechſelt wird , das macht die Sache nicht
beſjer. Das Anſchreiben an die Taſel, das aber fleißig und vollkommen falli-
graphijh ausgeführt werden muß, hat weit größern Werth, weil den Kindern
ſtets jeder einzelne Zug vorgeführt und ſie damit zugleich angehalten werden,
denjelben ſim anzueignen. --- Die Mühe iſt zwar wohl größer für den
Lehrer , als wenn er blos nach Vorſchriſten ſchreiben und fo die Schüler,
was doch meiſtens geſchieht, zuviel ſich ſelbſt überläßt. Aber der Erfolg
iſt auc) um jo erfreulicher. Ueberdies läſſen ſich dabei noch die weiteren
Zwece erreichen, daß man die Schüler auch abſchreiben lehrt und
orthographiſ Anſtalten der Erziehynng. Noch in unſeren Tagen wird der Streit fort-
gejebt, welchen ſhon Duinctilian (instit. 1. 2.) zu erörtern ſuchte , ob
nämli< der häuslihen Erziehung oder jener in Anſtalten der Vorzug ge-
bühre. Es hat fortwährend Rouſſeau ſeine Anhänger, welche mit ihm
die Anſtaltserziehung verwerfen und es fehli anverexſeit3 nicht an beredten

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