10 Fortbildung des Lehrers.
Fortbildung des Lehrers. Die Nothwendigkeit dieſer Fortbildung werden
wir nicht exſt dvarthun müſſen ; denn wenn kein Stand auslernt, ſv wird
auch der Lehrerſtand nicht im die Lage kommen , ſagen zu können, es ſei
ihm nichts mehr zu lernen Übrig und ſeine Bildung abgeſchloſſen. Die
Thatjache, wohin es mit jenen Lehrern kommt, welche ihre Fortbildung ver-
jäumen, beweiſt zur Gonüge, wie nothwendig dieſe iſt. Sie wird überdies
von der ganzen Vor- und Seminarbildung voranus8geſeht und kann nicht
unterbleiben, ohne daß der Lehrer rüwärts ſchreitet und verbauert. Ohnehin
iſt die religis3-ſittliche Fortbildung eine heilige und allgemeine Pflicht, die
den Lehrer um ſv näher angeht, als ex ſeine Kinder jelbſt religiss-ſittlich
bilden joll und als einem Stillſtande in dieſer Beziehung die innere Fäulniß
anf dem Fuße folgt. Auch klänge es höchſt ſonderbar, wenn ein Lehrer mit
jeiner Seminarbildung ſim begnügen zu können meinte, während er
ficht, daß in allen Zweigen ſeines beruflichen Wiſſens täglich Fortſchritte
gemacht werden. Seine Läßigkeit in der Fortbildung ſällt ſchnell -in die
Augen und raubt ihm den Anjpruch auf Ahtung. Daraus ergibt ſich, daß
nicht einmal der tüchtigſte Lehrer von der Pflicht ver Fortbildung ſich aus-
nehmen darf, weil auch er im Wiſſen und Können nicht Alles ergriffen hat ;
wähnte er aber dieſes, dann müßte man einen ſolhen Wahn um ſo mehr
beklagen, als gerade dur< ihn der Forthildung ein Hinderniß in den Weg
gelegt wird. Die Fortbildung für überflüſſig halten, zeugt niht von Tüch-
tigkeit , jondern von Beſchränktheit. Die Forverung, daß ſich der Lehrer
unabläßig bemühen müjje, jein Sein und Können zu vervollkommnen,
beſchränkt ſic) nicht etwa auf dieſe oder jene Seite des Berufsleben8 und
der Beruſsthätigkeit, jondern erſtre>t ſich auf die geſammte Bildung, die
religiöſe und bürgerliche, die wiſſenſchaftlihe und praktiſche. Bevor wir
jedoch im Einzelnen 3 igen, worin und wie ſich die Fortbildung des Lehrers
zu bethätigen habe, müſſen wir von ihr ſelbſt eine richtige Vorſtellung zu
gewinnen juchen.
Unter der Fortbildung des Lehrers verſtehen wir nicht die Erſtrebung
von Kenntniſſen und Fertigkeiten, welche vem Lehrerberufe ſremd ſind, oder
ihm entfremden ; zwar haben wir ſchon an einem andern Orte (Bildung der
Schullehrer) unjern Beiſall dazu gegeben, daß der Lehrer nach allen Seiten
hin das Maß jeimer allgemeinen Bildung erweitern dürfe; allein er darf
dies nicht hun auf Unkoſten ſeiner Berufsſtudien oder mit der Abſicht, um
damit die Nachläßigkeiten in ſeinem Dienſte , den Mangel an Beruſfsliebe,
die Geringimäkßung jeines Dienſtes zu bede>en. Er mag ſich hinausſehnen
aus dem Lehrerſtande und für eine höhere Stellung im Leben qualiſiciren,
aber nur, daß es aus den rechten Motiven geſchehe! Will er im Lehrer-
ſtande verbleiben, jo meine er nicht, vem Gebote der Fortbildung zu genü-
gen, wenn er alle jeine Muße auf die Vflege und Vervollkommnung eines
einzigen Gegenjtandes -- vielleicht mit der Nebenabſicht zeitlichen Gewinnes,
wie etwa hei der Muſik -- verwendet; er trachte vielmehr zuerſt, darin ſich
weiter zu bilden, was ihn für ſeinen Beruf tüchtig machen kann. Doh
dar] er auch hier nicht in dem Sinne einſeitig verfahren, daß ex vor-
herrichend das Erkenantnißvermögen pflegt und darüber die weit nothwen-
digere Cultur des Herzens und Charakters verabjäumt oder nur al8 Ne-
benjahe behandelt. Alle Fortbildung muß ein höheres Ziel haben als das
bloße Wiſſen oder den Beſiß gewiſſer Fertigkeiten; ſie muß den Menſchen
als ſolchen veredeln und heben; ſie muß ihn mit jeinem Berufe zufrieden
machen und ihn dem Jdeale eines in Gott und für Gott thätigen Lebens
immer näher bringen; ſie muß ihn der Vollendung in Gotte8fur Glauben unaufhaltjam entgegenführen. Ruht die Fortbildung im Wiſſen
und Können auf dieſer religivs - ſittlichen Grundlage und gehen beide,

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