Gefühl -- Gefühlsvermögen, 147
worden. 7) Es wäre ſehlerhaft, wie Milde ſagt, wenn man das Gefühl
der Kinder nur an den außerordentlichen Thaten des moraliſchen Enthu-
fiaSmus , an Beijpielen des ſeltenen Heroi8Smus üben wollte, weil dann
vie Kinder ihre Pflichten als Kleinigkeiten anſehen und nicht achten. Jn-
veß darf man neben die Beiſpiele guter Sitten aus dem täglichen Leben
doch au< Beijpiele höherer Art ſtellen, damit die Kinder ſchauen, was die
von der Gnade getragene ſittliche Kraft zu leiſten vermag und ſich ſofort
zu größern als den gewöhnlichen Anſtrengungen aufgemuntert fühlen. Daß
hiebei jtet8 auf die religiöſen Gefühle Rüchicht zu nehmen iſt, ergibt ſich
aus der Natur der Sache ; denn die ſittlichen Gefühle haben ja ihre leßte
und tieſſte Begründung in den religiöjen. 53) Zu ven ſittlihen Gefühlen,
welche bejonders gepflegt zu werden brauchen, gehören jene, welche in den
aht Seligkeiten und in den vier Grundtugenden ausgedrüct ſind : die De-
muth, die Sanſtmuth, die Geduld, die Unſchuld, die Friedfertigkeit 2c., von
welchen -- ſoweit es nothwendig ijt, in beſondern Artikeln gehandelt wird.
e) Fehler gegen die Sittlichkeit darf der Erzieher nicht ungeſtraft laſſen. .
Erfährt er jolche, dann wird ſc darüber zeigt, heilſam wirken ; doch muß die Züchtigung nachfolgen , wenn
jene Wirkung eintreten foll. &) Da jedes Tugendgefühl den Lohn ſchon
in fich jelbſt trägt, fo wurde es oft überſehen , auf den höhern von Gott
verheißenen Lohn hinzuweiſen, der ein weit wirkjameres Reizmittel für mpora-
liſche Gefühle iſt, als die Zufriedenheit, welche das gute Gewiſſen gewährt.
Der Erzieher darf folglich jene Hinweiſung nicht unterlaſſen. Um ſie je-
doc< in der erforderlichen Weiſe wirkjam zu machen , darf es nicht an der
Mahnung fehlen, der Zögling möge um die göttliche Gnavdenhilfe bei jeder
ſittlichen Anſtrengung um Pflichtübung flehen, denn die Befeſtigung des
moraliſ telſt jener Hilfe unfehlbar überwunden werden. ») Den Abirrungen des
ſittlichen Gefühls in Aengſilichkeit oder Selbſtgefſälligkeit muß vorgebeugt
werden, was am ſicherſten dur< gründlichen ReligionSunterricht geſchieht. --
6) In dem religivjen Gefühle liegt die Verherrlihung und Kroue
aller übrigen Gefühle. In ihm concenitrirt ſich bei dem Chriſten alles Ge-
ſühl , und wem es darum zu thun iſt, daß es kräſtig angeregt und ſtark
werde, der muß es den Kinvern in ihren früheſten Jahren erſchließen.
Man iſt über den pädagogiſchen Wahn hinaus, daß das religibſe Gefühl erſt
dann erregt und gebildet werden dürfe, wenn die religivbſe Erkenntniß ihre
Vollſtändigkeit erlangt habe. Schön ſagt hiegegen Hirſ ver leiblichen Blüthe ſind recht eigentlich auch die der geiſtigen, folglich) die der
Religioſität ; denn in dieſer bewegt ſich der Flor der geiſtigen Entwicklung.
Und der Knabe und das Mädchen , der Jüngling und die Jungfrau , die
nicht angeleitet worden ſind zur Zeit, als Welt und Leivenſchaft in der
Bruſt j Höherem und Höchſtem zu finden in Gott --- in der Anbetung und Liebe
Gottes, in der Aufopferung an, in der Weihe für ihn 2c., ſind um den
jhbönſten Genuß und die edelſte Blüthe ihres Alters (unwiederbringlich)
betrogen.“ (Katehetik. 8. 33.) Man erſchließt aber vas religiöſe Geſühl
&) durch die Pflege des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Es gibt
kein religiöſes Gefühl , daß ſich nicht an dieſes heilige Dreieins anſchlüſſe.
Der Glaube wird gepflegt durc) die religibſe Erkenntniß, die Hoffnung dur<
vie Werke der Andacht , die Liebe durc< den Geiſt und die Thaten der
Selbſtverlengnung. Hat das Kind den Glaubeit ais das Licht und Heil
ver Welt, die Hoſſnung als den Troſt der Welt und vie Liebe als die
Glücjeligkfeit der Welt erfaßt, dann werden auc) ſeine veligiöſen Gefühle
erwacht und erſtarkt jein. Jm Glauben wird Ehrfurcht und Anbetung,
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