Gehör und deſſen Diätetik. 140
Gehör und deſſen Diätetik. Wie im Artikel „Sinne“ näher angegeben
wird, hat e8 der Gehörsſinn mit dem Reich des Schalles zu thun, jei es,
daß er als Geräu]< oder Ton, als Sprache oder Muſik an uns heran:
tritt. Unſeren dortigen Erörterungen gemäß kann eine wirklich verjtän -
dige Pflege (Tüätetik) des Gehörs nur auf einem richtigen Verſtändniß
des Gehörapparates ſelbſt ſich aufbauen. Er iſt einer der wundervollſten,
zugleich aber auch ſchwierigſten Theile des Körpers. Leßterer Umſtand joll
uns jedo< nicht abhalten , ihm unſere volle Aufmerkſamkeit zu widmen,
eingedenk der hohen Stellung , welche der Gehörsſinn erfahrung8gemäß bei
der Erziehung und Fortbildung des Menſchen einnimmt. -- Wir unterſchei-
ven vor Allem zwei Hauptabſchnitte am Gehörapparate. 1) Der Shall-
leitung3ötheil und 2) der, AusSbreitungstheil des Gehör-
nerven.
Der Schallieitungstheil des Gehörorgans wird durch das Trom-
melfell in zwei Abſchnitte abgetheilt , in den nach Außen gelegenen, das
äußere Ohr, und in den im Junern verborgenen, das mittlere Ohr.
Das äußere Ohr breitet ſih zunächſt aus in die Ohrmuſchel
(A. Fig.). Dieſe iſt ein mit Haut überzogener trichterförmiger Knorpel,
der an ſeiner Oberfläche in concentriſcher Anordnung leiſtenartige Vor-
ſprünge und zwiſchengelegene Vertiefungen zeigt. Dur< vieſe vielfachen
Krümmungen der Oberfläche iſt es einerſeit8 möglich, daß jedem beliebigen
Scallſtrahle wenigſtens eine Ebene ſenkrecht ſich entgegenſtellt -- ein Umsz=
ſtand , ver die Wirkung des Schallſtrahles auf den elaſtiſchen , zum Mit-
j die Anordnung der rinnenartigen Vertiefungen der Art, daß ein Theil der
auftreffenden Schallſtrahlen aufgefangen und durc< fortgejeßte Brechung
der Mündung des äußeren Gehörganges zugeführt werden kann. Scließ-
lich ſind zwiſchen ven Kopfknochen und Ohrmuſchel jowohl als zwiſchen den
einzelnen Knorpelvorſprüngen der leßteren =- von der Haut bededt =-
Muskeln ausgeſpannt, dur< welche theils das Ohr als Ganzes bewegt,
theils die ſchallauffangende Oberfläche der Ohrmuſchel flacher oder tiefer
gemacht werden kann. -- So intereſſant die hier mitgetheilten Functionen
der Ohrmuſchel und ihrer Muskeln ſind, ſo ſind fie im Ganzen beim Men-
ſchen doch ſehr wenig ausgeprägt und für den gewöhnlichen Anjpruch des
bloßen Hörens --- man darf e8 wohl jagen --- von untergeordneter Be-
deutung; venn man kennt Fälle genug, wo Menſchen die Ohrmuſchel abge-
ſchnitten oder abgehauen war , ohne daß das Gehör jehr merklich gelitten
hätte. Hienach wollen wir jedoch entfernt nicht glauben, daß der Schöpfer
hier etwas Ueberflüſſiges geſchaffen habe. Nein! Hiegegen ſpricht einer-
ſeits der inſtinctmäßige Gebrauch, den Schwerhörige von der Hohlhand
machen, die ſie, um die Ohrmuſchel ſo zu ſagen zu vergrößern, an lehtere
anlegen, andererſeit8 aber find die nicht zum bloßen Hören allein, jondern
zum ſogenannten feinen Gehör erforderlichen Eigenſchaften von der
Wiſſenſchaft noch lange nicht ſo gefannt und feſtgeſtellt, um hieraus über
die Entbehrlichfeit oder Nothwendigkeit dieſes oder jenes Organtheiles etwas
Sicheres ableiten zu können. Bei furchtſamen Thieren, wie beim Haſen,
der Gazelle, ferner bei den Nachtthieren , welche ihre nahende Beute mit
dem Gehöre erkennen, iſt die Ohrmuſchel viel ſtärker ausgebildet. Bei die-
ſen dürfte die Entfernung der Ohrmuſchel ſofort eine bedeutende Beein-
trächtigung des Gehörvermögen8 nach ſich ziehen. Bei den Pferden und
manchen anderen Thieren iſt die beim Menſchen nur angedeutete Beweg-
. lichfeit ver Ohrmuſchel ſehr deutlim ausgebildet. Der Zwed dieſer Be-
weglichkeit iſt der , die Richtung des Schalles erkennen zu laſſen. Das
Thier ändert die Stellung der Ohrmuſchel und die Wölbung derſelben ſ9

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