150 Gehör und deſſen Diätetik.
lange, bis e8 den Schall in größter Stärke empfängt. Bei uns Menſchen
tritt hiefir die Bewegung des ganzen Kopfes in's Mittel. Für die Be-
günſtigung des Gehörs ſcheint bei lekßteren ein gewiſſer Winkel, unter wel-
Diesſeit8 und Jenſeits dieſer Grenze bleiben die im Durchſchnitt auf das
Ohr auftreffenden Scallſtrahlen wirkungsloſer. (Es mag ſomit durch -
das pädagogiſche Naufmanöver , das den unaufmerkſamen Schülern die
platten Ohren vom Kopfe abzieht , ſogar vorübergehend einem akuſtiſchen |
Erfahrungsſaße genügt werden (!), immerhin aber liegt kein männlicher |
Cruſt in diejem Zuchtmittel , das vollends zur Rohheit wird , wenn man, :
wie es jc anreißt. =- Zum Behufe der Reinigung kann die Ohrmuſchel zu jeder
Fahreszeit ohne allen Nachtheil mit kaltem Waſſer gewaſchen werden ; nur
hat das Abtroc>nen mit gehöriger Sorgfali zu geſchehen und der unmittel-
bare Vebertritt an die freie Luſt zu unterbleiben. Dieſe Neinigung iſt
veſonder3 bei vollſaſtigen Kindern und ſolchen mit ſkrophulöſer Anlage an-
gezeigt, da bei dieſen die Ohrmuſchel einer der beliebteſten Sie von Haut-
röthe, Ausjchlägen u. |. f. iſt, lauter Dinge, denen Reinlichkeit am Sicher-
ſten entgegen arbeitet. | |
Das Ohrläpp ji) daſſelbe, wie bekannt, fehr häufig dur<ſtehen, um Ringe u. drgl. ein:
zuhängen. Es mag ſein, daß man heut zu Tage, des geſchehenen Mißbrauches
halber, den Werth dieſer kleinen Operation zu gering anſchlägt ; wenigſtens |
wußte die ältere Chirurgie viel von ihrem Nußen bei Augenentzündungen,
Zahn- und Kopfſ ganze Sache nur ſo lange einen Ableitung8werth, als der kleine Wunvkanal
Dur) den eingelegten fremden Körper in entzündlicher Reizung erhalten
wird und dieſer, ähnlich einem Haarſeile, eitrige Abſonderungen veranlaßt ;
nachher aber, wenn der Kanal ausgeheilt iſt, iſt er nur noch ein Knopf-
loh der Eitelkeit.
Die Ohrmuſchel geht in den äußeren Gehörgang (B) über.
Ex iſt ein im Durchſchnitt ovales Nohr von circa 1 Zoll Länge, hat einen
Ihwac< gewundenen (52) Verlauf , gleich einem liegenden lateiniſchen 8,
und eine ſchiefe Richtung von Außen und Hinten nach Vorn und einwärts.
Rach Außen iſt er knorpelig, nach Innen knöchern. An ſeinem Boden laſ-
jen ſich dur< Haut und Knorpel hindurch die Bewegungen des Gelenk-
kopfes vom Unterkiefer durchführen. Bringt man nämlich die Zeigefinger-
ſpiße in die Ohröffnung , ſo fühlt man , wie beim Schließen ves Kiefers
- jein Gelenkfopf gegen den äußeren Gehörgang andrängt und dieſen ver-
engert, beim Deffnen dagegen ſich von ihm entfernt. Davon iſt es herzu-
leiten, daß Schwerhörige, um beſſer zu hören, ganz inſtinktmäßig den Mund
öffnen. Ein aufmerkſamer Lehrer kann es deshalb manchem ſeiner Schüler
jon von ferne anſehen, ob dieſer wirklich übelhörig iſt oder nicht, ob er
aus Unachtſamkeit oder aus Mangel an gutem Gehör ſeinem Vortrage nicht
gejolgt iſt. Die Haut des Gehörganges , die wie die Haut der Ohr-
mujſchel im Uebrigen eine reine Fortſezung der äußeren Haut iſt, birgt eine
Menge Drüſen, welche eine gelbe klebrige Subſtanz von bitterem Geſchmat,
Das jogenannte Ohrenſchmalz, abſondern. Dieſe Flüſſigkeit erhält vie
Theile des Gehörgangs in einer gewiſſen Geſchmeidigkeit und ſchüßt gegen
das Hineinkriechen der Inſekten. Der letztere Zwe> dürfte noch unterſtüßt
werden durch eine Anzahl von Härchen , welche ihre Spißen nach Außen
kehren. Das Ohrenſchmalz wird bei verſchiedenen Menſchen in ſehr ver:
iGiedener Menge und mit verſchiedener Neigung zum Eintro>nen abgeſon:
dert. Da wo viel Ohrenſchmalz ſich bildet und daſſelbe raſch eintro>net

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