38 Frankfurt am Main, = Frankreich,
Schulcommiſſion und eine gemiſchte Kirchen- und Schulcommiſſion , welcher
die iſraelitiſchen Schnlen und die Privatſchulen übergeben ſind. Zu den
&anvorien, deren 8 zu Frankfurt gehören, beſticht ein Ortsſchulvorſtand unter
ver- Leitung des Ortspfarrerxs. Die Beſoldung der Lehrer iſt ziemlich gut
von 800 bis 1600 fl. nebſt freier Wohnung und Holz. Die Gehalie der Lehrer
auf dem Lande beiragen 500---850 fl. Erhöhung der Gehalte ſteht bevor. Dem-
ungeachtet iſt die Neignug, Lehrer zu werden, in Frankfurt nicht groß. Die Can:
didaten des Lehrerſlandes beſuchen die Seminarien in Naſſau unv Württemberg ;
doch jinden ſic) anch auswärlige Lehrer, naſſauiſche, württembergiſche, preußi-
jeye angeſtellt. Penſionsanſprüche haben übrigen3 die eigentlichen Volk=-
imullehrer, welche nicht Dirigenten ihrer Anſtalt find, erſt nach 12 Dienſt-
jahren , aun< können dieſelben während dieſer Zeii ohne vorhergegangene»
richterliches Urtheil entlaſſen werven. Der Antpruch auf die volle Beſoldung
tritt mit dem 40, Dienſtjahre ein. Gegenwäriig (1863) iſt dem geſeßgebenden
Körper vom Senate eine Vorlage Über die Staatsdiener-, Wittwen- und
Waijonkajſe übergeben worden , zu der auch die Lehrer au den öffentlichen
Schnlen gezogen werden ſollen. Gemäß derſelben ſollen bei 20, 40, 60,
80 und 100 [l. jährlichen Beitrags ven Witiwen 200, 300, 400, 500 uad
600 fl. Gehalt an8geworſjen werven. Die Geſchichte des Frankjurier Schul-
weſens ſindet ſich dargelegt in: die Eniwickiung ves Schulweſens in ſeiner
turhiſtoriſchen Beveutung dargeſtellt in Bezug auf die Schulverhältmjie
der freien Stabi Frankjuri von der älteſten bi3 zur neuſten Zeit von
Dr. Jakob Helſenſtein, Lehrer an der Selectenſchule in Frantſuri
am Main. Crjte Abtheilung: das Mittelalter und die ReſormatiionsSzeit.
Frankfurt, 1358, Sauerländer. 17?/, Sgr. -
Franfreich iſt vas Land, in welchem wir ſchon ſehr frühe Syuren von
BoliSunterricht ireffen. Schon 529 verlangten die» Synvodeit von Orange
und Valence Piarxſchulen. Um 800 verordnete Biſchof Theovulyh von
YI rleans, daß die Prieſter in den Städi-n und Dörfern (por villas et
vicos) Schulen halten und diejenigen darin aufnehmen ſollten, welche die Buch-
jtaben lernen wollten. Daß in den zahlreichen Dom-, Stijt8- und Kloſter-

Ichnlen (f. d. A.) nicht nur die ſogenonnien freien Künfie gelehrt, ſondern daß
auch Unterricht in den elementaren Kenntniſſen eriheilt wurde, verſteht ſich
von jelbji; denn wie kaun man ohne Kenntniſſe von Leſen , Schreiben und
Rechnen vieje betreiben, oder wem will es wohl einfallen zu glaubeit, daß
man beim Unterrichte eines Kinves, welches die Elemente ſeiner Mutter-
iprache nicht inne gehabt hätte, mit dem Donat hätte anfangen wollen ?
Auch in den Nonnenklöſtern wurde Unterricht eriheilt, wie denn Ra-
jhajius Radbertus ſeinen erſten Unterricht von ven Nonnen in Soiſſons
erhielt. Die elementaren Kenniniſſe ves Unterrichi3 mangelten vem franu-
zöſijchen Bolke nicht; dies beweiſt das erſte Bibelverbot, welches das
Concil von Tonlouſe (1229) zu geben ſich veranlaßt ſah. Es waren
nämlich unter vem Volke zahlreiche Bibeln verbreitet, die von ungelehrten
Leuten überſeßt worden waren, weßhalb auf dieſer Kirhenverſammlung vas
Lejen jolcher überſeßten Bibeln unterjagt wurde, Neben den vielen Klottexr-
imulen ihaiten ſich Pfarr- und ſtädtiſche Schulen auf, die von
geiſtlichen und weltlichen Lehrern geleitet wurden. Doch blieben die Schulen
jiets von der Kirche beaufſichtigt, wie venn 1357 der Groß-Cantor
(grand-chantre) an der Cathedrale in Paris die Pfarrſchulen unter ſich
vatie, 1339 gab es in Paris an den Pfarrichulen wenigſtens 41 Lehrer
und 22 Lehrerinnen, welche in dieſem Jahre eine Conferenz mit einander
hielten. Vor Allem aber hat Frankreich ſeine Bildung jenen zuhlreichen
religidjſen Vereinen zu verdanken, welche zum Zwee des Boltsunterrichtes
geſtifiet wurden, und ihre Zweige weit über Frankreih hinaus aus-


Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.