Hochmuth und Hoffart, -- Hofmeiſter. 42j
drückung der Pußſucht und alles Deſſen, was zum Hochmuth führt, iſt
zunächſt Aufgabe Derxer, welche mit den Kinvern im unmittelbaren häus-
lichen Leben verkehren, ſowie des Seelſorgers8, welcher hier energiſcher ein:
„ſchreiten kann als der Lehrer.
Hochſchulen, ſ. Gelehrtenſchulen.
Hochſinn, 1. Hocherzigkeit.
HoFart, 1]. Hochmuth.
Hofmeiſter nennen wir einen Privatlehrer, welcher in eine Familie
berufen worden iſt, um nebſt deim ausſchließlihen over theilweiſen Unterricht
zu gleich einen Theil der Erziehung zu übernehmen. Der Ausdruck leitet
jich von den Prinzenerziehern und den Erziehern der adelichen Familien
her, welche ihre Kinder eigenen Hoſmeiſtern übergaben, ein Beiſpiel, in
welchem der Geldadel dem Geburts3adel nachfolate. Während der Haus-
lehrer mix die Schule erſetzen ſoll , iſt es die Aufgabe des Hofmeiſters,
zugleich die Stelle der Eliern zu vertreten und da für ſie einzuſtehen, wo
die Kräſte over die Verhältniſje ver Cltern es nicht geſtatten, ihre Pflichten
in ihrem ganzen Umfange zu erfüllen. Dieſe leßtere Aufgabe macht die
Stellung eine3 Hofmeiſter3 in einer Familie zu einer hochwichtigen, aber
zugleich auch zu einer mühevollen und ſchwierigen. Kömmt nun in Be-
tracht, daß dieſe Stellen ſehr oft uur von Solchen geiucht werden, welche
dieſelben nicht als ihren Beruf, ſondern nur als zeitweilige Verſorgung
oder als Vorbereitung “auf eine ſelbſtſtändige Stellung betrachten und
während ihres Hofmeißterlebens ſtets über daſſelbe hinaus , in eine für ſie
günſtigere Zukunft bliden und daß cs eben ſo oſt junge Leute ſind, die
noch feine Praxis in der Erziehung, oft nicht einmal im Unterricht beſiken
und nicht immer die Theorie der Pädagogik mit den Forderungen des
Lebens in Uebereinſtimmung zu bringen wiſſen, ſo ergibt ſich ſc daß es nicht überflüſſig war, ganze Bücher über der Hofmeiſter Pflicht
und Lage zu ſchreiben, wie dies ſhon Nambac Andere gelhan haben, und wie dieſelben in einer den Bedürfniſſen der
Gegenwart angemeſſenen Schrift darzuſtellen eine dankens8werthe Leiſtung
wäre , wenn eine ſolche Scriſt auch nicht gerade Inſiruftionen Über das
Verhältniß des Hofmeiſters zur Gouvernante, zum Stubenmädhen und zu
ven übrigen Dienſtboten, oder wie Stoy tadelnd bemertt, das A' BC
ver Ethik zu repetiren brauchte. (Encyclop. d. Pädagogik. S. 226. Die
ältere Literatur ſiehe in Niemeyer's Grundſäßen der Erziehung 88. 463.
und 464., der ſich in den 88. 450.--483. ſehr eingehend über die verſchie-
denen Beziehungen ves Hofmeiſiers verbreitet.) Jn der Regel ſind es
jedoch Candidaten der Theologie und junge Geiſtliche, welche in den Beruf
eines Hoſmeiſters eintreten und ſo ſind do< wenigſtens die Bedingungen,
gegeben, unter welchen bei regem Streben und der Liebe zum Fache und
zu den Zöglingen Exfolge ſich ergeben können, wenn au jeder angehende
Hofmeiſter ſelbſt zuerſt noc< zu lernen hat. Gehen wir nun auf den
Gegenſtand ſelbſt ein und betrachten wir 1 das Verhältniß der Eltern
zum Hofmeiſter. Da haben wir 3) vor Allem die Frage aufzuwerfen :
Wen ſollen gewiſſenhafte Eltern zum Hofmeiſter wählen?
Als dem König Philipp von Macedonien ſein Sohn Alexander geboren
wurde, ſoll er dem Ariſtoteles geſchrieben haben: „J< thue dir zu
wiſſen, daß mir ein Sohn geboren worden iſt, und danke den Göitern für
diejes Geſchenk; indeß weniger, weil er geboren worden, als dafür, daß
er das Glü> hatte, zu deinen Lebzeiten geboren zu werden; denn ich hoffe,

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