504 Inſtinkt. =-- Intelleetnelle Bildung.
von Seite des Menſchen eine leichtere und ſremdartigere Entzündbarkeit ſity
irgend eine Seite jeines Inſtinktes gewonnen hat, der es nur unter dey
wiederkehrenden Umſtänden jedesmal ausgeſeßt bleibt!“ -- Für unſery
Zwe haben die voranſtehenden Bemerkungen die Bedeutung , die Jugend
hinſichtlich des Inſtinkte3 gehörig zu inſtruyiren. Der Lehrer kann vem Inſtinkte
jeinen ganzen Werth laſen, und ihm doch alles Menſchenartige abſprechen.
ES iſt vſt ein großer Mißbrauch , den man mit den inſtinktmäßigen Thä.
tigkeiten der Thiere treibt, indem man ſie in einer Weiſe anjtaunt und be:
urtheilt, als hingen ſie von der Freiheit und Geſchilichkeit des Thiere
ab , ſtatt daß man die WeisSheit und Macht des Schöpfers lobte , welcher
einzelnen Thiergattungen einen Inſtinkt gegeben hat, der eines bewunde-
rungswäürdigen Reizes fähig iſt. Dem Lehrer wird daher anliegen , ſeine
Schüler über die ( meiſt hö<ſt raffinirte ) Weiſe der Thierdreſſur zu be:
lehren , woraus ſim dunn von ſelbſt das rechte Urtheil über den Inſtink
der Thiere bilden wird.
Iuſtitute der Erziehung, |. Anſtalten der Erziehung, Bildungsanſtalten,
Erziehung, häusliche, Venſionate.
Intellectnelle Bildung. Ihr Begriff iſt bereits in vem Artikel „Bildung“
dargelegt worden , und es handelt ſic) daher jeht darum / den Umfang
und die Weiſe verſelben in's Auge zu faſſen. --- Daß ſie das geſammte |
Erkenntnißvermögen , alle einzelnen Anlagen deſſelben , d. i. das Anſchau: '
ungsvermögen , die Cinhildungskraſt und das Gedächtniß, den Verſtand |
und die Vernunſt zu berüſichtigen habe, braucht nicht weitläufiger darge:
than zu werden. Eben ſo wenig wird bemerkt werden dürſen, daß die in- |
tellectuelle Bildung eine genaue Bekanntſchaft mit der Natur ves
Geiſtes vorausſeht. Wir unterlaſſen es auch, die Wichtigkeit dieſex
Bildung auseinanderzuſeßen , da ſie ſic< von ſelbſt verſteht. Nur vem
ZErthume muß im Voraus begegnet werden, als beſtehe die intellectuelle
Bildung in der Anfüllung des Kopfes mit allerlei Kenntniſſen ; denn es iſt
ſonnenklar , daß auch bei vielem Wiſſen nicht zugleich viel Verſtand und
Gewandtheit im Denken ſich findet. Mit Recht fragt daher ſhon Milde:
„Hängt die Bildung des Kopfes bloß von der Quantität der vorhandenen
Vorſtellungen oder von der inneren Thätigkeit des Geiſtes ab ? Beſtehen die
Operationen des Geiſtes bloß in dem Auffaſſen und Behalten gegebener
Vorſtellungen ? Das Auffaſſen iſt zwar der Zeit nach die erſte, aber iſt
dajjelbe auch die einzige oder die Hauptoperation des menſchlichen Geiſtes ?
Durc< das Vordyociren werden dem Zöglinge zwar Vorſtellungen mitge-
eilt, wird er aber dadurch auch fähig gemacht werden, fich ſelbſt Vor:
ſtellungen zu bilden , dieſelben zu vergleichen , zu verbinden , zu ordnen, zu
veurtheilen , anzuwenden 1. dgl. ? Iſt es nicht wichtig, daß der Zögling
nicht bloß auffaſſe und nachbete , was man ihm vorſagt, ſondern ſel bf
denten, prüfen und urtheilen lerne 2c. ?“ Was alſo den Umfang ver in- -
tellectuellen Bildung betriſſt, ſo darf man ihn nicht in das Viele und Vie- -
lerlei von Kenntnijjen jeßen, ſondern a) in die Erregung und Leitung aller |
Erkenntnißkräſte , b) in die Erwerbung jener Kenntniſſe, welche den
Geiſt zur Selbſtthätigkeit befähigen und die Grundlage aller weitern und |
Selbſt - Bildung ausmachen. Wenige Lernzweige gründlih und um- -
fänglich ſich angeeignet , erleichtern die Aneignung anderer Kenntniſſe und
führen den Geiſt in feiner Bildung weiter, als vielerlei nur oberflächlich |
erworbene Kenntniſſe. Man kann nicht genug vor der Veberſpannung die: |
jes materiellen Theil8 der intellectuellen Bildung warnen. Was ſodann
die andere Seite dieſer Bildung betrifft, nämlich die formale, ſo muß auch -

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