56 Freimüthigfeit.
zur Trägheit auſrecht zu erhalten, die Zeit der Vergnügungen, um der
Zerſtreuungs - und Pußſucht zu wehren. Selbſtverſtändlich wird der Zög-
ling den Werth und die Nothwendigkeit dieſer Uebungen kennen lernen
müſſen, wenn ſie den beabſichtigten Erfolg haben ſollen. Jſt er davon
überzeugt, daß die Uebung des göttlichen Willens die Selbſtſtändigkeit und
Freiheit des eigenen Geiſtes erhöhe, dann wird vie Entwickelung ver leß-
ieren nicht jtille ſtehen können , ſondern bis zu ihrer Vollendung fortſchreiten.
Freiheit des Unterrichtes, 1, Unterrichtsfreiheit.
Freimüthigkeit. Unter Freimüthigkeit verſteht man jene Oſſenherzigkeit und
..F-

Auſrichtigkeit, welche ſich aus Beſorgniß von Nachtheilen nicht abhalten läßt, ihre
Veberzeugung gerade und verſtändlich auszuſprechen. “Die Erziehung darf dieſe |
Charattertugend nicht vernachläßigen. Sie iſt für ven Chriſten wie für ,
den Bürger gleich nothwendig. Sie ziert den Lehrer wie die Schüler.
Wer ſie beſißzt, wird nicht ſv ſeige ſein und ſich 3. B. ſcheuen, vox Anders-
gläubigen das Kreuz zu machen. Sie iſt eine nothwendige Folge ver Bil-
DUNG zur Freiheit. = Die Kinder müſſen gewöhnt werden , offen , wahr-
vajtig, aufrichtig zu ſein. Man darf e8 nicht dahin kommen latjen, daß
eine inechtij lung an ihre Neden und ihr Thun hängt. Das Kind muß ſich ſeinem
Schullehrer gegenüber ohne Rückſicht äußern vürſen. (Es darf nicht bei je-
der Frage ängſtlich ſich beſinnen, ob es ſv reden dürfe, wie es denkt und
Meint, oder ob es ſeine Ueberzeugung und die Wahrheit mit einem falſchen
Sceine umkleiden müſſe. Aber wie wird es zur Freimüthigkeit
erzogen? Wir jtellen für dieſe Seite des Erziehungsgeſchäftes folgende
Regeln auf: 1) Der den Worten ausgedrüät: „Wer mich vor den Menſchen bekennt,
den werde ich auch vor meinem himmliſchen Vater bekennen.
Cure Rede ſei: Ja, [vo iſt e8; oder: Nein, ſo iſt e8 nicht.“ Wer
gewöhnt iſt, in vas Bekenntniß de8 Glaubens ſeine Ehre zu ſeßen, der iſt
Überhaupt daran gewöhnt, nicht zurückzuhalten, wo e8 die Achtung vor ſich
jelbſt und der Wahrheit fordert , ſeine Veberzengung kund zu geben.
Die religibſe Freimüthigkeit iſt die Mutter aller wahren Freimüthigkeit,
denn da jie der höchſte Grad des Freimuthes iſt, ſo begreift ſie unter jich
alle niederen Grade deſſelben. Will inan jonac< im Allgemeinen den Muth
jür das Belenntniß ſeiner Ueberzeugung ſtählen, ſo muß man mit dem
Bekenntniſſe feiner religiöſen Veberzeugung anfangen. Da dieſes Bekennt-
niß jelbſt bei der Gefahr, das Leben zu verlieren, erfolgen ſoll, ſo wird
der Menj<, welcher ſich zu demſelben iroßg dieſer Geſahr verſteht, ſich noch viel
leichter zur Oſjenbarung ſeiner ſonſtigen Veberzeugungen hergeben, wo die
Gefahr weit geringer ijt. Ein anderer Vortheil, der mit diejem Berfahren
zujammenhängt , beſteht darin, daß e3 der Freimüthigkeit ein edles, wür-
diges Gepräge aufdrüt und von ihr ferne hält, was ſie abſtoßend und wider-
wärtig macht, nämlich die Ke>heit und ven Troß. Zſt man im Befennt-
nijje ver Religion und im Sinne der Religion freimlthig, dann darf eine
AuZartung der Freimüthigkeit nicht gefürchtet werden , während es nur zU
gewiß iſt, daß eine Freimüthigkeit, welche nicht auf dem Grunde ver Reli-
gion ruht, ſehr leicht unangenehme und häßliche Formen annimmt. 2) Es
muß den Kindern zur Ueberzeugung gebracht werden, daß ſie mit der Frei-
müthigfeit bei dem Erzieher nicht anſtoßen und daß ſie ſelbſt auf die Ge-
jahr hin anzuſtoßen, voch nicht laſſen ſollen von diejem jo adelnden Zuge
des Charaftiers. In dieſer Anſchauung müſſen ſie aus dem Grunde ge:
Abt werden, damit ſie das, was bei ven meiſten Menſchen ein Hinderniß

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