Frühreife, 75
Unterrichtes und der Erziehung fein, die Kinder in Beziehung auf das
Frühaufſtehen zu belehren, und wo es immer fein kann, vahin zu wirken,
daß die Kinver ſich daran gewöhnen.
Frühreife. Die GEntwi&elung des Körpers und Geiſtes geſchieht nach
Gejehen, die der Schöpfer in das Weſen des Menſchen gelegt hat. Alle
erziehlihe Gimwirkung durch die Eltern und Erzieher muß dieſe Ge-
jede berücſichtigen und denſelben gemäß ſein. Jndeſſen iſt damit nicht
gejagt, daß alle Kinder gleichen Schritt in der Ausbildung halten mühen.
Wie jedes Kind ein Individuum iſt und daher die natürlichen Anlagen
nac< Maß und Richtung verſchieden ſind, jo mannigfach ſind auch die
häuslichen. und öffentlichen Einflüſſe auf das Kind; beiderlei Verhyältni)je
bedingen aber eine frühere oder ſpätere Entwickelung des Kindes 190-
wohl au ſich, als auch in Bezug auf Begriffe und Kenntniſſe. „Ein Kind,“
jagt Refewiß, „das in gebildeter und geſitteter Geſellſchaft lebt, wird
ohne eigentlichen poſitiven Unterricht früher gebildet, als ein anderes.“
(Campe, allgem. Reviſion d. geſ., Schul- und Erziehungs8-Weſens, Y. Theil.
S. 83.) Aber darum liegt hierin noh keine Frühreife. Wie in der
ganzen Natur das Geſetz der Freiheit waltet und in dem Leben der Weſen
Einheit und Mannigfaltigkeit ſich kund gibt warum ſollte es hier allein
nicht 1v fein? Frühreife in ver Entwikelung und Bildung des Men-
jhen entſteht aber, wenn man ſich von der Natur lo8ſagt und ihren
Geſehen Zwang anthut, um längſt vor der Zeit gewiſſe Früchte oder
doch den S liche vder geiſtige oder eine körperliche und geiſtige ſein. (Campe,
Reviſion8-Werkt, V. Theil. S. 86.) unterſcheidet bezüglich der geiſtigen Früh-
reiſe eine „geſellſchaftliche,“ eine literariſ [ih e.“ Man kann die Frühreife aber auch eintheilen in eine jolche, die
vorzugöweije entweder im Erkenutnißvermögen, oder im Gefühl-
vder Begehrungsvermögen vder überhaupt bewirkt wird. Jede
Art von Frühreife übt aber den gefährlichſten Rückſchlag auf das zu er- .
ziehende Individuum aus. Es ſei hier geſtattet, einige Urtheile der. Schul-
männer aits der früheren und ſpäteren Zeit hier wiederzugeben ;
ſie dürſten dazu dienen, nicht allein auf das reiche Material Über dieſen
Gegenſtand aufmerkjam zu machen, jondern auch die verſchiedenen Arten
der Frühreife, ſowie ihre Nachtheile kennen zu lernen. -- „Die Natur will,
daß Kinder zuerſt Kinder fein jollen , ehe fie Männer werden. Kehren
wir dieſe Ordnung um, ſo bringen wir frühzeitige Früchte hervor, die we-
der Reiſe no< Geſ haben und ſehr bald verderben.“ (Ronſſeau
Emil ; Reviſion38-Wert. X11, -- JXI1Y. Theil). -- „Das Vorurtheil , die
Kinder, die kaum vernehmlich jprehen konnten, den Schulen
übergeben zu müſſen, hat dieſe veranlaßt, eine Menge von Unterricht8ma-
terial auſzunehmen, das auch nicht im Mindeſten im wahren Verhältniſſe
zu dem Faſſungsvermögen der Kinder ſtand. Gehäufter Unterricht im
gewöhnlichen Sinne iſt ſogar in den früheſten Jahren gerade das
untauglichſte Mittel, das Erkenntnißvermögen der Kinder zu hilden. Es
hat fehr oft eine unglüliche Früh reiſe zur Folge, die faſt immer durc<
nachmaliges Zurü&>bleiben gebüßt wird.“ (Niemeyer, Grundſäße
der Erziehung und des Unterrichtes. 1 Theil. S. 92-93.) -- „Jemand
behauptete, er jei unglüdlich geboren, denn --- als er jung geweſen, habe
ex ſ das Wort allein bekommen. So ſpielen, ſo ſpazieren, ſo plaudern , ſo
trinken unſere Knaben mit uns , thun Alles mit Abſicht, buhlen um Bei-
fall , kokettiren bei Tanz mit den kleinen Dirnen u. |, w, (Arndt, Frag-

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