Leſeunterricht in der Volkſchule, 175
exmüvden darf; denn immer no< wird es zu verbeſſern und zu tadeln
geben , namentlich bei den Shwächern , vie bei diejer Uebung beſonders zu
berüdnchtigen ſind. =- Erlauben es Zeit und Umſtände, ſo können kleinere
Erzählungen oder einzelne Theile auswendig gelernt und wieder frei vor-
getvagen werden, was neben dem Vorleſen von Seiten des Lehrers ein
Mittel zur Förderung eines ausdrucksvollen Leſens iſt. Das Meiſte von
dem Gejagten wird auch in der Mittel-, vielleicht theilweiſe noch in der
Oberklaſſe ſeine Anwendung finden. Doch dürſte es genügen, wenn mir
ein tleiner Theil des Leſeſtü>es , etwa am Ende der Leſeſtunde, ſilbenweite
nach obiger Angabe geleſen wird. Es wird dieſes wegen der Silbentrennung
und auch der ſchwäc einer zahlreihen Schule auch beim beſten Willen des Lehrers in einer Lejſe-
ſtunde nicht alle Schüler an die Lektion kommen können. Ein Mittel gegen
das Ueherſpringen der Saßzeihen und das ſc woran die Kinder nicht ſelten ihre Freude finden, iſt das Zählen bei den
Saßzeichen. Beim Beiſtriche wird ein8, zwei, beim Punkte eins, zwei,
drei, vier, bei jedem andern Zeichen eins, zwei, drei gezählt. Wir
finden es geeigneter, beim Beiſtriche eins, zwei, ſtatt nur eins zählen
zu laſſen, weil häufig eins mit der leßten Silbe des Leſenden zuſammen:
fällt, was dann jede3mal zu einer kleinen Störung Anlaß gibt. Dieſes
Zählen geſchieht durch einen Schüler. Es wird kaum zu bemerken nöthig
jein , - daß die Saßzeichen nicht bloß Saßpanſen und Trennungszeichen,
ſondern auch Saßtonzeichen ſind , woranf die Schüler fortwährend aufmerk:
ſam zu machen ſind. Dem ansdru&>svollen Leſen liegt das Verſtänvniß
ves Leſeſtüc>es zu Grunde, und jenes wie dieſes wird hauptſächlich durc
gutes Vorlejen erzielt. Wie aber Vorleſen nicht immer hinreicht, um das
Verſtändniß zu erſchließen, ſo reicht daſſelbe auch nicht immer aus, den
Schüler zur richtigen Betomung zu leiten, und nicht ſelten verfehlen ſich
die Schüler gegen den richtigen Ton noch in ſol ihnen vollkommen erſchloſſen iſt. Oft hilft hier eine einfache Frage nach
vem faljch betonten Saßgliede oder nach dem Gegentheil des Ausdruckes.
Manchmal geſchicht es, daß ein Schüler auf ganz werthloſe Saßtheile den
Hauption legt. Er wird in dieſem Falle auf den Unwerth des betonten
Gliedes aufmerkſam gemacht und ihm gezeigt, daß durch Wegfallen des-
ſelben dem Gedanken gar fein oder nur unbedeutender Eintrag getchieht.
Wir geben zwei auffallende Beiſpiele: „Er aber trug das Fetter und das
Mejſer in der Hand. Die Juden mußten mit den Waſſen in der Hand
arbeiten.“ (Es beſtehen Regeln, welche den Ton bezeichnen, den die Stimme
bei den verſchiedenen Unterſcheidungszeichen anzuſchlagen hat. Wenn auch
derartige Regeln nach unferm Dafürhalten fir das praktiſche Untervichts-
weſen nur geringen Werth haben, ſo kann man den Schülern doch gelegent:
lich jagen, daß ſich die Stimme beim Beiſtrich ein wenig, beim Fragezeichen
ſtark hebt, beim Punkt fenkt u. |. w. Hanptregel für die Betonung und
den AnsdruFC wird aber immer bleiben : Betone und ſteige und falle mit
ver Stimme ſo, wie du dieſes im freien Sprechen und in der freien Rede
thuſt ! Cin weiteres Mittel , die Kinder zum Treffen des natürlichen Tones
und des richtigen Ausdruckes zu bringen, iſt die Geſprächsweije, Manche
Geſchichte aus der Bibel, 3. B. „Jakob außer dem väterlichen Haufe ,“
viele Erzählungen, wie: „die Rache des Redlichen,“ „Schaden der Unwiſſen-
heit ;““ manche Gedichte, z. B. „der Verſer und ſeine drei Söhne“ von
Lic mann u. a. laſſen fich entweder ganz oder theilweiſe hierzu benüßen.
„Beim Lejen von Gedichten verwende der Lehrer beſondern Fleiß varauſ,
daß die Kinder nicht um des Reimes willen in falſ

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