180 Liebe , heilige.
heilige Schrift drüct dieſe Manifeſtationen ver Liebe kurz in den Worten
aus: „Wer meine Gebote hat und ſie hält, der iſt's, der mich liebt.“
Joh. 14, 21. Je freier dieſe Liebe von egoiſtiſ kommener iſt ſie. In Gott müſſen wir auch unſere Mitmenjc und nur imſoferne die Nächſtenliebe in Gott wurzelt und auf ihn ſich zu-
rüdbezieht , kann ſie eine heilige, hriſtlihe genannt werden. Goit iſt ihr
das Jdeal für die Liebe des Nächſten. Zu Gott aufſchauend, weiß ſie erſt,
was es heiße, den Nebenmenſhen zu lieben. In Gott findet fie allein den
unwiderſtehlichen Antrieb zur Liebe der Brüder. In ihm fühlt ſie ſich
gedrungen , an dem Nebenmenſchen zu thun, wie Gott an ihr gethan hat;
in ihm fühlt ſie ſich auch ſtark genug, ſelbſt die Feinde zu lieben. Jhr gilt
das Wort : „Liebet einander , wie ich euch geliebt habe.“ Matth. 5, 48. Joh.
13, 34. Ein Beiſpiel dieſer opferwilligen, Chriſto nachgebildeten Nächſten-
liebe gab der heilige Paulus, der ſeine Kräfte im Dienſte der Brüder
verzehrt und jelbſt die Verwerfung ſich gefallen ließe, wenn ex dadurch die
Iuden von ihrer Verblendung befreien und vom Untergange retten könnte.
-- Dieſe heilige Liebe iſt um ſo weſentlicher, al8 e3 ohne ſie gar keine
Tugend gibt; denn jede Tugend, deren Motiv nicht die Liebe iſt, hat wohl
ven Schein, aber nicht das Wejen der Tugend. Außerdem dürfen wir
nur die Grundjäße im's Auge faſſen, um die Würde, die Schönheit und
Weſentlichkeit der heiligen Liebe zu begreifen. --- Jhr ſteht die unheilige
und rein natürliche Liebe gegenüber , jene als ein Vergehen, dieſe als
etwas Mangelhaftes. --- De3 Lehrers (beſonders des geiſtlichen) Aufgabe
ijt es, das zwiefa Schüler zu ſchreiben. Sie jollen Gott und den Nächſten wahrhaft lieben
lernen. Zu dieſem Behupe iſt nothwendig: 1) daß ſie die Vollkommenheiten
Gottes möglichſt genau und in3bejondere von jener Seite aus kennen, von
welcher ſie jich in ihrer ganzen Größe und Liebenswürdigkeit darſtellen, ſo
daß die Zöglinge zu dem Ausrufe kommen : „Wie gut iſt es, o Gott, daß
du biſt! Wie ſreue ich mich deines Daſeins und deiner Herrlichkeit! Alles
iſt an dir ſchön, groß und liebenswürdig, ja, du biſt unendlich ſchöner,
größer und liebenSwürdiger, als ich es fühlen und denken kann. 2) Zur
Pflege wahrer Gottes- und Nächſtenliebe iſt nothwendig, daß die Schüler
eine tUlare und umſtändliche Vorſtellung von der Liebe Gottes zu den
Menſchen bekommen. Da es der Liebe in hohem Grade eigen iſt, Gegen-
liebe zu erweden, jo wird man bei den Schülern die Liebe zu Gott in dem
Maße finden, in welchem ſie ſich ſelbſt von Gott geliebt wiſſen. Ein Kind
wird nicht ausrufen können: „Wie lieb haſt du uns, o Gott!“ ohne tief
im Herzen reiche Gegenliebe zu empfinden. Die Lehrweiſe Jeſu aber zeigt
dem Lehrer den Weg, auf welchem er eine gründliche Erkenntniß der Liebe
Gottes zu uns in der Seele ſeiner Schüler zu Stande bringen kann.
3) Doch liegt nicht alles an einem erſchöpfenden und tiefgehenden Unter-
richte. Die Liebe iſt, wie jede andere Tugend , nicht einzig und allein des
Menſchen Werk, jondern auch das Werk dex Gnade. Wer demnach die
Liebe zu Gott pflanzen will , muß um die Gnade dazu bitten lehren. Man
muß ſie mit den Schülern (was übrigens häufig verſäumt wird) öfter exr-
weden, eine Uebung, die ſie ſich um ſo geneigter gefallen laſſen, als ſie
ein angenehmes Gefühl in ihnen hervorruft. Es braucht aber dieſe Uebung
nicht innerhalb einer und derſelben Formel ſich zu bewegen ; ſie kann ſich
auc< an Kulthandlungen (Gloria, Benedictus, Alleluja , Magnificat 2x.)
oder an andere Unterricht8gegenſtände (Naturgeſchichte , Naturlehre, Exr-
zählungen 2.) anſchließen. 4) Recht hat Barthel, wenn er (in ſeiner
Schulpädagogik) ſagt: „Willſt du, o Lehrer, haben, daß dein Zögling Gott
und Menſchen liebe , jo beweiſe du ihm zuerſt ſelbſt Liebe; die Liebe ſei det

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.