300 Milde , Vincenz ECdyard,
Mienen, |. Geberden.
Milde, Vincenz Eduard, wurde am 17. Mai 1777 zu Brünn ge: ,
boren und vollendete daſelbſt ſeine Gymnaſialſtudien, während er den Curjug |
der Philoſophie zu Wien und Olmüß dur iPaſtlihen und mathematiſchen Fächern hatte er ſich ſo vortheilhaft aus:
gezeichnet, daß er aufgeſordert wurde, ſich um eine Profeſſur an der Wiener
Zngenteur-Akademie zu bewerben. Allein ſeine Abſichten waren der Theo-
logie zugewendet, und er behauptete dieſen ſeinen Willen ſelbſt gegen die
Borſtelluyngen ſeines Stiefvater8. Der Erfolg zeigte, daß ex hierin einem.
Zuge von oben gefolgt war. Mit jeinem Vorhaben, Prieſter zu werden,
wandte ex ſich nun nac< Wien, wo er auf ſeine vorzüglichen Zeugniſſe hin
in das theologiſche Alumnat aufgenommen wurde. Ex betrat daſjelbe, oh.
wohl fränktlih, mit dem feſten Entſhluſſe, ſich gründlich ſeinen Berufs:
ſtudien zu widmen, in denen ex wirklich jo rühmliche Fortſchritte machte, daß
er j Sprachen beſtellt wurde. Im Jahre 1800 zum Prieſter geweiht, bekleidete
er jicnell nach einander mehrere Stellen als Religionslehrer , und wurde
1805 zum Brojeſſor der Erziehungskunde an der Wiener Univerſität ernannt,
Allein im Jahre 1810 mußte er um Enthebung von dieſer Stelle nachſuchen,
da jeine j länger zu tragen vermochte. Er bezog darauf die Pfarrei Wolfpaſſing,
jpäter die Stadtpfarrei zu Krems. Die Muße, die ihm von ſeinen ſeel:
jorgerlichen Geſchäften übrig blieb, benüßte er, um ſeine Studien fortzu:
jehen. Die Frucht derſelben iſt das bekannte Lehrbuch dex allgemeinen
Crziehungskunde zum Gebrauche der Bffentlichen Vorleſungen, 2 Thle,
Wien, 1811---13. Dajſjelbe erſchien 1829 in 2. und 1843 in 3. Auflage,
Auch wurde 1821 ein Auszug davon in die Oeffentlichkeit gegeben. Bei
jeinem erſten Erſcheinen zog es die Aufmerkſamkeit in ſolchem Grade auf
ſim, daß es in Oeſterreich als Lehrbuch für alle Vorleſungen über Päda-
gogit vorgeſchrieben wurde. Für die vamalige Zeit gehörte es auch in der
That zu dem Brauchbarſten in dieſem Fache, ins8beſondere von katholiſcher
Seite. „Denn die Katholiken beſaßen zwar -- wie der Verfaſſer (Vorrede
S. XA1. erſter AuSgabe) ſelbſt jagt, --- viele gründliche Schriften über ein:
zelne Zweige der Erziehung, namentlich über die Methodik, aber kein voll:
ſtändiges jyſtematijches Werk, welches auc< auf die neueren Entde>ungen
in der Pjychologie und auf die neueren Vorſchläge in der Erziehungskunde
Rückſicht genommen hätte.“ Dieſem Mangel ſuchte Mil de abzuhelfen und
Wurde dabei von der weiteren Abſicht geleitet, der oberflächlichen Räſonnix:
and Reſormirjucht, womit zu ſeiner Zeit ſelbſt niedere Stände ſich für be-
rechtigt und befähigt hielten, die Weije und Geſeße der Erziehung zu regeln,
mit - Entſchiedenheit entgegenzutreten. Seine Aufgabe war keine leichte,
denn er hatte es mit einer ganzen Welt voll Widerſprüche zu thun, mit
einer Welt, welcher nichts [o gut war, daß Einige es nicht verbeſſern wollten,
und nichts jo j der Cine empfiehlt, verwirft der Andere, und die große Menge ſich wider:
jprechender Vorſchläge macht niht nur die Wahl, ſondern ſogar die Kennt:
niß derſelben zu einer ſchwierigen Aufgabe.“ (A. a. O.) Milde glaubte
am gründlihjten zu verfahren, wenn er feine Erziehungskunde auf die Pſy.
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die Cultur der phyſiſchen und intellectuellen Anlagen, im zweiten Theile
die Cultur des Geſühls- und Begehrung8vermögens. Es iſt vielleicht mit
Rücdſicht auf jeine Zeit, die es nicht ertragen konnte, geſchehen, daß ex die
fatholij<-Fir rücſichtigte, Dagegen war er ſorgfältig bemüht , die einſchlägige Literatyt

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