Muſik, 337
faſt ganz in italieniſchem Style, Wie Jtalien , beſonders dem lyriſchen
Glemente huldigend, vorzugsweiſs dem ſinnlichen melodiſchen Principe und
der virtuoſenmäßigen Ausbildung des Geſanges ſich zuneigte, ſo bevorzugte
Deutſchland namentlich die Harmonie , die kunſtvolle Vielſtimmigkeit , in
welcher der tiefe Geiſt deutſcher Muſe wie im Sphärenklang erſcheinen
ſollte, während Frankreich hauptſächlih das dramatiſche Moment zur Gel-
tung brachte. Je verſchiedener dieſe Richtungen aber waren, um ſo unvoll-
fommener mußten auch die Produkte einer einſeitigen ſtarren Hingebung
an fie werden. Daneben war die Behaudlung der Inſtrumente noh ſehr
mangelhaft? und e3 bedurfte in der That großer Genies, um hier richtig
zu trennen, zu einen und zu vertheilen. Solche erſtanden denn auch auf
deutſchem Boden. Nitter von Glu>, geb, 1714 in der Pfalz, + 1787
zu Wien, war der erſte, welc indem er in genialey Weiſe den deutſchen und ſranzöſiſchen Styl zu ver-'
binden juchte, und die Inſtrumente in ganz neu. r Weiſe zur Verwendung
brachte. Durch ſeine Opern Orfeo, Alceſte, Elena e Paride, beſonders
aber durch jeine beiden Jphigenien itberragte er alle biöherigen Meiſter
auf dem Felde der Oper: und wurde ſv bahnbrechend für Haydn und
Mozart. J. Haydn, geb. 1732 zu Rohrau in Niederöſterreich , + 1809
zu Wien, glänzt hauptſächlich durch ſeine beiven Hauptwerke „die Schöpfung“
und die „Jahreszeiten.“ Er iſt es auch , welcher der großen Symphonie
ihre Form gegeben und die ſchönſte Gattung von Kammermuſik, „das
Quartett,“ geſchaffen hat, Mozart, geb. 1756 zu Salzburg, + 1791 zu
Wien , war ein ungeheures muſikaliſches Genie und hat überall Großes
geleiſtet, unübertroffen ſteht er in ſeinen Opern da. Eingeleitet hat Mozart
eine Glanzperiode ſchon als Kind, ſpäter aber mit der Oper „Jdomeneo“
und beſchloffen mit dem unſterblichen Requiem. Neben ſeiner großen
' Thöpferiſchen Kraft iſt namentlich die geniale Behandlung und Verwendung
der Zuſtrumente dei ihm bewundernswürdig. Dieſe Periode verdient mit
Recht den Namen des goldenen Zeitalters, zumal da ſie durch einen Manu
beſchloſſen wurde, wie Louis von Beethoven, geb. 1770 zu Bonn,
tf 1827 zu Wien. Im Style der eigenthümlichſte, aber von allen Deutſchen
wohl der deutſcheſte Componiſt, ragt Beethoven vorzüglich durc< ſeine ſym-
phonijchen Tondichiungen (Sonaten , Quartette und Symphonien) durch
die Tiefe und Großartigkeit der Gedanfen und durch die Inſtrumentation
hervor, welcher er die höchſte Vollendung gegeben hat. Der claſſiſchen
Schule, welche in den leßtern Tondichtern ihre Hauptvertreter fand, folgte
- die romantiſche, von welcher, obwohl viele Namen berührt werden dürften,
der Kürze wegen nur zwei Männer angeführt werden. Es ſind dies
C. M. v. Weber, geb. 1786 zu Eutin, | 1826 zu Loudon, und F. Men-
delsjohn-Barthold-y, geb. 1809 zu Homburg, + 1847 zu Leipzig.
Unter den neueſten großen Componiſten ſtehen wieder nebſt Auber,
- geb. 1784 zu Caen in Frankreich, die Deutſchen Meyerbeer, geb. 1794
| zu Berlin, | 1864 daſelbſt, übrigens der franzöſiſchen Richtung angehörig,
. und Richard Wagner, geb. 1813 zu Leipzig, obenan. Richard Wagner

hat eine eigene Richtung eingeſchlagen , die unter dem Namen „Zukunfts-
muſik“ befannt iſt, und allerdings viele Anhänger, aber auch viele Gegner
hat, weßhalb zur Bildung eines richtigen Urtheils wohl auch die Zukunft
abgewartet werden muß. Daß in der allerneueſten Zeit in der Muſik eine
Verflachung gegenüber der romantiſ Muſik eines Haydn, Clementi , Mozart und Beethoven eingetreten, macht
ich bejonders in der muſikaliſchen Literatur für das Pianoforte bemerklich.
Es ſind oft die ſeichteſten Erzeugniſſe, mit denen gegenwärtig der Markt
überſ Gnchclopädie des Unterrichts2 und Erziehungöweſen, TIT, 59

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