340 Mutiren, -=- Muth, Demuth, Vertrauen.
jvll vas Mutiren bewerkſtelligt werden? Nicht ſelien geſchieht
es in einer Weiſe, daß es beſſer unterbliebe. Man vollzieht es zu raſch,
zu ſchroff, zu unvollſtändig. Vollzieht man es zu raj< , jo erzeugt man
unter dem Mutiren neuen Schweiß und ſekt ſich der Gefahr der Erkältung
aus ; nimmt man aus dem Schranke die nächſte beſte kalte und feuchte
Wäſche, jv iſt der Schaden augenſcheinlich; umimmt man alte, ſ Wäſche , ſv iſt eigentlich nicht mutirt worden, und vie Haut kommt mit
übeln Dünſten in Berührung ſtatt davon frei zu werden. Beim Muautiren
„darf weder eine zu ſchnelle noch zu grelle Abkühlung ver Haut eintreten;
man muß die mnureine, von Schweiß durchnäßte Wäſche mit reiner, weicher,
irodener und gut durchwärmter erſeken, nachvem man den Körper mit
einem Tuche leicht abgetrocnet hat. Iſt zu- befürchten, daß man ſich wäh:
rend des Mutirens erkälten könnte, jo wiclle man ſich lieber jo ein, daß
fein kalter Luſtzug beikommen kann, und warte mit vem Wechjel , bis der
Schweiß von felbſt nachläßt. Nach deim Mutiren iſi eine viertelſtündigqe
Ruhe des Körpers in angemeſſener Temperatur fehr zu empfehlen , weit
auch nam dem Mutiren bei geringer Bewegung der Schweiß leicht wieder
ausbricht, oder ſich fortſeht. Dieſe Regeln haben ihre Geltung bei Kindern
wie bei Erwach)enen. =-
Mutiren heißt man auch den Wechjel oder Uebergang ver Stimme
bei Knaben und Mädchen, welcher mit der Zeit der Pubertät zufammen-
irifft. Bei jenen geht die Discant- oder Altſtmune in Tenor vder Baß,
bei diejen überhaupt in eine krättigere Stimme über. ZIu dieſer Perivde
on eie Stimme möglichſt gej Werden, ---
Muth, Demuth, Vertrauen. kommen hier als Lehrertugenden in
Betracht. Unier Muth verſteht man das wohl überlegte und vernünſtige
Bertrauen auf jeine Kräfte zum Widerſtande gegen Gefahren und zur
Veberwindung von Hinderniſſen. Dieſes Vertrauen crlangt einen ſittlichen
Werth, wenn es ji vabei um die Eriüllung ver Pflicht handelt. Der
Lehrer beweiſt Muth, wenn er nicht zurückbebt vor den Schwierigkeiten,
die ſi) jeiner Wirkjamkeit enigegenſtellen. D.r muthige , Lehrer fühlt in
fich die Kraft zur Löſung feiner Aufgabe und will vieje Krait beihätigen,
vb er dabei den Menſchen gefalle oder nicht, wenn er nur ſeinem Gewiſſen
und den auſhabenden Verbindlichkeiten genügt. Er zeigt Muth, wenn ex
das Beagmtenkind wie das des Holzhackers behandelt , es ſtraft, wenn es
Strafe, tadelt, wenn es Tadel verdient ht. Er zeigt ferner Muth, wenn
mangelhafte Grfolge im Unterrichte oder in der Erziehung ſeinen Willen
und Cifer nicht lähmen, wenn er fortfährt, mit Gnergie und Freuvdigkeit
jeine Schuldigkeit und noZ mehr als dieſe zu ihun. Er zeigt weiterhin
Muth, wenn er, der verdienten Anerkennung «rmangelnd, nicht8deſtoweniger
das ihm anvertraute Amt mit Rührigfeit und Genauigkeit verwaltet. Muth
zeigt ex, wenn er auf Zucht und Ordnung dringt, obwohl er darüber Un-
annehmlichfeiten zu erfahren hat. Und --- hat er die Kraft, unwürdige
oder ungehörige Zumuthungen von was immer für einer Seite, zwar mit
Ruhe und in der rehten Form , aber mit Feſtigkeit und Entſchiedenheit
abzulehnen, oder den Vorgeſeßten über das, was ſie der Schule gegenüber
vergehen , angemeſſene Vorſtellungen zu machen , oder gegen ſcheeljüchtige
Amtsbrüder eine ungebeugte Thätigkeit und ungetrübie Heiterkeit zu be-
wahren, opder in öffentlichen Verſammlungen, bei Conſerenzen 20. , wo ein
deinen Ueberzeugungen entgegengeſeßter Geiſt herr!' hervortritt,
jene freimüthig auszuſprechen ,. jo zeigt er männlichen , fittlihen Muth.
Die beiven Stüßen ſeines Muthes aber ſind das Können und das

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