Overberg. - 325
hätte ahnen können, daß aus dem Jungen etwas Rechtes werde. Ex lernte
erſt im fünften Jahre laufen. Als er in vie Schult geſhi>t wurde, hatte
er bereit38 acht ABC-Bücher verarbeitet und konnte noch nicht lejen. Dies
mochte Niemanden mehr ſchmerzen, als ven Knaben ſelbſt, und ſicherlich jeufzte
er in feinem Innern um Hilfe und Gnade. Da ſtarb der Seelſorger des
Ortes und aus der ungeheuchelten Trauer um den ehrwürdigen Mann
mohte ihm die Erhabenheit und der Vorzug der prieſterlihen Würde ſo
recht zum Verſtändniß kommen. Und als nun die Glo>en dem Todten zum
Grabe läuteten, da läutete auch die Gnade Gotte3 in Bernards Herz und
er faßte den Entſ ic Vaſtor werden.“ Und der Herr erhörte vas Flehen des demüthigen
Geiſtes und Bernard lernte von da an zum Verwundern, ſo daß er ſogar
dem Lehrer beim Unterrichte der Kleineren beiſtehen konnie. Der Herr hatte
nun mit Bernard einen Bund geſchloſſen und Bernard blich feinem Gelöb-
niſſe treu. Die Eltern mochten wohl muthmaßen , daß etwas Beſonderes
in dem Herzen des ſtillen Kindes vorgefallen ſei, denn ſie erlaubten ihm zu
ſtudiren, obwohl fie ihn Anfangs zur Uebernahme der kleinen Krämerei be-
ſtimmt hatten. Ein Nachbargeiſtlicher qab Bernard den erſten lateiniſchen
Unterricht. Jm ſiebzehnten Jahre (1770) kam Bernard nac< Nheine in das
Dionyjianum, einer lateiniſchen Schule, welche die Väter FranziScaner
(Recollecten) beſorgten. Das Fürſtenthum Münſter beſaß damals in ſeinen
fleinexen Steidten eine Reihe latoiniſcher Schulen, die alle zu Klöſtern ge-
'*hörten und den Staat nicht, die Gemeinden wenig beläſtigten. So erhielt z.B.
jeder FranziScaner, der Unterricht extheilte, jährlich nur zehn Reichsthaler
von der Stadt zu Büchern, Licht 2c. und jeder Schüler zahlte drei Reichs-
thaler „Repetitionen“. Overberg lernte bei den guten Vätern fleißig. Im
erſten Jahre erhielt er jchon zwei Preiſe, obwohl ſein Unterricht gar dürftig
gewejen, wie fich bei der Aufnahmsprüfung hberausſtellte. Overberg war
aber auch jo eifrig, daß er eine Schelle in ſeinem Ziymmer aufhing und
jeden Abend eine Schuur zum Fenſter aus auf die Straße hinunterließ,
daß ein Taglöhner ihn weden konnte. Schon auf vem Gymnaſium hatte
er bejondere Freunde an der Mathematik. Nach vier Jahren waren ſeine
Studien in Rheine zum Abſchluß gebracht und er auf die Univerſität vor-
bereitet, die er denn auch in Münſter 1774 bezog. Die Väter Francis8caner
hatten ihn zwar beſtimmen wollen, in ihren Orden zu treten, aber Overberg
z0g den Weltprieſterſtand vor. In Münſter ſtudirte er zwei Jahre lang
Philojophie und zwar waren es unter den Schriſten der Alten beſonders
die Platon's, die ihn anzogen. Als er Lehrer geworden , geſtand er ſelbſt,
von Platon Vieles gelernt zu haben. So etwas kommt ſreilich bei unſeren
Philoſophie ſtudirenden Jünglingen nicht mehr vor. 1776 begann ex ſeine
theologiſchen Studien. Während ſeines Anfenthaltes in Münſter war er
Privatlehrer im Haufe des Hoſrath8 von Münſicrmann. E38 wäre intereſſant
zu wiſſen, ob er nicht auch als Gymnaſiaſt zu Rheine mit Unterricht ſich
beſchäftigte, wozu ihn ſcine nicht glänzenden Vermögensverhältniſſe vielleicht
veranlaßten. |
Cinmal unterrichtete ex in den Jerien im Hauſe ſeiner Mutter, die
indeß Wittive geworden, ein paar Nachbarskinder, die ihrex Ungeſchidlichkeit
wegen nicht zur heiligen Communion gelaſſen wurden. Nachdem er ſich ver-
gebens geplagt, denſelben den Katehi8Smus in den Kopf zu bringen, knüpfte
er jeinen Unterricht an den Faden der bibliſchen Geſchichte. Die Kinder,
welche biSher gar kein Verſtändniß zeigten, ſchienen wie zu erwachen und
4 Overberg hatte die Freude, ſie wohl vorbereitet am Ende der Ferien zum
Tiſche des Herrn gehen zu ſehen. Damit hatte Overberg aber auch eine
| Lehrerfahrung gemacht , an der er ſein ganzes Leben lang feſthielt. Wie

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