S4 Lyebenöbeſchreibungen, = Legende,
Charaktere hineinſtudiren, was ihm nur möglich iſt durch ſorgfältige Be-
nüßung guter Hilfsmitttel. Derlei Hilfsmittel ſind die bereits im Artikel:
Gej Schaffhauſen. Hurter. 3 Theile, Kirhengeſ von Stieſelhagen. 2 Bde. Freiburg. Herver 1 fl. 36 kr. In kürzerer
Form hat Hepp eine Kirhengeſchichte in Biographien gegeben, die für Lehrer
und Schüler ſehr brauchbar iſt. (Mainz. Kirchheim. 2 Bände. Preis 2 fl. 20 kr.)
Anlehnend an jolche Sammlungen iſt es auch dem Lehrer allein möglich, ein
geſchichtliches Ganzes den Kindern vorführen und darin zugleich das Walten
Der göttlichen Borjehung erblicken laſſen zu können. Daß natürlich die bihli-
j verſteht ſich von ſelbſt. Biographien ſind auch faſt das einzige Mittel zur
Belebung des vaterländiſchen Sinnes unter der Jugend, die in
ſteter Bewunderung groß erzogen werden muß. Dagegen iſt die aus-
führlihe Schilderung ſchlechter Charaktere, auch wenn dies mit dem Aus-
drucke des höchſten Abſcheues geſchicht, gänzlich zu vermeiden und nur in
allgemeinen Umriſjen die Nichtswürdigkeit anzudeuten; venn die Erfahrung
lehrt leider, daß das Sclechte oft tieferen Eindru& macht, als das Gute.
Die Biographien müſſen demnach vorzüglich die Schilderung der geiſtigen
Entwickelung mit der Darſtellung des äußeren Lebenswandels verbinven,
um jo zu Beurtheilung der Denkungs- und Handelsweiſe anzuleiten und
den allein richtigen Maßſtab zur Beurtheilung zu geben.
Lebenöſtufen , 1. Altersſinfen.
Legende. Unter Legende verſtand man urſprüngli das Buch, welches
die Summe deſſen umfaßte, was nicht nur durch das ganze Jahr hin dem
Volke öffentlich vorgeleſen, ſondern auch zu ſeiner häuslihen Erbauung
faſt einzig in die Hand gegeben ward (daher der Name 1egenda = was
gelejen werden ſoll). Und da dies inſonderheit Lebensbeſchreibungen der
Heiligen waren, anc< Allem , was man damals ſchrieb, der Tou der An-
dacht und des Wunderbaren anhing; fo iſt ver Name Legende vorzüglich
dex wunderbar frommen Erzählung, d. i. Lebensbeſchreibungen und
Geſchichten, die durch das, was Andacht vermöge, zur Nachfolge reizen
jollen , geblieben.“ (Herder.) Sehr viele von dieſen alten Legenden haben
hohen poetiſchen Werth, und waren dadurch von großer ſittlicher und re-
ligiöjer Bedeutung, daß ſie uns in ſchlichter und treuherziger Weiſe edle
und jür ihren Glauben begeiſterle Männer und Frauen im Kampfe für
die Wahrheit und gegen das Schlechte zeigen ; daß ſie uns zeigen, wie der
Menich, wenn ihn ſeine Ueberzeugung begeiſtert, wenn ihn rege Sehnſucht
nac) dem Ewigen, Göttlichen durchdringt, ſelbſt mit den beſchränkteſten
Mitteln , durch die bloße Kraft des Willuns und des Glaubens, Großes und
Bleibendes zu erringen im Stande iſt. Als Dichtungsart betrachtet, iſt die
Legende nur eine Nebenart der Erzählung, mit einem beſonderen Zwe&e und
einer beſonderen Nichtung. Es ſoll in ihr nämlich irgend eine fromme
Handlung oder eine auf Religion und Glauben ſich beziehenve Begebenheit
Dargeſtellt werden, die ſich wunderbar entwickelt und endet, Ihrem Ur-
ſprunge nach wird ihr Stoff meiſtens aus der vder Sage entnommen; doch können auch Bearbeitungen auderer Sagen
ſich zur Legende geſtalten, wenn ſie nur den Zwe> der Legende, fromme
Andacht und feurige Begeiſterung für religiöſes Leben , damit vereinigen.
Die Darſtellung muß ſchlicht, fromm und erhebend ſein. Der Bädagog kann von der Legende einen ſehr nüßlichen Gebrauch machen.
3nsbeſondere hat A. Pfiſter in ſeiner Kinderlegende (Freiburg 1864.
Herder. Preis 2 fl. 468 S, Mit 28 Holzſchnitten) gezeigt, wie die Legen-

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