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Unterſchiede, die am ſchwerſten zu bemerken ſind, zu entde>en, und daher
in ähnlichen Dingen Unterſchiede heraus8zufinden, die gewöhnlichen Geiſtes.
träten entgehen, weil ſie unter einer größern Menge der ähnlichen verhboy-
gen liegen, was Fries kurz ſo ausdrückt : „Scharfſinn iſt das Vermögen,
an jehy verwandt ſcheinenden Vorſtellungen bedeutende Unterſchiede zu ent:
veden.“ Der Schaärfſinun haftet am Verſtande, obwohl nicht jeder Verſtän:
vige zugleich Scharffinn beſibt. Dieſer Beſitz beruht auf einer eigeney
ichßpfertichen Begabung, die durch Uebung geſteigert werden kann. Alloy
Unirrricht zielt darauf ab, den Verſtand (die Urtheil8kraft) zu jchärfen, ohne
vaß die Abſicht dazu vorliegtz denn wer gründlich unterrichtet, ſeßt deny
Verſtand .des Zöglings in die Nothwendigkeit, vie Verſchiedenheiten ſchein-
bar gleichartiger Dinge aufzuſuchen, zu nrtheilen, Begriffe zu bilden, zu
ichließen , was alles den Verſtand zu ſchärfen geeignet iſt, doch keinesiwegs
das, was man unter Scharfſinn gewöhnlich verſteht, ohne jene Begabung
zu Stande bringen kaun, Hieraus erhellt, daß der Scharfſinn einer beſon:
pern Uebung nicht bedarf, da der geſammte Unterricht Stoff dazu bietet
Doc, wenn der Unterricht dieſen Zweck erreichen ſoll, dann darf er nicht
von ver Art jein, wie ihn manche Pädagogen venken, nämlich als ſolle dem
Kinde alle Bilditng ſpielend, ohne ſeine eigene Anſtrengung , zu Theil wer.
den. Gin» jolche Unterrichtsweiſe würde den Scharffinn wenig förvern
vielntehr ihn gar nicht, oder voch nicht ſo, wie e8 bei einem andern Ver:
tahren geſchehen könnte, zur Entwieklung kommen laſſen. Damit wolley
wir inveß nicht hehauptet haben, daß jedes Spiel zur Uebung des Scharſ-
finns, wie 3. B, Räthſel , unterbleiben ſoll: doch darf davon nur ein jehr
iparjamer Gebrauch gemacht werden, und zweckmäßiger bleibt es immer,
ben UnterrichtSttvif iv zu behandeln, daß der Schüler mit ver Auffaſſung
vettelben nicht zu leicht thut, ſondern bemüßiget iſt, ſeinen Verſtand iy
Tpäiigkeit zu ohen. Gleich die erſten Uehnngen des Anſchauungsunter:
richles ſind treffliche Uebungen ſür den Scharfſinn. Werden dieſelben --
wie es doch im Allgemeinen geſchieht =- ſinfenmäßig fortgeſeht, ſv wird
die Schule rückſichtlich der Bildung ve8 Scharfſinnes leiſten, was ſie leiſten
tann, vas Uebrige wird das Lehen mit feinen tauſendfachen Verwilungen
und Schwierigfriten thun, =- Ragt ein Schüler durch angebornen Schayſ-
ji veigübers hervor, fo wird er zu feiner Uebung ſchwierigere Aufgaben,
prop zwar dieſelben Aufgaben wie anvere Ehüler, aber genauer und aus:
aeproagtor ten miſe und auch wirklich löfen. Aus vieſer Löſung ſelbſt
"chließt man auf vie Stärke des Scharfſinns. Bei Kindern, welche einen
bebenteitten Grab von Scharſſinn an den Tag legen, hat man ſich in Acht
zu nenen, a) daß man ihnen keinen Stoff vorlegt, aus vem ſie zu falſchen
vert irrigen Enlüngen geführt werden fönnten, wie es bei ſo vielen natur:
fundlichen Gegenſtänden möglich iſt; vb) daß man in ſeinen eigenen Urihei:
ten und Eclüſſen genau und conſequont verfährt, um ſich keine Blöße zu
neben; €) daß man unrichtiae Anſchanungen , die - auch bei ſcharffinnigen
Kin eit mmieriaufen , berichtige. =-- Für ven Katecheten iſt es eine
Hanpfattigabe, ven religibien Scharfſinn, wenn wir uns ſo ausdrücen dir:
ie, zu weden. Wir verſtehn darmiuter nicht etwa die Gründlichkeit des,
Hnferrichis bbey der Crfkenntniß, im Gegenſaße zur Oberflächlichkeit , jon:
bern cis jolche Schärimitgq der religiöſen Erfeniutmiß, durch welche der Chriſt
in ec Cltätlid gejehßt wird, vom Feinde ſchnell ſeine Schwäche abzuſehen
ind void ichnell vie rochte Waffe für vie Wahrheit zu führen. Hiezu br
Patt es von Seite ves Katecheten wiederholter und ausvrüclicher Hinwei:
Amgt bara, wie man in diefent und jenem Falle ven Feinden des Glau-
dens (mtwvorie. Fragt man 3. B, die Kinder: Was würder ihr Jenem ex:
wicvern, der behauptete: durc< die Verehrung ver Heiligen ſ 1

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