| Schmeichelei, -=- Schmid, Chriſtoph. 953
daß gute Motive unterliegen, möglich auch, daß der Erzieher beſtochen
werden ſollte. Tritt dieſe letztere Abſicht zu Tage, ſs wird er ſie gehörig
a entlarven ſuchen und den Ziwe& der Shmeichelei vereiteln. Uebrigens
ſiny die Fälle dieſer Art doh nicht häufig. Weit häufiger kommen Fälle
der umgekehrten Art vor , indem nämlich die Erzieher den Zöglingen
ſchmeicheln. Eine Hauptklage unſerer Zeit richtet ſich gegen dieſen Fehler,
ver an die Stelle der heiligen Zucht getreten iſt. Man nimmt oft die Fehler
der Kinder gegen die Rügen des Geiſtlihen oder Lehrer38 in Schuß; man
geſtattet den lieben Kleinen oft, was man ihnen verjagen ſollte; man
i ihmeicleriſches Weſen hineingeführt und lernen, wie man Anderer Fehler
und Unarten Überfirniſfe. Dieſe Kinderſchmeichelei hat ein fehr entmerven-
des Element in die Erziehung geworfen und die Autorität der Erziehungs-
Factoren außerordentlich geſ weichlihen, falſ in die Erziehung gebracht werde. Al8 fehr verwerflich erſcheint e8, wenn Lehrer
einzelnen Kindern ſ und vornehmer Leute ſind. Nicht nur verliert er dadurch die Liebe der
übrigen Kinder, ſondern macht ſich zum Sklaven Derer, welchen er ſc delhaft begegnet. Den Kindern, die ſelbſt gerade und offen ſind, gefällt
die Geradheit und Offenheit des Lehrers ganz beſonders. Sie können ſich
den Lehrer nicht anders als gern und ehrlich denken. = Ein Lehrer, der
ſih gegen jeine Vorgeſeßten ſ dadurc<) jeine Schwäche und macht ſich bei ſeinen Neitbrüdern verdächtig.
Muß er ſich die Gunſt vurh Sc nicht im Stande, ſie durch ehrliche Mittel zu erwerben, oder er will auf
dieſen! Wege den Schirm ſuchen, welchen er gegen ſeine dienſtlichen und
außerdienſtlichen Mängel als Blendwerk vorhalten kann. Da die Sc Grunde verächtlich.
Schmid, Chriſtoph, der beliebteſte deutſche Jugendſchriftſteller, war der
Sohn eines Beamten des teutſchen Orden8 und wurde am 15, Anguſt
1768 in Dinkel5bühl, damals eine freie Neichsſtadt, geboren. Er kam
1783 an das Gymnaſium nach Dillingen und wurde Erzieher der Kinder
des geheimen Nath8 von Weber. 1787 wurde derfelbe in das Alunmat
auſgenommen und hörte hier auch den berühmten Sailer, den na ligen Biſchof von Negensburg, welcher an der theologiſchen Facultät in
Dillingen Profeſſor war. 1791 am 17. Anguſt wurde Chriſioph Schmid
Prieſter, und, nachdem er vier Jahre Hilfsprieſter geweſen, erhielt er ein
Sc imen Beſibthum. Hier war nun Schmid viele Jahre Lehrer und verfaßte
als erſtes Büchlein den „erſten Unterricht von Gott für die lieben
Kleinen,“ das er zwar nur für die Schule in Thannhauſen beſtimmt
hatte, das aber balv weite Verbreitung fand. Mit Sailex war Sc in ſteter Verbindung geblieben und jener ermunterte ihn auch, ſeine bibliſche
Geſchichte zu ſchreiben, welche eine ſo glänzende Aufnahme fand und den
Kindern bis auf den heutigen Tag ſo lieb geblieben iſt. In Thannhauſen
ſing er auch an, feine berühmten Erzählungen herauszugeben, welche, obgleich
Kinderſhriften, doch ebenſo auch die Erwachſenen feſſeln und wieder an
ihre Jugend erinnern; wenn man fie zehnmal geleſen hat, ſo greift man
doch wieder nach denſelben. 1804 ſollte er nach Dillingen als Profeſſor
der Paſtoral, aber ſeine ſ Rufe zu folgen. Als Thannhanfen bayeriſch wurde, wurde Schmid Scul-

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