Staad, == Städtiſche Erziehung, Gefahren derſelbe. . 403
reich, wo die Jugend in den königlichen Collegion in eine ſ Gottloſigkeit verſinkt und den Katholiken das Meſſer an den Hals geſeßt
wird. Der Staat hat jeine Nehte, aber er hat den und der Kirche gegenüber auch feine Pflichten. Wir verfümmern ihm die
erſtern niht; wir kämpſen aber dafür, daß er die leztern nicht verleße.
Städtiſche Erziehung, Gefahren derſelben. Jede Erziehung iſt gewiſſer*
maßen einjeitig, denn ſie iſt eine individuelle, welche abhängig iſt von hun-
dert bedeutenden und unbedeutenden Umſtänden, hauptſächlich von klimati-
ſchen, yolitiichen, kirchlichen, localen, Familien-, Standes: und Berufsverhält-
niſſen. Wie verſchieden iſt deßhalb auch der Charakier der einzelnen Volk3-
ſtämme. Der Strandbewohner nnd der Binnenländer , der Alpenbewohner
und der Flachländer, die Handel treibenden und die Ackerbau treibenden
Völker, ſie find nicht mir leicht zu erkennen , ſondern man findet oft bei
zwei gleich) gebildeten Perſonen den Bürger und den Edelmann heraus,
Allein dieſe Einjeitigkeiten ſind keine38wegs Gegenſätze und haben ihre Be-
rechtigung , aber die ſtädtiſche Erziehung und die ländliche ſind eigent»
liche Gegenſäße, weil die eine bietet, was die andere nicht bieten kann, und
vie eine Gefahren hat, welche die andere nicht kennt, die Gefahren der einen
auc< größer find, als die Gefahren der andern. Die ſtädtijche Erziehung
hat viele Bildungsmittel, die die ländliche nicht kennt; die Gefahr der
ländlichen Erziehung iſt ein gewijjer Mangel, die der ſtädtiſchen ein
Veberfluß von Erziehungsmomenten. Demungeachtet iſt die ſtädtiſche
Erziehung heutzutage gerade diejenige, welche die meiſten Nachtheile dar-
hietet, denn die Bildung hat ſich allen Schichten der Geſfellichaft mehr oder
weniger mitgetheilt und während die Gefahr durc< ländliche Erziehung
ſchiefe Aufſaſjungen zu erhalten, weniger allſeitig und weniger fein gebildet
zu werden, nicht mehr groß ijt, iſt dagegen die Verfeinerung und Ueber-
ſättigung der Stadterziehung eine immer mehr ſteigende. Es. iſt deßhalb
nicht unnüöthig, auf die Gefahren der ſtädtiſchen Erziehung hinzuweiſen,
und halten wir uns hier an das, was Dr. C. Kühner in ſeinen pädago»
giſchen Zeitfragen (Frankfurt a, M. 1853. Saucrländer. Preis 2 fl.) hier-
über ausgeſyrochen hat. „Wir wollen hier kein Gewicht darauf legen, daß
ein ſteinernev Wald mit Fenſtern und Thüren, todte Mauern mit einem
Abſtrakteuxr von Menſchen dahinter nicht der hoſte Elementarſtoff für die
Anſchammyseg des Kindes iſt, daß die übergroße Menge und Mannigfaltigkeit
verwirrt, daß das Kind nicht fertig mit Sehen wird, der Glanz und der Schim-
mer allſeitig die Neugierde reizt, ohne das Intereſſe dauernd zu feſſeln, daß
die Anſchanmgen daher mur matte und unklare Bilder zurülaſſen und
ſich beim Kinde die Gewohnheit bildet in der Betrachtung und in den Ge-
vanken oben hinzujireifen , viel zu ſehen ab2oy wenig zu denken und nichts
zu ſchaffen. Es iſt dies jedenfalls der geringſte Uebelſtand und kann, wie
Kühner auch richtig bemerkt, dadurch vermieden werden, daß man dem
Kinde ſehen hilft. Auch die ſittlichen Gefahren, die in den großen Städten
vrohen, drohen doch mehr den Erwachſenen und weniger den Kindern und
kann man auch auf dem Lande den Augen der Kinder nicht alles Nohe,
Gemeine und Schlechte entziehen. Dagegen liegt jedenfalls eine Gefahr
1) in dem Leben der Begebenheiten. Das Schlimme iſt hier, daß
die Ueberfülle der Erſcheinung nicht eine derſelben zu tieferer Wirkung
kommen läßt, daß Tragiſches und Komiſches, Elend und Ueppigkeit, Weinen-
und Lachen, Mitleid und Spott in raſcher Folge neden einander treten und
ſich wechjelweite verdrängen --- daß ein Bild, kaum abgeſchattet, ſchon wieder
in ein anderes verwiſcht, ein Affekt, kaum erregt, ſchon von einem andern
verdrängt wird. (Es iſt dieß jedenfalls nachtheilig für das Gemüth: des
26*

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.