Strafen 415
zn ſich und ſeinem fehlerhaften Wirken die Urſache zu ſuchen, warum ex
Strafe anwenden muß, und nicht ver Schüler, ſondeyn der Lehrer erſchiene
als ſtrafbar, wenn die Pobortretung eimes Verbotes oder die Nichtbeachtung
eines Gebotes auf den erſten Grund zurücgeſührt werden würde, : Das
Verhüten iſt aber ein mittelhares und ein unmittelbares. Un:
mittelbar wird der Lehrer viele Fehler ver Zöglinge verhüten durch ſtrenge
Ordnung und Pünktlickeit, durc Eingehen in die Gedankompelt des Zög>-
jing8, durch ſorgfältige Vorbereitung auf den Unterricht, wovrur Autmerkitamfeit des Schüler8 feſtgehalten werven kann, durc< milde und
gütige Behandlung gepaart mit würvevollem Ernſt, der den Züöglingen
Achtung vor der Perſönlichkeit des Lehrers und damit auch vor den Be-
fehlen teſielhen einfiößt. Witttelbax dagegen werden Strafen verhütet vurh
alle jene erzihriſchen Einwirkungen, durch welche von den früheſten Le-
henstacen an die Keime des Guten, GCdlen unv Sitltlichen in die Seele des
Kindes gelegt und die Ausbrüche der Sinnlichkeit und roher Leidenſchaften
unterdrückt werden. Und diefe Einwirkungen, ſie können nicht frühe genug
heginnen, denn wie Dr. Clemen ebenſo ſc<ön als richtig ſogt : „Die erſten
Lebensjahre ſind unbeſiritten für Bildung und Erziehung die wichtigſten des
ganzen Lebens. Wie viele vermeintlich angeborne Schwächen und Fehler
würden fich am Kinde gar nicht finden, wonn die Liebe mit treuer Sorge
und Selbſtverlätgnung über die geiſtige Eutwieklung des Kindes von ſeinen
erſten LebenSmonaten an unermüdlich gewacht hätte! Sein erſtes Lächeln,
vas dich entzückt, iſt es nicht ein Mahnruf, daß hier mehr iſt als Fleiſch
und Blut, daß eine unſterbliche Seeie aus ibrem Schlummer zum däm:
mernden Morgen erwacht iſt und deiner treueſten Pflogo hedarf, damit das
Göttliche jich lvöSringe aus den Banden des Fleiſches und in deinem Kinde
Geſtalt und Wacht gewinne 2?“ (Zwe> wund Anwendung der Etrafje in der
Erziebung. Neſorm, VI]. Band, 4. Heft. 1863.) Hat aber die Sorgfalt ves
Erziehers Vergehen nicht verhindern füönnen, und tritt die Nothwendigkeit
zu ſtrafen ein, [ſv ſind jene Grundſäße anzuwenden, welche wir, wie oben
bemerkt, in dem Artikel: Belohnungen und Beſtrafungen aufgeführt
haben ; cs fragt ſich aver no“ insbefondere: wa 8 foll beſiraſt werden?
Hierauf gilt zur Antwort: nicht vas materielle Vergehen, ſon-
dern der böſe Wille, alio nur Fehler, welche vom freien Willen der
Kinder abhängig ſind. (Es foll alſo wohl müterſchieven werden zwiſchen
Fehlern, welche aus Bergeßlichkeit, Zerfiroutheit und anderer geiſtiger
Schwäche hervorgehen und noch feinen Zuſtand bilden, und zwiſchen Ver-
gehen, die aus denſelhbon Schwächen hervorgehen, die aber bereits zur
jehlerhaften Gewohnheit geworden ſind, woil ver Zögling fich keine Mühe
gegeben hat, ſie zu überwinden, und zwiſchen eigentlichen bos8haften Vergehen.
Erſtere ſollen nur-liebevolie Ermahnungen und Warmungen, die andern ernſtes
Anhalten, leßtere eigentliche Strafe zur Folge haben. Dabei müſſen wir be-
merken, daß Kant auch unachtſame Uebertretungen der Gebote geſiraft
wiſſen will. (Ueber Pädagogik. Königsberg 1803. S. 74.) Ebenſo iſt zu
unteri des boShaften Muthwillens , zwiſchen Nachläſſigkeiten im Betragen und
eigentlichen Unarten. Das Verwechſeln der einzelnen Erſcheinungen erzeugt
nicht nur Ungerechtigkeit, ſondern erſc ſchwächt deſjen Wirkſamkeit, Ebenſo macht Ohler mit Recht darauf auf-
merkjam, daß Fehler, deren natürliche Folgen die Kinder von ſelbſt fühlen
und die ſie deßhalb ſchon bereuen und verabſcheuen, ebenfalls nicht beſtraft
werden ſollen. Die Urſache iſt einfach die, weil die natürliche Folge ſchon
die Strafe vertritt und die Kinder ſonſt zweimal geſtraſt würden.
Die Straſmittel ſind verſchiedenartig je nach Alter, Geſchlecht und

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