Problem, --- Pſychologie, 37
vermeidlich mit ſich bringt; allein es ſollte dieſer Proceß auf einer hinreichend
feſten und umfänglichen Grundlage vor fich gehen, auj einer Grundlage, die
jelbſt nicht mehr in Frage ſteht, was hier in unſerem Falle leider nicht zu-
riſſt; es trifft aber nicht zu, weil man der Schule das, was ewig feſt und
apodittijch gewiß iſt, das um ihm jolc weitern Fortſchritten zu dienen, nur einen Wechſel, eine Veränderung, aber
keine Weiterbildung, keine organiſche Fortentwilung bewirken. Sie führen
zu dem, was wir 2) als Problematiſiren im Sc haben. Hierunter verſtehen wir zweierlei: a) das Problematiſiren mit der
Schule, b) das Problematiſiren in der Schule, beides in ver Bedeutung
des Experimentirens. Ju Organiſationsangelegenheiten der Schule mit-
zuſprechen , iſt gegenwärtig eine ſehr beliebte Sache gerade in jolc von denen man es entweder gar nicht, oder nicht in der Art, wie es geſchieht,
erwarten jollte. Die Vorjc material, die Unterrichts8zeit der Schule, über deren Charakter (confeſſionell
oder communal), Schulpflichtigkeit, Schulzwang, Unterrichtsfreiheit 2c, häufen
jich von Jahr zu Jahr, und ſind jehr dazu geeignet, mit dem einige Zeit Be-
ſtandenen unzufrieden zu machen und eine wahre Problematiſirungs-
ju That nur ein Probirſchritt von fraglihem Erfolge iſt. Wir wiſſen wohl, daß
allen menſchlichen Einrichtungen das Gepräge der Unvollkommenheit eigen iſt,
und daß ſie jonac) von Zeit zu Zeit der Verbeſſerung bedürfen ; allein man
wird andererſeits zugeben , daß e8 ungeſunde krankhafte Anjc ausjeßt, wenn man ſchon nach fünf , ſe<38 Jahren ſehr bedeutende Ab-
änderungen in Sculorganijation8ſachen vornimmt, wie dies in einzelnen
ventjchen Staaten geſchieht. Daß ſich hiebei etwas Gutes gar nicht einbürgern
kann und erproben läßt, ſieht Jedermann ein, Das Uebel rührt aber daher,
weil die Schule zu einem Spielball für politiſche Tendenz-Beſtrebungen benüßt
werden will, was ganz ſicherlich zu ihrem Verderben gereicht. Daß die ſoge-
nannte politijc<-radikale Partei ſich der Schule ſo energiſch annimmt, thut ſie
doch hauptjächlich im Intereſſe ihrer Parteizwe>e , man könnte es fonſt nicht
erklärlich finden, wie die franzöſiſche Demokratie erſt neulich (1863--64) auf
Schulzwang hätte antragen mögen. Die Forderungen der politiſ jturzmänner an die Schule laufen ganz parallel mit ihren übrigen Abſichten,
denen jie als Stüße dienen ſollen. Muß aber die Schule den beſtändigen
Fluctuationen des PoliticiSmus (ich kann die ſchlechte Politik unſerer Tage
aicht anders nennen) folgen , dann möchte ich doch fragen, ob ſie ſelbſt nicht
ein beſtändiges Problem ſei, und ob ſie etwas Dauerhaftes und Beſtändiges
zu ſc der Schule. ES iſt von beſonnenen Pädagogen viel dagegen gewarnt worden;
allein begreiflicherweiſe vergebens. Wir ſagen „degreifliherweiſe,“ weil das
Experimentiren mit der Schule jenes in der Schule unvermeidlich nach ſich
zieht. Leider hat ſich auch der Religion3unterricht davon nicht frei zu erhalten
gewußt , und ein öfterer Wechſel mit Katechiömen, der da und dort ſtattſand,
hatte die nachtheiligſten Folgen. E38 muß daher der Freund der Schule wün-
Ihen, daß dem Problematiſiren mit ihr Ziel und Maß gejeßt werde.
Prüfungen, |. Schulprüfungen.
. Pſychologie = Seelenlehre , vom Griechiſchen 2vyy, Seele und Aoy06,
Lehre. Sie ijt ein geſuchter Artikel bei dem Lehrerſtande geworden, Und die
Frage über deren Studium gehört zu den brennenden Sdulfragen der Gegen-
wart. Man wird daher erwarten, daß wir uns, ſoweit e8 der Umfang

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